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	<title>stadtwanderer</title>
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	<description>geschichte(n) aus meinem lebensraum</description>
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		<title>was für ein asterix!?</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Sep 2010 20:41:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cal</dc:creator>
				<category><![CDATA[rubrik in eigener sache]]></category>

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		<description><![CDATA[den schlauen asterix kennt man. den starken obelix auch, und idefix, den hund fürs übersinnliche, muss man einfach gerne haben. doch wo für stehen sie eigentlich: für unsere vorstellung der geschichte? für das leben im kulturellen kunterbunt der gallier? oder für frankreich als nation?

die geschichten der unschlagbaren gallier hat man zwischenzeitlich intus. man geht auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>den schlauen asterix kennt man. den starken obelix auch, und idefix, den hund fürs übersinnliche, muss man einfach gerne haben. doch wo für stehen sie eigentlich: für unsere vorstellung der geschichte? für das leben im kulturellen kunterbunt der gallier? oder für frankreich als nation?</strong></p>
<p><object width="480" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/b8wqK_wb3Ik?fs=1&amp;hl=en_US"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/b8wqK_wb3Ik?fs=1&amp;hl=en_US" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="440" height="350"></embed></object></p>
<p>die geschichten der unschlagbaren gallier hat man zwischenzeitlich intus. man geht auf reise, irgendwo auf dem kontinent, um im fremden das eigene zu entdecken, und findet sich so nicht nur in der vergangenheit, sondern auch in der gegenwart wieder.</p>
<p><strong><em>der film</em></strong><br />
in &#8220;asterix bei den olympischen spielen&#8221; geht es von der bretagne nach griechenland. alafolix, ein hübscher jüngling aus gallien, will die olympischen spiele gewinnen, um die bezaubernde prinzessin irina aus athen heiraten zu können. asterix und obelix, dem vorhaben gegenüber anfänglich skeptisch, begleiten ihn, unterstützt von miraculix, damit das vorhaben nicht im desaster endet. mit dem abgeschlagenen brutus, sohn von gaius iulius caesar, haben sie indessen nicht gerechnet. denn auch er will sieger der olympioniken werden. auch ihn treibt der gedanke, die venus der griechen zu bekommen. doch sieht er das alles nur als vorspiel für sein lebensziel, dier machtergreifung in rom, gegen seinen vater.</p>
<p>in diesem wettlauf um sieg und ruhm schenken sich die römer und gallier nichts &#8211; genauso wenig wie die helden der olympischen spiele der gegenwart. tolle sportliche leistungen werden geboten, doch ist auch doping mit im spiel, und korruption beherrscht die schiedsgerichte. als das speerwerfen an die griechen geht, setzt brutus aufs ganze. vom ringen bis zum rennen &#8211; überall gibt es nun gekaufte siege für die römer. das jedoch ist die stunde von des cleveren sternchens aus gallien, das, vom irritierten publikum unterstützt, die schiebungen vor caesar beklagt, sodass dieser einen ultimativen vergleich ausrufen muss. das legendäre wagenrennen im oval des stadions soll alles entscheiden, sodass hochgerüstet wird, mit technik, taktik und dem berühmten trank der druiden. den nutzen diesmal aber nicht die gallier, sondern die römer, die jedoch nicht merken, dass man ihnen so eine fall stellt. denn der siegreiche brutus wird am ende disqualifiziert, abgeführt und in eine galeere verfrachtet, während der zweite alafolix zu seiner erhofften ehre kommt und irina heiratet, derweil idefix mit ihrem pudel kuschelt, und obelix mit asterix von der nächsten wildschweinjagd träumt.</p>
<p>der streifen, vor gut einem jahr erstmals in den kinos, zählt, gemäss prospekten, zu den aufwendigsten produktionen der europäischen filmgeschichte. in der tat erlebt man die welt der antiken metropolen hautnah, sieht man sich riesigen römischen soldatenheeren gegenüber, und das wagenrennen gleicht fast schon einem grand-prix der formel 1. dafür sorgen promis der gegenwart wie michael schumacher, zinédine zidane und adriana karembeu in nebenrollen, während clovis cornillac (astérix), gérard depardieu (obélix), alain delon (jules caesar), benoit poelvoorde (brutus), stéphane rousseau (alafolix) und vanessa hessler (irina) die hauptfiguren spielen. asterix-vater uderzo wurde beim kinostart vorgeworfen, eine seiner populärsten geschichten für einen lächerlichen action film freigegeben zu haben. in der tat, einige der szenen wirken etwas kitischig, doch das stört die hauptaussage des filmes nicht. denn mit &#8220;asterix bei den olympischen spielen&#8221; wird der ganze mythos der ruhmreichen gallier gegen alle andern aufs trefflichste zelebriert.</p>
<p><strong><em>der mythos</em></strong><br />
entstanden ist der mythos, wie die <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/international/frankreichs_umstrittene_wurzeln_im_burgund_1.7441326.html">nzz von gestern </a> erinnert, 1858 im second empire von napoléon iii., als seine archäologen den ort entdeckten, wo die gallier 52 vor christus von caesar definitiv besiegt wurden. &#8220;alesia&#8221; war den lesern der &#8220;commentarii de bello gallico&#8221; stets ein begriff gewesen, doch war die stelle der schlacht ums ganze vom siegreichen statthalter roms nur ungenau beschrieben worden. luftaufnahmen der 1990er jahren machten klar, dass es sich tatsächlich um alise-sainte-reine handeln muss, genauso, wie seinerzeit vom grabenden kaiser vermutet. </p>
<p>vercingetorix ergab sich seinerzeit angesichts seiner verhungernden gefolgsleute auf dem mont auxois und wurde als kriegsgefangener in rom erdrosselt. napoléon iii. liessen ihm zu ehren eine überlebensgrosse statue, ja den galliern insgesamt errichten. seither kommen weder populärhistoriker noch franzosen an ihren ersten gemeinsamen helden nicht vorbei, &#8211; vergleichbar einem karl martell, charlemagne, philipp le bel, jeanne d&#8217;arc, louis xiv. und napoléon bonaparte.</p>
<p>die national ausgerichtete geschichtserzählung zieht eine direkt linie von der vergangenheit in die gegenwart, um die zukunft historisch zu sichern. in frankreich hing sie stark mit der rivalität von frankreich und deutschland des 19. jahrhunderts zusammen, die sich zu kriegsförderndenen gemeinschaftsbildung mit herleitungen von den galliern resp. germanen zu legitimieren suchten. dem hat der archäologe und historiker <a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Jean-Louis_Brunaux">jean-louis brunaux </a>in seinem buch &#8220;Nos ancêtres, les Gaulois&#8221; entgegnet, es handle sich um sagenhaften geschichte, sich in erzählungen, comics und filmen eingespielt habe, die historische realität aber übel verkürze.</p>
<p><strong><em>die aktualität</em></strong><br />
das alles spiegelt sich, wie die aktualität zeigt, bis heute im verhältnis von sport und politik. zidanes weltmeistertruppe stand einmal symbolisch für die erfolge der integrationspolitik im migrationsland frankreich. seit den blamagen der blauen auf dem fussballfeld, dramatisiert durch einen der migranten, der gerne mit den schönen des süden flirtet und sich ebenso wohl in der wärme des staatspräsidenten sonnt, wenn er nicht gerade ausweisungen der romas anordnet, inszeniert man lieber wieder projektionen der reinen und tapfern gallier, die jede einmischung durch fremde zu bekämpfen wissen, und dabei unschlagbar sind.</p>
<p>stadtwanderer</p>
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		<title>sprachgrenzschlängeln</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Sep 2010 18:07:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cal</dc:creator>
				<category><![CDATA[rubrik in eigener sache]]></category>

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		<description><![CDATA[von weitem gesehen spricht man gerne vom klaren und tiefen röstigraben. von nahem ist das ganze viele komplizierter. erfährt man beim wandern in der grenzregion oder im buch &#8220;Die Röstigrabenroute&#8220;.
jean-françois bergier, der kürzlich verstorbene doyen der schweizer historiker, war skeptisch, wenn man vom röstigraben sprach. denn ein loch entlang der sprachgrenze sah er nie. vielmehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>von weitem gesehen spricht man gerne vom klaren und tiefen röstigraben. von nahem ist das ganze viele komplizierter. erfährt man beim wandern in der grenzregion oder im buch &#8220;<a href="http://www.rotpunktverlag.ch/cgibib/germinal_shop.exe/showtemplate?uid=4DE67CA3-33C6-4D07-9671-EDC6CD9690F0&#038;caller=rotpunkt&#038;session_id=817523&#038;melde=prolit&#038;verlag=50&#038;page=rotpunkt_kurzliste.html&#038;rp_titel=Titel&#038;titel=Die%20R%F6stigraben-Route">Die Röstigrabenroute</a>&#8220;.</strong></p>
<p><img src="http://www.stadtwanderer.net/wp-content/uploads/26435786z.jpg" alt="26435786z" title="26435786z" width="218" height="315" class="alignleft size-full wp-image-11624" /><a href="http://www.stadtwanderer.net/?p=7134">jean-françois bergier</a>, der kürzlich verstorbene doyen der schweizer historiker, war skeptisch, wenn man vom röstigraben sprach. denn ein loch entlang der sprachgrenze sah er nie. vielmehr zog er die französische metapher des <a href="http://www.stadtwanderer.net/?p=1957">vorhangs</a> vor, in realität bestehend aus sprachen, mentalitäten und weltdeutungen. der röstigraben kam für ihn vor allem im fernsehen vor, das ihn mit seiner auf sprache und region beruhenden eigenheiten vertiefe, meinte er. für die deutschschweizerInnen wurde die französischsprachige schweiz zur romandie, obwohl genf und sitten, lausanne und fribourg, porrentruy und neuchâtel nur beschränkte gemeinsamkeiten haben. genau das gilt auch umgekehrt, wenn die französischsprachigen via fernsehen auf die deutsche schweiz schauen, und die mit dem allgegenewärtigen zürich gleichzetzen oder von den finsteren kräften aus der suisse profonde bestimmt sehen. </p>
<p>an dieser kritik ist einiges richtig. denn es gibt in der schweiz auch andere gegensätze als die sprachregionen. zum beispiel die der städte, ihrem  umland, der berge und der täler. zum beispiel die der offenen und verschlossen kulturen. zum beispiel die der konfessionen, die kollektiv oder individuell ausgerichtet sind. zum beispiel die der schichten, die vermögend oder arm sind. überall, und auch entlang der sprachgrenzen. </p>
<p>der journalist christoph büchi, der viel über die verschiedenen verhältnisse in den schweizer regionen nachgedacht hat, glaubt, die alltagskulturen seien entscheidend, die sich in dialekten und kleidungen zeigten, aber auch im humor, der phantasie und der kunst äusserten. das zentrale an den sprachregionen erkennt er einzig in den grössenordnungen: die deutschsprachige schweiz hat viel mehr einwohnerInnen als alle sprachminderheiten zusammen, die ihrerseits ungleich zahlreich zusammengesetzt sind. das lässt verbreitet eine mischung aus ignoranz- dominanzgefühlen genauso wie abwehrreflexe dazu. deshalb existierten die sprachgrenzen vor allem im alltag der minderheiten. </p>
<p>das mag auch erklären, weshalb traditionelle sprachmischungen seit dem 20. jahrhundert vor allem auf der französischen seite am verschwinden sind. einwanderungen aus der deutschsprachigen schweiz &#8211; ein phänomen, das mit der uhrenindustrie zusammen hing &#8211; gingen wegen des rückgang an arbeitsstellen zurück. wer blieb, passte sich spätestens in der zweiten generation an, und wer das nicht wollte, bekam den politkulturellen druck der lokalen mehrheit zu spüren, wie es der neuenburger sprachforscher frédéric chiffelle ausdrückt. umgekehrt wird die sprachliche integration in der deutschsprachigen schweiz erschwert, weil man sowohl le bon allemand wie auch das patois, die standardsprache wie auch den dialekt, lernen müsste. spätestens an diesem scheitern die meisten einwandererInnen. begründet werden konnte das lange mit der suprematie des romanischen über das germanische, die sich namentlich bei den französischsprachigen mitbürgerInnen erfreute und wenig integrativ wirkte. </p>
<p>biel/bienne ist die einzige stadt, die ganz generell auf ihre zweisprachigkeit in der mehrsprachigen schweiz setzt, sich kulturellen einflüssen aus paris, zürich, basel und &#8211; wenn es sein muss auch bern &#8211; offen zeigt, eine verbindung zwischen juratälern und mittelland sucht, reichtum wie armut kennt und verschiedene konfessionen, nationalitäten und ideologien achtet. die stadt ist denn auch das eigentliche zentrum der sprachgrenzregion im westen der schweiz. deren vielfalt zwischen neumühle an der elsässisch-schweizerischen grenze und dem matterhorn im übergangsgebiet der schweiz zu italien kennen zu lernen, ist das ziel des sprachgrenzschlängelns, wie es philipp bachmann in seinem ebene erschienen buch im rotpunktverlag vorschlägt. 22 routen hat er ausgeheckt, die interessierte wanderer stück für stück mal dies-, mal jenseits der sprachgrenze fgehen können, die einen über berge führen und in tälern rasten lassen, die einen mal landschaften geniessen und mal auch städte im kulturmix entdecken lassen.</p>
<p>ich habe das buch &#8220;Die Röstigrabenroute&#8221; heute in murten gekauft, und es mit gewinn in morat gelesen, auprès du lac, wie man die dortigen gestade am murtensee nennt.</p>
<p>stadtwanderer</p>
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		<title>Nom de dieu!</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Sep 2010 22:45:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;adolf muschg. sax. buchvernissage. leben. politik. tod. gott. nom de dieu!&#8221;, steht auf meinem spickzettel zum bericht des heutigen besuchs in zürich.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8220;adolf muschg. sax. buchvernissage. leben. politik. tod. gott. nom de dieu!&#8221;, steht auf meinem spickzettel zum bericht des heutigen besuchs in zürich.</strong></p>
<p><img src="http://www.stadtwanderer.net/wp-content/uploads/9783406605178_cover.jpg" alt="9783406605178_cover" title="9783406605178_cover" width=250" height="395" class="alignleft size-full wp-image-11604" />an diesem abend im kaufleuten werden erinnerungen wach. am 6. dezember 1992 scheiterte der ewr-beitritt der schweiz in der volksabstimmung. erst 1995 nahmen die schweiz und die eu wieder verhandlungen auf, um mit den bilateralen einen ausweg zu suchen. im jahr 2000 wurde das erste paket dieses vertragswerkes in einer volksabstimmung gutgeheissen.</p>
<p>während den 90er jahren diskutierten im schweizer ableger des ceps, des centers for european policy studies, einer denkfabrik in brüssel, ausgewählte bankiers, unternehmer, politiker, intellektuelle und medienschaffende unter ausschluss der öffentlichkeit über mögliche strategien der schweiz in europa. dabei waren so unterschiedliche grössen der zeitgeschichte wie hans-rudolf dörig, mario corti, christoph blocher und adolf muschg, alle moderiert von roger de weck, denen ich als junger politologe jeweils mit einigem staunen zuhörte. wortgewaltig waren sie alle, mächtig auf ihre art auch und gescheit ebenso. doch zogen sie an den verschiedensten stricken: direkt in die eu wollten die einen, eine neuauflage der ewr-entscheidung die anderen. schliesslich gab es die überzeugten des helvetsichen alleingangs &#8211; bis sich schrittweise der weg der bilateralen herausbildete, auf dem immer mehr wanderten, während wenige auf distanz dazu blieben.</p>
<p>sax, das ist ein adelsgeschlecht aus dem rheintal, das im 12. jahrhundert im gefolge der passpolitik, welche die stauffer als kaiser des heiligen römischen reiches betrieben, mitmachten und dabei gross wurden, sodass sie kaiserliche güter und ämter im st. gallischen und im bündnerland anhäufen konnten. &#8220;<a href="http://www.google.ch/imgres?imgurl=http://www.chbeck.de/productimages/rsw/images/products/9783406605178_cover.jpg&#038;imgrefurl=http://www.chbeck.de/productview.aspx%3Fproduct%3D31746&#038;usg=__7NYnYgEblp6tBI0L9VCPgJSJc0E=&#038;h=945&#038;w=589&#038;sz=516&#038;hl=de&#038;start=0&#038;zoom=1&#038;tbnid=lKS0y-620KIfeM:&#038;tbnh=170&#038;tbnw=116&#038;prev=/images%3Fq%3Dsax%2Bbeck%2Bmuschg%26um%3D1%26hl%3Dde%26client%3Dfirefox-a%26sa%3DN%26rls%3Dorg.mozilla:de:official%26biw%3D1280%26bih%3D830%26tbs%3Disch:1&#038;um=1&#038;itbs=1&#038;iact=hc&#038;vpx=138&#038;vpy=51&#038;dur=127&#038;hovh=284&#038;hovw=177&#038;tx=112&#038;ty=137&#038;ei=KEJ_TJquNYGkOKXViI8O&#038;oei=KEJ_TJquNYGkOKXViI8O&#038;esq=1&#038;page=1&#038;ndsp=32&#038;ved=1t:429,r:0,s:0">sax</a>&#8221; heisst auch der neue roman von muschg, durch den die mumie eines der freiherren von hohensax, an der die tödliche schädelwunde bis heute sichtbar ist, ebenso geistert wie seine mitgift, die berühmteste minnehandschrift des mittelalters. und das, obwohl alles in der gegenwart spielt! denn das erzählte leben wird hier vom tod her gedacht, und so endet der roman im jahre 2013, und beginnt er 1970, &#8211; just der zeit, in der der autor professor für deutsche literatur an der eth zürich, präsident der akademie der künste in berlin und darum herum erfolgreicher schriftsteller war und es wohl auch noch eine weile bleiben wird.</p>
<p>adolf muschg las an der buchvernissage nur gerade die erste halbe seite seines jüngsten werkes vor, um sein thema spielerisch zu lancieren: den spuk. eingeführt wurden dabei der nebel an der nordsee, die nächtlichen friedhofbesuche, die seancen in gespensterhäusern mit tischen an der decke. all das waren grenzerfahrungen, die einen schon früh auf den tod vorbereiten, meinte muschg. was für ein leben auch immer man geführt habe, dem tod entrinne man nicht, und deshalb sei er, der tod &#8211; ganz wie philosoph ernst bloch es gesagt habe &#8211; das letzte der erlebnis, das ultimative abenteuer, das jede und jeder noch vor sich habe.</p>
<p>der 76jährige schriftsteller erzählte an diesem abend offensichtlich aus seinem leben, zitierte auffällig häufig literaturgott goethe. er berichtete auch aus seinen roman, um sich über einige der figuren wie thomas schinz, dem privatbankier, dr. fanny moser, der geisterforscherin, dem anwaltskollektiv mit büro in einer dachwohnung und herrn schiess, dem bundesrat, auszulassen. den künftigen leserInnen von &#8220;sax&#8221; versprach er, in diesem roman von karriereplanungen bis liebesgeschichten vieles mitzuerleben und dabei die dünne wand zwischen leben und tod zu durchbrechen, was der klappentext zum buch aus dem c.h.beck verlag ein einladung nennt, mehr über ungelebtes leben und den gelebten tod zu erfahren. </p>
<p>roger de weck, der auch heute die veranstaltung moderierte, in der ich, etwas gealtert zwar, wiederum staunender gast war, versuchte hartneckig, das politische in muschgs leben und romanen zu umreissen. so sprach man von blocher (alias bundesrat schiess), den muschg ein wenig auf die schippe nahm, weil jeder mensch einen anker brauche, aber nicht jeder davon überzeugt sein, notfalls <em>sälber id hose </em>steigen zu müssen. sein urteil über den kontrahenten von damals fiel aber einiges milder aus, als man es erwartet hatte. letztlich war auch das ein lob auf die zweideutigkeit oder ambivalenz, die alle stoffe des lebens, so auch blocher, interessanter mache, als die einsilbigkeit oder reduktion der medialen berichte darüber. dabei frotzelte muschg, sei in seiner jugend &#8211;  ganz anders als heute &#8211; ein medium ein frau mit verbindungen ins jenseits gewesen. das wiederum sei nicht sein ziel in seinem nächsten medium, konterte der designierte srg-generaldirektor auf der bühne. </p>
<p>animator roger de weck reizte an diesem abend nebst der politik auch das thema gott. denn adolf muschg war in den 70er jahren mitglied der furgler-kommission gewesen, dem 40köpfigen gremium, das vorschläge für eine neue bundesverfassung macht und auch eine neue präambel dazu diskutierte. man weiss es, die schweiz gehört mit irland und spanien bis heute zu den einzigen, die sich im vorwort zum grundgesetz auf gott berufen, was muschg, der damals für verschlankung dieser ganzen symbolik aus dem 19. jahrhundert plädierte, heute weniger stört als auch schon. immerhin, sein &#8220;sax&#8221; endet mit dem wortspiel &#8220;In Gottes Namen, fügte Hubert bei. Nom de dieu, vollendete Jacques.&#8221; </p>
<p>vielleicht weiss ich nach der lektüre, ob das das politische vermächtnis des schriftstellers ist!</p>
<p>stadtwanderer</p>
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		<title>zum beispiel nathalie wappler</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 19:38:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[ich gehöre wohl zu den vielen, die nicht genau wissen, was das konvergenzprojekt der srg mit sich bringt. die wahl der neuen geschäftsleitung von srf &#8211; ein gewöhnungsbedürftigen kürzel, das immerhin klar näher bei srg ist als das sr und drs waren &#8211; klärt diese frage vorerst nicht wirklich. weitgehend geklärt wurde heute indessen, wer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>ich gehöre wohl zu den vielen, die nicht genau wissen, was das konvergenzprojekt der srg mit sich bringt. die wahl der neuen geschäftsleitung von srf &#8211; ein gewöhnungsbedürftigen kürzel, das immerhin klar näher bei srg ist als das sr und drs waren &#8211; klärt diese frage vorerst nicht wirklich. weitgehend geklärt wurde heute indessen, wer in ihr einsitz nimmt. die werden wissen, was die konvergenz mit sich bringt. </strong></p>
<p><img src="http://www.stadtwanderer.net/wp-content/uploads/wappler-nathalie-tn.jpg" alt="Wappler Nathalie" title="Wappler Nathalie" width="270" height="180" class="alignleft size-full wp-image-11578" /><em>Nathalie Wappler, die neue Kulturchefin von SRF (Quelle: SRG)</em></p>
<p>herausgreifen möchte das jüngste gl-mitglied, nathalie wappler. die 42jährige ostschweizerin studierte geschiche und politikwissenschaft im deutschen konstanz. von der schweiz nichts gehört habe sie in diesen jahren, erklärte sie mir jüngst. gerade wegen der nähe zur grenze orientiere man sich in der nachbargemeinde von kreuzlingen klar an deutschland. stuttgart, die hauptstadt baden-württembergs sei weit weg von der bodenseemetropole, sodass eher grossstädte wie hamburg oder berlin lockten.</p>
<p>insbesondere menschen, die gerne in den journalismus möchten, meinte wappler. in der tat, nach einer stage bei 3sat, ging nathalie zum zdf, betreute kultur- und gesellschaftsthemen und stiess schon bald in die redaktion von &#8220;berlin mitte&#8221;, der heutigen talksendung &#8220;maybrit illner&#8221;, vor, wo sie unter anderem redaktorin für deutsche innenpolitik war. </p>
<p>2005 wechelte nathalie zum schweizer fernsehen und begann für den kulturplatz zu arbeiten und zu produzieren. aktuell ist sie die chefin aller sternstunden, des literaturclubs und der nachtwach. für ihre innovationen in diesem bereich wurde sie mit ihrem team auch schon mit begehrten tv-preisen ausgezeichnet. auf anfang des nächsten jahres wird sie die neue chefin aller kultursendungen von radio und fernsehen &#8211; und überflügelt damit den jetzigen tv-kulturchef rainer schaper genauso wie den chef von radio drs2, marco meier. </p>
<p>kennen gelernt habe ich die fernsehmacherin vor gut einem jahr während den vorbereitungen für die damaligen <a href="http://www.stadtwanderer.net/?p=6330">&#8220;sternstunden geschichte&#8221;</a>. als erstes merkte ich, dass sie gut und lange zuhören kann &#8211; eine gabe, die bei weitem nicht alle journalistInnen haben, die gewählte aber für höhere würden qualifiziert. rasch erkannte man auch ihr talent, stets für das team dazu sein: die technikerInnen und journalistInnen einerseits, die gäste am und hinter dem bildschirm andererseits. dabei wirkt sie stets unprätentiös und gelassen, verströmte die ruhe, die sich vorteilhaft auf die produktion von sendungen auswirken. </p>
<p>das merkte man letzten sommer besonders in müstair, als wir im kloster zu gast waren. die nonnen bestaunten die bunte schar aus zürich und zugewandten orten, denn so etwas sehen die benediktinerinnen nicht jeden tag in ihrem kreuzgang. doch bald schon wich die freude dem ärger, waren wir doch allesamt zu laut für den würdigen ort. die chefin der sendungen hielt uns vermittelnd an, unsere arbeit vorzubereiten, im wissen um das berühmte kulturerbe, indem wir sie erledigten. </p>
<p>dieses jahr waren wir zusammen im <a href="http://www.stadtwanderer.net/?p=10950">bergell</a> &#8211; arbeiten &#038; wandern. eines war anders. nathalie fotografierte viel mit ihrem handy, sandte die bilder den geknipsten als mail oder verwertete sie für ihre facebook acount. vom möglichen aufstieg in die srf-spitze sprach sie nie; vom konvergenzprojekt, für das sie sich engagierte, indessen schon. da lernte ich einiges hinzu, denn zu beginn eines gesprächs hatte ich mit meinen totalen unkenntnissen brilliert, weil ich mir gar nicht vorstellen konnte, kulturelle radio- und fernsehproduktionen zusammenlegen zu können &#8230; </p>
<p>vielleicht hat sie mir auch deshalb am ende des aufenthalts in stampa einen hinweis machen wollen. zu ihrer spezialität gehört es nämlich, den gästen ein symbolisches geschenk zu überreichen. und dieses jahr erhielt ich ein feuerrotes kleinstradio mit dickem schweizerkreuz drauf, das ich flugs nach schweden mit in die ferien nahm, wo es uns, in allen sprachen, gute dienste leistete. </p>
<p>und so bleibt mir, liebe nathalie, dir alles gute in der konvergenten srg zu wünschen, dass man auch allen andern menschen in diesem lande, in allen kulturellen fragen, gute dienste leisten werde.</p>
<p>stadtwanderer</p>
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		<title>ge-schichten aus oschwand</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Aug 2010 19:18:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cal</dc:creator>
				<category><![CDATA[rubrik in eigener sache]]></category>

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		<description><![CDATA[der erstmals gemeinsam vom stadt und kanton verliehene berner literaturpreis ging diese woch an lukas hartmann, schriftsteller aus köniz. in seiner dankesrede sprach er ausgiebig über oschwand, einem unbekannten ort in der nähe von herzogenbuchsee, in dem sich die halbe europäische geschichte spiegle. das sei typisch für bern, auch, dass man das nicht wisse.
neuer berner [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>der erstmals gemeinsam vom stadt und kanton verliehene berner literaturpreis ging diese woch an lukas hartmann, schriftsteller aus köniz. in seiner dankesrede sprach er ausgiebig über oschwand, einem unbekannten ort in der nähe von herzogenbuchsee, in dem sich die halbe europäische geschichte spiegle. das sei typisch für bern, auch, dass man das nicht wisse.</strong></p>
<p><img src="http://www.stadtwanderer.net/wp-content/uploads/hartmann_3.jpg" alt="hartmann_3" title="hartmann_3" width="250" height="310" class="alignleft size-full wp-image-11553" /><em>neuer berner literaturpreisträger lukas hartmann</em></p>
<p>&#8220;Im Blick auf diesen kleinen Ort könnte ich von Uranvorkommen erzählen, von schwarzen Perlen, von einer Hühnerrupfmaschine, vom Erdbeermareili, von milionenteuren Bildern, von der Waffen-SS, vom Berliner Theatertreffen, vom polnischen Krakau.&#8221;</p>
<p>denn in oschwand unterrichtete vor 40 jahren nicht nur der junge lehrer hans-rudolf lehmann alias <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lukas_Hartmann">lukas hartmann</a>. hier begegnete er auch verschiedenartigsten menschen direkt oder indirekt, die einen bleibenden eindruck hinterliessen.</p>
<p>zum beispiel ein nicht namentlich genannter lehrerkollege, der 1940 wegen hitler ausriss, um als freiwilliger in der waffen-ss zu dienen; nach ostfronterfahrungen und  amerikanische gefangenschaft kehrte er in die heimat zurück, um die jugend zu unterrichten.<br />
zum beispiel cuno amiet, der bekannte solothurner maler, der 60 jahre lang in der oschwand sein atelier hatte, götti von alberto giacometti, maler aus stampa war und auch bruno hesse, dem sohn von bekannten hermann, die malerei beibrachte.<br />
zum beispiel städter paul nizon, der gemäss seinen eigenen tagebüchern in der oschwand seinen landdienst verbrachte, und da die kraft des landlebens kennen lernte.<br />
zum beispiel lina bögli, die hauptfigur in christoph marthalers gleichnamigem theaterstück, die schliesslich in kraukau landet, aber aus der oschwand war.<br />
zum beispiel albert bitzius, pfarrvikar in herzogenbuchsee, der regelmässig in der gegend spazierte, um als jeremias gotthelf sein erdbeermareili im tschaggeneigraben entstehen zu lassen, der mit dem mutzgraben in oschwand identisch ist.<br />
zum beispiel ernst glanzmann, dem wunderdoktor aus der oschwand, der daselbst sowohl seltsame schwarze perlen entdeckte, die sich als ausscheidungen von prähistorischen seeigeln entpuppten, als auch mit einem selber gebastelten geigerzähler uran auf dem gemeindebann aufspürte, und, hätte der kanton nicht interveniert, am liebsten eine kleine atomexplosion auf dem gemeindebann ausgelöst hätte. </p>
<p>der frühere journalist lehmann kommentierte das im berner progr so: &#8220;Sie sehen, zu welchen Abenteuern eine gründliche Recherche führt. So werden Schichten freigelegt, die zur Ge-Schichte werden, so ergeben sich Zusammenhänge, überall, und genau das ist mein Stoff &#8211; es ist der komplexe Stoff des Lebens.&#8221; genau das ist es, was der ausgezeichnete als schriftsteller macht: recherche und intuition verbinden, oder in seinen worten: &#8220;Ich finde und er-finde.&#8221;</p>
<p>stadtwander</p>
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		<title>alles nur wegen einer hasenscharte</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Aug 2010 22:47:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[dällenbach fragt den verkehrspolizisten: &#8220;darf man einen polizisten kamel nennen?&#8221; dieser verneint, das sei beamtenbeleidigung. da will kari es wissen: &#8220;darf man zu einem kamel polizist sagen?&#8221; nun ist die antwort positiv, und der scherz folgt auf den fuss: &#8220;also, gute nacht, herr polizist!&#8221;
was bleibt: ein schuh, ein brief und die liebe. annermarie, als sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>dällenbach fragt den verkehrspolizisten: &#8220;darf man einen polizisten kamel nennen?&#8221; dieser verneint, das sei beamtenbeleidigung. da will kari es wissen: &#8220;darf man zu einem kamel polizist sagen?&#8221; nun ist die antwort positiv, und der scherz folgt auf den fuss: &#8220;also, gute nacht, herr polizist!&#8221;</p>
<p><img src="http://www.stadtwanderer.net/wp-content/uploads/D„llebach_Kari_281.jpg" alt="D„llebach_Kari_281" title="D„llebach_Kari_281" width="265" height="190" class="alignleft size-full wp-image-11532" /><em>was bleibt: ein schuh, ein brief und die liebe. annermarie, als sie vom tod von dällenbach erfährt.</em> </p>
<p>man lacht. obwohl man die pointe kennt. denn regisseur kurt früh hat dällenbach kari mit seinem film aus dem jahre 1970 schweizweit bekannt gemacht und ein bild des <a href="http://www.stadtwanderer.net/?p=8445">stadtoriginals aus der jahrhundertwende </a>gezeichnet, das unradierbar in uns steckt. jedenfalls bei mir ist das. seine tochter katja früh hat nun das buch zum musical &#8220;dällenbach kari&#8221; geschrieben. moritz schneider und robin hoffman haben es vertont, und andreas gergen führte auf der thuner seebühne regie. eines kann man nach dem besuch im oberland mit bestimmtheit sagen: den charakteren der porträtierten menschen kommt man im film näher, dafür wird man im musical voll von den heftigen emotionen der traurigen lebensgeschichte ergriffen.</p>
<p>alles beginnt mit einer hasenscharte. kari wird dafür schon in der schule gehänselt. sein einziger kamerad ist fritz, der ihm bernische lebensweiseheiten beibringt: er sei schön und reich, kari gescheit und lustig. das sei und bleibe so. wegen einer frau geraten sich die beiden schulfreunde jahre später in die haare. fritz ist aufstrebender oberst und politiker. kari hat einen schlecht frequentierten coiffeursalon. fritz ist sein erster und bester kunde, der ihm rät, mehr unter die leute zu gehen, um sich beliebt zu machen. da lernt der scheue eine tochter aus angesehenem patrizierhause kennen und verliebt sich. doch die geisers wollen vom minderen gewerbler aus der altstadt nichts wissen, denn ihre annemarie ist schon längst fritz haeberli versprochen, dessen einfluss geld in die leere fabrikantenkasse bringen soll. als sich die drei am fest auf der allmend treffen, kommt es zum eklat. annemarie tanz mit kari. fritz kränkt seinen nebenbuhler, indem er ihn einen unnützen hasenscharter schimpft und ihn zum duell herausfordert. der kneift, verfällt freund alkohol und verdirbt im streit die liebe annemaries.</p>
<p>fünfzehn jahre lange verlaufen die lebenswege in der ober- und unterschicht getrennt. da macht sich annemarie an der seite von fritz gedanken, weil seine politische karriere stockt. populärer müsse er werden, genauso wie kari zwischenzeitlich mit seiner volkstümlichkeit sei. fritz zögert, geht dann in den coiffeursalon seinen ehemaligen kameraden, um sich das haar schneiden zu lassen, nicht ohne einen fotografen mitzunehmen. auch kari ist zurückhaltend, schneidet dem bundesratsanwärter jedoch ein schweizerkreuz ins haar, damit jeder sehe, dass ihm der patriotismus über den kopf hinaus wachse.</p>
<p>alles endet, wie es in einem drama enden muss: fritz falliert bei der wahl und stirbt bei einem autounfall. kari geht an seine beerdigung, begegnet da witwe annemarie, wobei ihre liebe zueinander wieder erwacht und sie ein paar werden. kari kann so der weinflasche und seinen saufkameraden entkommen. doch seine leber ist schon krank, und als er weiss, keine woche mehr zu leben, ersäuft er den krebs im schnaps und sich in der aare, während sich die ahnungslose annemarie die frohen farben ihrer zweiten hochzeit ausmalt. ihr bleibt nur ein schuh von kari mit abschiedsbrief, der die beerdigung mit anschliessendem essen mit hame und wein regelt, bei dem man allseits lustig sein soll.</p>
<p>tatsächlich lebte tellenbach karl von 1877 bis 1931. im bernischen walkringen geboren, hatte er 30 jahre lang in bern einen coiffeursalon an der neuengasse 4. weil die leute auf der strasse, selbst die kunden beim rasieren gedankenlos über seine hasenscharte lachten, scherzte der sprücheklopfer mit ihnen, um mitlachen zu können und nicht in sein inneres schauen zu müssen. schliesslich nahm sich der depressive in der nacht zum 1. august das leben. </p>
<p>immer wieder erwacht dällenbachs zweites leben. hanspeter müller-drossaart spielt die hauptrolle pfiffig und einfühlsam zugleich. <a href="http://www.carinlavey.ch/main.html">carin lavey </a>ist seine wunderbare partnerin, die als tochter gefällt, als ehefrau überzeugt und als liebende hinreissend ist. die bühne, auf der sie wirken, ist einfach, wie es sich für bern gehört: der zytgloggenturm ist in der mitte, und alle geschichten entstehen, indem die schauspieler aus bodenfenstern kommen und in sie wieder verschwinden. einzig ein drehbarer coiffeurstuhl und zwei tischreihen skizzieren die umgebung in der altstadt. </p>
<p>das stück hat längen und tempi, aufregende soli und ein mitreissendes ensemble. gelegentlich lacht man herzergreifend, doch dann könnte man vor schmerz heulen. es ist ein wenig wie auf der achterbahn! 76&#8242;000 begeisterte zuschauerInnen hatte das freiluft-musical in diesem jahr. keine der früheren produktionen auf der thuner seebühne war so erfolgreich, sodass man sich für 2011 viel vorgenommen hat: was heute samstag im berner oberland derniere feiert, wird ab kommenden frühling in zürich gastieren, um die heisskalte mischung des liebeslebens eines berner stadtoriginals mit folgenreicher hasenscharte in die limmatstadt zu zaubern.</p>
<p>stadtwanderer</p>
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		<title>entstand die schweiz 1291? &#8211; ein provokativer vortrag</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Aug 2010 07:35:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[das thema ist ernst: ist die schweiz 1291 gegründet worden? darüber werde ich ende september in thun sprechen. denn das glaubte man 1891 ganz fest und feierte den geburtstag der schweiz ausgiebig. 100 jahre später liess sich das festen nicht einfach wiederholen. nicht zu unrecht, sage ich. denn 1791 gab es gar kein gedenken an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>das thema ist ernst: ist die schweiz 1291 gegründet worden? darüber werde ich ende september in thun sprechen. denn das glaubte man 1891 ganz fest und feierte den geburtstag der schweiz ausgiebig. 100 jahre später liess sich das festen nicht einfach wiederholen. nicht zu unrecht, sage ich. denn 1791 gab es gar kein gedenken an einen solche gründungstag, genauso wenig wie 1691, 1591, 1491 und 1391. was also ist sache?</strong></p>
<p><img src="http://www.stadtwanderer.net/wp-content/uploads/Clip2.bmp" alt="Clip2" title="Clip2" class="alignleft size-full wp-image-11510" /></p>
<p>geschichte hat einen doppelten wortsinn, wie golo mann immer wieder betont hatte: es ist das geschehene in früheren zeiten und die erzählung darüber in der jetzt-zeit. geschichte ist, woran man sich später erinnert, könnte man das auch nennen. darin spiegelt sich eben nicht nur die vergangenheit, sondern auch die gegenwart. </p>
<p>unsere erinnerung an &#8220;1291&#8243; entstand 1891 aufgrund des wunsches der nationalen einheit. bern feierte die legendäre <a href="http://www.stadtwanderer.net/?p=2357">stadtgründung von 1191</a>; erstmals fanden sich die alten patriziergeschlechter und die neuen bürgerfamilien zu einem festakt zusammen. die angst vor der aufkommenden arbeiterschaft liess die alten gegensätze in den hintergrund treten.</p>
<p>der bund nahm das zum willkommenen anlass, ebenfalls ein versöhnungsfest zu veranstalten. freisinnige und konservative, die sich im sonderbundskrieg von 1847 noch mit waffen gegenüber standen, beendeten ihren politischen dauerzwist: der erste kk-vertreter wurde in den bundesrat aufgenommen, und die volksinitiative zur partialrevision der bundesverfassung wurde auf druck der konservativen zugelassen. </p>
<p>zudem wurden die unterschiedlichen gedächtniskulturen wurden zusammengelegt: der fortschrittgedanke der freisinnigen mit ihrem nationalen raumdenken verband sich mit der mythologe der innerschweiz, welche die unabhängigkeit der kleinen räume von allen herrschaften seit den habsburger vögten in der tell-figur bewahrt hatte. ferdinand holder hat dieser these mit seinem <a href="http://www.stadtwanderer.net/?p=243">tellbild</a> den treffenden ausdruck gegeben. </p>
<p>allerdings wurde der geburtstag der schweiz dazu von 1307 auf 1291 verlegt. historiker wilhelm öchsli begründete die verschiebung in einem eigens für den bundesrat geschriebenen geschichtswerk, indem er der älter auffassung des humanisten ägidius tschudi widersprach, der die gründung der schweiz auf 1307 durch den bund von brunnen datiert hatte. 1891 führte das zu einem tollen fest, 1907 indessen zu einem beschämenden besuch einer kleinen bundesratsdelegation an der kleinstfeier zum 600. geburtstag der schweiz.</p>
<p>der (de)konstruktivismus, der im gefolge von michel foucault seinen platz in der geschichtswissenschaft erobert hat, fragt golo mann radikalisierend nicht mehr, was war, sondern warum man sich wann an was erinnert. das ist eine ideologiekritische position, welche die produktionsbedingungen von geschichte in der jeweiligen gegenwart reflektiert. ich mag das, denn es hindert einen daran, geschichte für absolut zu setzen. allerdings bin ich kein ganz grosser anhänger der daraus auch abgeleiteten beliebigkeit von geschichten, wie das die postmoderne immer wieder auch propagiert. </p>
<p>mein vortrag in thun, soll zeigen, wie schweizer geschichte im bewusstsein darüber, dass sie immer auch schweizer gegenwart ist, aussehen könnte. hier nur die wichtigsten stichworte dazu: die politische gleichheit von mann und frau ist in der schweizer demokratie 1971 eingeführt worden. die direkte demorkatie ist von 1874, der föderalistische bundesstaat mit bund und kantonen datiert von 1848. moderne ideen begründeten 1798 die helvetische republik, die sich von vormaligen ancien regime so klar unterschied. 1648 wurde die eidgenossenschaft reichsunabhängig, und 1499 erkämpften sich die schlachtenbummler der verschiedenen orte ihren autonomen status im kaiserreich. davor war man rund 100 jahre kräftig (zusammen) gewachsen, denn war im mittelalter war, kann kaum als schweiz bezeichnet werden. </p>
<p>wer gar nicht an eine gründung der schweiz glaubt, der sieht sie entstehen und an ihren konflikten wachsen, wie dem waldsterben 1984, dem generalstreik 1918, der liberal-radikalen bewegungen nach 1830, der reformation von 1528 und dem investiturstreit 1076. denn die schweiz ist eine produktive verarbeitung von regionalismen, von religionsspaltungen, von ideologien, von sozialen auseinandersetzungen und von ökologiedebatten.</p>
<p>ich mache es klar: mit meinem vortrag zum fulehung will ich vor dem mittelalterverein thun die these begründen, dass die schweiz nie wirklich gegründet worden ist, sondern aus den gegengebenheiten heraus entstand. sie ist keine digitalfoto, die sekundengenau datiert werden kann, sondern ein farbbild, wie man es früher im wasserbad entwickelt hat. und: immer mehr fällt das licht der gegenwart in die dunkelkammer der vergangenheit, ohne dass es immer gleich scheinen würde. deshalb ändert sich auch die geschichte der schweiz von zeit zu zeit.</p>
<p>wohlan!</p>
<p>stadtwanderer</p>
<p>ps:<br />
eine übersicht über all meinen vorträge bis ende jahr gibt es <a href="http://www.zoonpoliticon.ch/blog/10185/auf-vortragstournee/">hier</a>!</p>
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		<title>wissenschaft, futurologie, geschichte und literatur &#8211; und wie das alles zusammenhängt</title>
		<link>http://www.stadtwanderer.net/?p=11467</link>
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		<pubDate>Tue, 24 Aug 2010 19:30:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cal</dc:creator>
				<category><![CDATA[rubrik buchbesprechungen]]></category>
		<category><![CDATA[zeit gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[zeit vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[zeit zukunft]]></category>

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		<description><![CDATA[kann man in der gegenwart die zukunft mit wissenschaftlichen mitteln erkennen? vielleicht oder teilweise, antworte ich und füge bei: man kann in der geschichte die fakten und in der literatur die zusammenhänge sehen, die einem sonst entgehen.  
das buch der zukünftigen zukunft
diesen sommer hatte ich (unter anderen) zwei ähnliche, wenn auch ungleiche bücher im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>kann man in der gegenwart die zukunft mit wissenschaftlichen mitteln erkennen? vielleicht oder teilweise, antworte ich und füge bei: man kann in der geschichte die fakten und in der literatur die zusammenhänge sehen, die einem sonst entgehen.  </strong></p>
<p><strong><em>das buch der zukünftigen zukunft</em></strong><br />
diesen sommer hatte ich (unter anderen) zwei ähnliche, wenn auch ungleiche bücher im ferienreisegepäck. das erstes heisst &#8220;<a href="http://www.campus.de/sachbuch/politik/Die+n%C3%A4chsten+hundert+Jahre.15.html">Die nächsten 100 Jahre</a>&#8220;. verfasst hat es der amerikanische politikwissenschafter <a href="http://www.youtube.com/watch?v=spqpoN-Ewqw&#038;feature=related">george friedman</a>, seit 1996 leiter des privaten instituts &#8220;stratfor&#8221;, das für regierungen, armeen und medien die (amerikanische) zukunft analysiert. </p>
<p><img src="http://www.stadtwanderer.net/wp-content/uploads/9783593389301_png_6637360.png" alt="9783593389301_png_6637360" title="9783593389301_png_6637360" width="201" height="365" class="alignleft size-full wp-image-11473" />friedman nennt drei überragende momente für das 21. jahrhundert, die ihn optimistisch stimmen: die anhaltende macht der usa, das ende der bevölkerungsexplosion und die neuen energien aus dem weltall. das krisengerede der gegenwart in der angelsächsischen welt mag er gar nicht hören. über den islam spricht er auch nicht gerne. chinas wirtschaftsmacht reicht in seiner einschätzung vielleicht an die japans, aber nicht amerikas. sie werde soweiso an ihren eigenen widersprüchen zerbrechen, ist er überzeugt. dafür sieht er zwei andere staaten aufkommen: die türkei, welche den europäischen kontinent, insbesondere deutschland einnehmen werde, und japan, das den usa den krieg erklären werde. nicht im pazifik werde der stattfinden, sondern im weltall &#8211; und von den vereinigten staaten von amerika gewonnen werden. das werde den usa die weltherrschaft sichern, deren grenzen nicht aussen-, aber innenpolitisch begründet seien: der spanisch geprägte südwesten der usa, der erst spät von mexiko zu den usa kam, sei das grösste pulverfass des landes, an dem es auch auseinander brechen könne. </p>
<p>wenn man das so liest, ist man zunächst beeindruckt. denn dem autor gelingt es, sich nicht vom kräuseln der ereignisse an der medialen oberfläche der ist-zeit einnehmen zu lassen. anders als seine kollegen argumentiert er auch nicht mit ökonomischen zyklen. vielmehr sucht er nach den ganz langen wellen, die den gang der geschichte sicherer fassen als alles ander. und dennoch bleibt man skeptisch. denn friedman glaubt, dass es nur ein zukunft, nämlich die der usa, gibt, die man erkennen, indessen nicht wirklich beeinflussen kann. das kommt bei seinen kunden sicher gut an, doch nichts belegt, dass es so kommen muss.</p>
<p><strong><em>das buch der vergangenen zukunft</em></strong><br />
an die erkennbare zukunft glaubte vor präzise 100 jahren auch der deutsche journalist <a href="http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/4540550?pageId=487872&#038;moduleId=339944&#038;categoryId=&#038;goto=&#038;show=">arthur bremer</a>. 22 seiner zeitgenossInnen forderte er auf, aus damaliger sicht über die zukunft zu schreiben. nicht so global, wie es friedman heute macht, sondern fein säuberlich in lebensbereiche aufgeteilt &#8211; über die zukunft des krieges also, jene des friedens, der frauen, der arbeiter, der religion, des soziallebens, der erziehung, der literatur, des theaters, der musik, der kunst, des sports, der medizin und der weltuntergänge. alles zusammen ergab das die vielzitierte anthalogie &#8220;<a href="http://www.amazon.de/Die-Welt-Jahren-hundert-einhundert/dp/3487083043">Die Welt in 100 Jahren</a>&#8220;. </p>
<p><img src="http://www.stadtwanderer.net/wp-content/uploads/03636717n.jpg" alt="03636717n" title="03636717n" width="200" height="282" class="alignleft size-full wp-image-11475" />wenn man mein zweites zukunftsbuch im ferienreisekoffer aus heutiger sicht liest, gibt es sicher ein schlüsselmoment: vorausgesagt wird, dass 2010 das telefon, damals in der ersten oder zweiten generation, drahtlos in der westentasche versorgt und somit auch überall mitgenommen werden könne, um sich jederzeit zu informieren und mit allen mitzuteilen &#8230;</p>
<p>bingo! könnte man nun rufen und glauben, die entwicklung von sachen wie dem handy liesse sich genau vorhersehen. doch auch dieser schein trügt. denn das gegenbeispiel wäre die erdbeere, die in brehmers buch in einem jahrhundert anwächst wie orangen, weil sie so mehr ertrag abwirft. das mag es heute in den laboratorien der gentechnologen geben, eine verbreitung wie die mobile telefonie hat sie nicht gefunden.</p>
<p>das ist es also nicht, was das genre auszeichnet. denn seine stärke liegt nicht in der prognose von ereignissen, sondern in der einsicht von zusammenhängen. editor georg ruppelt, der ein sensibles vorwort zur neuauflage des bestsellers von 1910 verfasst hat, insistiert denn auch auf die treffsicherheit der vorausschau bezüglich des entscheidenden zusammenspiels von technik, politik und gesellschaft in brehmers werk &#8211; oder plakativ gesagt, auf die bedeutung des fortschritts für die entwicklung des menschen und seiner gesellschaften. </p>
<p>getrieben wird dieser fortschritt beispielsweise durch die elektrizität, die in vielen lebensbereichen vorteile bringt, sich deshalb auch durchsetzt und dabei die an die möglichkeiten der produktion stösst, sodass der fortschritt zwischen technischen innovationen und zivilisationskritik oszillieren, die sich trotz faszinierenden neuentwicklung mit endlichkeit unserer ressourcen beschäftigt. </p>
<p>kurzfristig stimmte vieles von dem, was brehmer 1910 veröffentlichte, nicht. statt völkerverbindendem luftverkehr, politischer einigkeit, reichtum für arbeiter und der emanzipation für frauen, gab es 1914 den grossen krieg. die nationen europas brachen gegeneinander auf, die frauen wurden an den herd und in die fabriken geschickt, ohne rechte zubekommen, und die werktätigen männer mussten an die front, wo sie, wie noch nie in der weltgeschichte, als kanonfutter auf den schlachtfeldern der zerstörung starben. sie auch der aussagekräftige buchillustrator brehmers, ernst lübbert.</p>
<p>die sozialisten leisteten mit ihren revolutionen zwar einen betrag zum ende des krieges, doch entstand damit nicht demokratien, sondern volksrepubliken, die während siebzig jahren um die vorherrschaft in der welt kämpften, ohne sie zu erreichen. und um den inhaber genau dieser langfristigen globalen macht als treiber der geschichte geht es bis heute in den zukunftsschauen, die es immer wieder wert sind, gelesen zu werden. </p>
<p><em><strong>die bücher über zukunft heute und gestern im vergleich</strong></em><br />
eines ist mir bei den lektüren diesen sommer klar geworden: die soziale futurologie, die zukunftsoptimisten wie friedman verbreiten, gibt es nicht wirklich. </p>
<p>sicherer sind zukunftstrends für 10, 30 vielleicht auch 50 oder 100 jahre, die in der energieversorgung, verkehrspolitik, infrastrukturwicklung oder im stadtbau ihren stellenwert in planung, entwicklung und distrubution von gütern und dienstleistungen haben. doch dabei bleibt es in allen wissenschaftlich-technischen ableitungen aus den möglichkeiten der gegenwart.</p>
<p>die geschichte ist keine rückwärts gewandte prophetie, wie es der philosoph friedrich schlegel formulierte. und ihre umgekehrung ist auch keine vorwärtsgerichtete geschichtserzählung, wie ruppelt schreibt. denn geschichte beschäftigt sich immer erst im nachhinein mit dem, was war. was wir, auch was hätte werden können, ist und bleibt die aufgabe der freieren literatur. diese kunstform macht uns klar, was jenseits von fakten die wesentlichen zusammenhänge sind, welche auch die gegenwart im strom der veränderungen erscheinen lassen.</p>
<p>stadtwanderer</p>
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		<title>schweizer gemeinsinn &#8211; schweizer gegensätze</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Aug 2010 19:02:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cal</dc:creator>
				<category><![CDATA[rubrik in eigener sache]]></category>

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		<description><![CDATA[über das making of &#8230; dieser sendereihe habe ich schon mal berichtet. jetzt kann die zweite staffel der &#8220;sternstunde geschichte&#8221; am schweizer fernsehen angezeigt werden. 
der apéro an den kommenden vier sonntagen wird anspruchvoll. jeweils von 11 bis 12 wird eine weitere ausgabe der sternstunde geschichte gesendet. das übergeordnete thema heisst diesmal &#8220;schweizer gemeinsinn &#8211; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>über das <a href="http://www.stadtwanderer.net/?p=10950">making of &#8230; </a>dieser sendereihe habe ich schon mal berichtet. jetzt kann die zweite staffel der &#8220;sternstunde geschichte&#8221; am schweizer fernsehen angezeigt werden. </strong></p>
<p>der apéro an den kommenden vier sonntagen wird anspruchvoll. jeweils von 11 bis 12 wird eine weitere ausgabe der <a href="http://www.sendungen.sf.tv/sternstunden/Nachrichten/Archiv/2010/08/16/sternstundeneinzel/Sternstunde-Geschichte-.-Die-zweite-Staffel">sternstunde geschichte </a>gesendet. das übergeordnete thema heisst diesmal &#8220;schweizer gemeinsinn &#8211; schweizer gegensätze&#8221;. </p>
<p>wie schon vor jahresfrist moderiert <a href="http://www.stadtwanderer.net/?p=10376">roger de weck </a>die sendungen. ihm zur seite sitzen in jeder ausgabe <a href="http://www.stadtwanderer.net/?p=10959">thomas maissen </a>und &#8230; der stadtwanderer! darüber hinaus hat jede sendung eine spezialistin oder einen spezialisten zum thema, über das debattiert wird, als gast.</p>
<p><img src="http://www.stadtwanderer.net/wp-content/uploads/Sternstunde-Geschichte-vom-29_8_2010-Der-Schweizerinnen-und-ihre-Schweizer_na_normal.jpg" alt="Sternstunde-Geschichte-vom-29_8_2010-Der-Schweizerinnen-und-ihre-Schweizer_na_normal" title="Sternstunde-Geschichte-vom-29_8_2010-Der-Schweizerinnen-und-ihre-Schweizer_na_normal" width="173" height="123" class="alignleft size-full wp-image-11439" /><em>die schweizerinnen und ihre schweizer. </em><br />
eingeladene ist die spezialistin, regina wecker, emeritierte professorin für frauen- und geschlechtergeschichte an der universität basel (29.8., verschiedene aufzeichnungen ab dem 31.8.)</p>
<p><img src="http://www.stadtwanderer.net/wp-content/uploads/Sternstunde-Geschichte-vom-5_9_2010-Der-Freisinn-und-seine-Gegner_na_normal.jpg" alt="Sternstunde-Geschichte-vom-5_9_2010-Der-Freisinn-und-seine-Gegner_na_normal" title="Sternstunde-Geschichte-vom-5_9_2010-Der-Freisinn-und-seine-Gegner_na_normal" width="173" height="124" class="alignleft size-full wp-image-11441" /><em>der freisinn und seine gegner. </em><br />
eingeladen ist der ebenso bekannte wie streitlustige <a href="http://www.stadtwanderer.net/?p=10576">urs altermatt</a>, emeritierter professor für zeitgeschichte an der universität fribourg (5.9., verschiedene aufzeichnungen ab dem 7.9.)</p>
<p><img src="http://www.stadtwanderer.net/wp-content/uploads/Sternstunde-Geschichte-vom-12_9_2010-Nationale-Souveraenitaet-und-internationale-Verflechtung_na_normal.jpg" alt="Sternstunde-Geschichte-vom-12_9_2010-Nationale-Souveraenitaet-und-internationale-Verflechtung_na_normal" title="Sternstunde-Geschichte-vom-12_9_2010-Nationale-Souveraenitaet-und-internationale-Verflechtung_na_normal" width="173" height="129" class="alignleft size-full wp-image-11442" /><em>nationale souveränität und internationale verflechtung. </em><br />
eingeladen ist <a href="http://www.stadtwanderer.net/?p=10641">jakob tanner</a>, häufig kontrovers diskutierter professor für wirtschafts- und sozialgeschichte an der universität zürich (12.9., aufzeichnungen ab dem 14.9.)</p>
<p><img src="http://www.stadtwanderer.net/wp-content/uploads/Sternstunde-Geschichte-vom-19_9_2010-Die-Deutschschweizer-und-die-anderen_na_normal.jpg" alt="Sternstunde-Geschichte-vom-19_9_2010-Die-Deutschschweizer-und-die-anderen_na_normal" title="Sternstunde-Geschichte-vom-19_9_2010-Die-Deutschschweizer-und-die-anderen_na_normal" width="173" height="129" class="alignleft size-full wp-image-11445" /><em>die deutschschweizer und die andern. </em><br />
eingeladene ist die junge,sprachgewandte historikerin simona boscani leoni, forscherin über alpengeschichte an der universität lugano (19.9., aufzeichnungen ab dem 21.9.)</p>
<p>aufgenommen wurden alle sendungen im juli im palazzo castelmur ausserhalb von stampa. für das erste thema wurde im etwas finsteren schlossgang, eingerahmt von rüstungen, ausgewählt. das zweite fand im leicht pompösen schlosssalon statt, das dritte in der superengen bibliothek, und die vierte thematik besprachen wir bei sommerlichen temperatur unter bäumen im schlossgarten. </p>
<p>so wird dieses einmalige gebäude an der passstrasse durchs bergell von allen seiten ins bild gesetzt. &#8211; ich hoffe, dass uns das auch mit den angesprochenen ausführungen zum grossen thema zwischen eid- und kampfgenossenschaft der fall sein wird. </p>
<p>stadtwanderer</p>
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		<title>von bösen mannen und guten frauen im diemtigtal</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Aug 2010 17:11:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cal</dc:creator>
				<category><![CDATA[rubrik in eigener sache]]></category>

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		<description><![CDATA[kurz vor vier wurde klaus unruhig. er ging zu seinem roten opel, um das radio anzuknipsen. denn der stand der dinge am eidgenössischen schwing- und älplerfest in frauenfeld interessierte ihn. als er zurück kam, konnte er die frohe botschaft verkünden. mit kilian wenger war, erstmals seit 18 jahren, wieder ein berner festsieger. und das schon [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>kurz vor vier wurde klaus unruhig. er ging zu seinem roten opel, um das radio anzuknipsen. denn der stand der dinge am eidgenössischen schwing- und älplerfest in frauenfeld interessierte ihn. als er zurück kam, konnte er die frohe botschaft verkünden. mit kilian wenger war, erstmals seit 18 jahren, wieder ein berner festsieger. und das schon vor dem schlussgang; dieser würde nur noch entscheiden, ob der horbodener für drei jahre auch den titel eines schwingerkönigs tragen dürfe.</p>
<p><img src="http://www.stadtwanderer.net/wp-content/uploads/P8221415.JPG" alt="P8221415" title="P8221415" width="306" height="228" class="alignleft size-full wp-image-11427" /><em>fröhliches beisammensein der spinngruppe frienisberg (mit anhang) hoch über dem diemtigtal, während sich der horbodner kilian wenger zum neuen schwingerkönig vorarbeitet (foto: stadtwanderer)</em></p>
<p>wengers horboden lag uns, tief unten im tal, zu füssen. hinter uns war der niesen. mit seinem breiten rücken war er sich vorbild für den 20jährigen kilian, als er noch davon träumte, einmal der böseste unter bösen männern in der schweiz zu sein. doch nicht wegen ihm und seinesgleichen waren wir heute im diemtigtal. vielmehr hatten die besten unter den guten frauen geladen. </p>
<p>greti, rösli, sonja, silvia und bärbi, die spinngruppe frienisberg, hatte diesen frühsommer mit ihrem auftritt am mühlenfest in der hofen-mühle zu wohlen organisatorin regula baumgartner grosse freude bereitet. zum dank lud die bäuerin ihre frauen, samt anhang (zu dem ich unter anderen gehörte), auf ihre alp hoch über dem diemtigtal ein. </p>
<p>seit 1920 ist die alp ob horboden im famlienbesitz der baumgartners. 15 ha gross ist, erzählte bauer klaus. genauer gesagt seien es eigentlich 24 kuhrechte, die man hier oben für viehsömmerung besitze. 1 kuhrecht entspricht 100 tage weidezeit einer kuh während des sommers. effektiv haben die baumgartner dieses jahr keine kühe auf der alp, sondern rinder, und weil die etwas weiniger gras fressen, können sie 120 tage weiden. transportiert wurden sie die 66 kilometer lange strecke im frühling von bümpliz nord mit der eisenbahn nach oey, an der abzweigung des diemtigtales von simmental, von man früher in einem sechsstündigen aufzug auf die alp ging, während sie heute mit dem viehtransporter bis vor ihre hütte gebracht werden. </p>
<p>2005 war ein sturmjahr im diemtigtal, sodass wälder und hänge die bäche hinunter ins tal stürzten. das traf auch die baumgartners. zudem wütete der borkenkäfer, weshalb die alpweiden rund herum nur noch wenige bäume haben. und genau das machte den spaziergang bis auf die bruni-alp an einem tag wie heute besonders heiss. dafür wurden wir auf dem hof von res und barbara freudig überrascht. in der einfachen küchenstube ihres heimetli sass flurina, die erst einige monate alte tochter in einer tragwiege auf der treppe und staunte fröhlich über den zahlreichen besuch, der kiloweise hobel- wie auch raclettekäse aus der produktion ihrer jungen eltern einkaufte.</p>
<p>während unserer wanderung hatte klaus das feuer angelegt, sodass wir bei der rückkehr gleich mit dem bräteln beginnen konnten. verschiedenste salate und kuchen wurden dazu serviert, und zum abschluss gab es frisch aufgegossenen kaffee, verfeinert mit milch oder bäzi aus bernerrosen. gemütlicher hätte das treffen der gruppe zwischen 49 und 94 jahren nicht sein können, was auch die spinnerinnen inspirierte, den nächsten auftritt am <a href="http://www.erntefest.ch/">erntefest in roggwil </a>mit grosser umsicht zu anzugehen, derweil sich ihre &#8220;anhänger&#8221; bereits auf die nächste einladung freuen.</p>
<p>auf der rückfahrt nach bern hörten wir selbstverständlich wieder radio drs, um beim schlussgang in frauenfeld direkt dabei zu sein. kilian wenger brauchte ein unentschieden, einen gestellten, wie das in der fachsprache heisst, um schwingerkönig zu werden. sein herausforderer, martin grab, wusste, dass er gar nicht mehr festsieger werden konnte, einzig bei einem sieg die krönung des königs verhindern konnte. der 20jährige diemtigtaler, mit ebensoviel ruhe und übersicht, wie wir es heute gehabt hatten, an, ohne wirklich in die defensive zu geraten und griff, nach 10 minuten kampfzeit, heftig durch, um seinen widersacher zu bodigen. den muni, traditioneller siegespreis, will der neue könig übrigens nicht, das geld dafür schon.</p>
<p>der böse mann des tages stand fest, die guten frauen ebenfalls &#8230;</p>
<p>stadtwanderer</p>
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