linus von castelmur war, als ich 1977 in murten die rs machte, unteroffizier in der stabskompanie, in der ich als funker eingeteilt war. der sohn eines adeligen galt als scharfer hund, der eine verspätungen und nichts dergleichen tolerierte. als einmal selber verschlief, zitierte ihn der kadi zum gelächter aller füsiliere als linus wobleibstdunur?. diesen übernamen wurde er bis ende rs nicht mehr los.

P7070009palazzo castelmur im bergell (foto: stadtwanderer)

der palazzo castelmur steht südlich von stampa im mittleren bergell auf rund 1000 meter höhe über meer. der fluss trennt das schloss von der durchgangsstrasse. nur eine kleine steinbrücke erschliesst den bezirk des patrizierhauses.

um den bau verdient gemacht hat sich giovanni castelmur, der wie so viele bündner seiner zeit in allen herren länder als zuckerbäcker wirkte. giovanni kam in marseille zu geld und ehre, das er in sein heimattal invesierte. 1723 heiratete er 23jährig anna, seine cousine ersten grades, ohne das aus der ehe kinder entstanden. dafür baute er den früheren palazzo der redolfi mit turmbewehrter fassade aus, der seit 1854 mit leicht maurischem einfluss im bergell steht.

seit 1961 ist der familiensitz der castelmur im besitz der gemeinde. im obersten stock enthält er ein zuckerbächermuseum, genauso wie das bergeller archiv. in den unteren etagen drehen wir heute und morgen die vier sternstunden geschichte. mal im hausgang, mal in der bibliothek, bald im musikzimmer und bald im schlosshof unterhalten sich die drei moderatoren roger de weck, thomas maissen und ich abwechslungsweise mit unserem vier spezialistInnen der schweizer geschichte.

eben war die engagierte diskussion zu die „schweizerinnen und ihre männer“, einem grossen bogen zum hintergrund des 1971 spät eingeführten frauenstimm- und wahlrechtes in der schweiz, der im mittelalter, aber auch den veränderungen der reformation, der bürgerlichen und sozialen revolutionen ursachen für die verspätete einführung des erwachsenenwahlrechts in der schweiz suchte.

linus von castelmur war nicht dabei, denn der historiker, der selbst mal sekretär der bergier-kommission war, lebt zwischenzeitlich als schweizer botschafter in kongo kinshasa. den palazzo castelmur erhielten wird, weil er einer der wenigen repräsentativen orte im bündner land ist, der in diesen tagen etwas verlassen wirkt, weil er kein public viewing der fussballweltmeisterschaft in südafrika anbietet.

stadtwanderer


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