so früh sind wir die ganzen ferien nicht aufgestanden. doch es hat sich gelohnt. das gemeinsame mähen auf dem bergbauergut in ritamäki war eine tolle sache.

P7240298der „lohn“ der arbeit: muti zum essen, dazu musik von der köchin (foto: stadtwanderer)

leif sieht so aus, wie man sich einen typischen schweden vorstellt: von natur aus stattlich gewachsen, muskulös in den armen, gut genährt im körper und stämmig in den beinen. die glatze ist trotz des erst mittleren alters fortgeschritten, und was an haaren übrig geblieben ist, hat er sich – fast schon modisch – glatt rasiert. in der sonne glänzt so sein kopf hell, was das haupt von der tiefschwarzen kleidung besonders gut abhebt.

ganz anders verhielt es sich an diesem tag mit seinen füssen, die mit absicht in berggänigen laufschuhen steckten.

als wir am samstag leif unsere alte sense aus holzhausen zeigten, brauchte er nicht lange, um zu begreifen, was ihr fehlte. aus einer seiner zahlreichen hosentaschen kramte er einen vierkantschlüssel hervor, wohl aus einem ikea-set, schraubte einmal so, einmal anders herum, und zog an der sichel, bis ihm der winkel zum stiel gefiel. dann fixierte alles, um im hohen gras einige probeschwünge zu machen, die ihn überzeugten, dass das alte gerät wieder brauchbar war.

nun waren wir dran!

denn die wiesen von ritamäki hatten einladend hohes gras, ganz in grün, durchsetzt mit blumen in allen farben, das nur darauf wartete, ebenso glatt wie leifs kopf rasiert zu werden. bärbi hatte jüngst einen kurs im sense-mähen im voralpinen gebiet besucht; sie war es auch, die im internet auf die ausschreibung gestossen war, die zum mähen auf den berghof einlud. selber hatte ich noch keine erfahrungen mit dieser art des grasens gesammelt, machte mir aber nicht wirklich etwas daraus.

am morgen früh hatte uns der wecker in holzhausen wachgerüttelt, füllten wir den thermoskrug mit kaffee, und steckten wir eilends ein paar knäckebrote in den reisesack. fast 100 kilometer waren wir gegen norwegen gefahren, um beim lokaltermin in ritamäki pünktlich dabei zu sein. aus der ganzen region waren vielleicht 20 freiwillige helferInnen gekommen, um, teilsweise fast schon professionell, teilweise laienhaft wie ich, gemeinsam auf traditionelle art die bergwiese zu bearbeiten.

bis 1964 war der hof bewohnt gewesen. seither ist er ein naturreservat. davor hatte er – im weiten finnskogen, dem finnenwald, gelegen – als bergbauerngut gedient, das nach finnischer art geführt worden war.

mitten in der waldlichtung steht bis heute das rauchhaus, wo die bauersleute einfachst gewohnt haben. dominiert wird das holzgebäude von einer mächtigen, weissen feuerstelle, die wärme zum leben, wohl auch zum kochen gab. ueber ihr ist alles schwarz vom russ, der sich seit jahren auf dem holz festklebt. leicht abgesetzt zum rauchhaus steht der stall, etwas weiter weg der erdkeller mit den vorräten für die menschen und den heuschobern für das tierfutter. nicht fehlen konnte auf so einem hof die bastu, die sauna, mit dem steinofen, dem wasserzuber und den holzbeigen.

trotzdem muss das leben hier oben erbärmlich gewesen sein. wasser hatte es aus vereinzelten bachquellen, und schafe und kühe konnten überleben. doch für ackerbau war das gelände auf dem bergrücken wohl zu steinig. vielleicht reichte das eine oder andere stück land, um ein wenig hafer, einige kartoffeln oder rüben anzupflanzen. mehr nicht!

darüber hinaus nährte man sich wohl vor allem aus dem wald, von plizen und beeren, wenn saison war, vom wild, wenn man auf jagd gehen konnte. wenn er nicht zugeforen war, bot sicher auch der nahegelegene lamsjön gelegenheit zum fischen.

die finnen waren über lange jahre hinweg die bevorzugten waldarbeiter in värmland. während generationen lebten sie nach eigenen sitten, mit ihrer eigenen sprache und ihrem eigenen glauben, um ihr wichtigstes kulturgut, ihre finnische identität, zu überliefern.

1964 verliessen henning und beda jansson ritamäki, der als letzter finnenhof nach hergebrachter art und weise bewirtschaftet worden war. drei jahre später kam das gut zum schwedischen heimatschutz, und der verein von lekvattnet, der sich dem erhalt der tradition angenommen hat, unterhält es bis heute als berghütte auf dem finnleden-wanderweg zwischen schweden und norwegen. das grosse sommermähen mit freiwilligen ist eine der attraktionen, die sie für den erhalt finnischer tradition in den nordischen bergen entwickelt haben.

nach drei stunden arbeit, während denen sich meine technik an der sense leidlich verbesserte – sodass ich an diesem morgen vielleicht 20 quadratmeter wiese gemäht hatte, auf die ich voll stolz zurückblicken konnte – wurden die ganze mäherInnen-schar zum essen ins rauchhaus gerufen. muti, ein kräftiges finnisches essen aus speck, hafer und beeren, wurde gereicht. dazu gab es fruchtsaft, und wer noch mochte, bekam waffeln mit einem klecks sahne.

sogar ein paar klänge aus einem akkordeon ertönten, als wie uns zufrieden ins frisch geschnittene gras zum ausruhen legten. schliesslich waren wir seit 6 uhr morgens unterwegs.

stadtwanderer


Comments

7 Comments so far

  1. Ate on Juli 26, 2010 22:09

    Und nun, nach getaner Arbeit, schwingst Du so Muckis wie der Arnold? Oder gab es bloss einen Muskelkater?

    Ich geniesse Deine Beiträge. Danke.

    Neulich kaufte ich mir Pepparkakors und muss gestehen, dass diese Dinger süchtig machen. Obs wohl Bärbi ähnlich geht?

  2. stadtwanderer on Juli 27, 2010 12:36

    hej ate
    erstaunlich wenig muskelkater, aber breite schultern und kräftige oberarme. um mit arni zu konkurrenzieren reicht es aber definitiv nicht. habe ja auch keine dopings genommen …
    pepperkakor ist so, wenn ich in die schweiz zurueckkehre, nehme ich normalerweise eine grosse packung ins buero. die ist dann am ersten tag ratzeputze weg.
    suessaure gurken, die es im ikea gibt, habe etwa die gleiche wirkung …

  3. Ate on Juli 28, 2010 22:29

    Da Du schon vor Ort bist, könntest Du nicht rausfinden warum diese Dinger Peppar (auf meiner Schachtel), Pepper schreibst Du, heissen?

    Hab mir Rezepte gegoogelt, weil ichs nachbacken will. Zimt, Ingwer, Nägeli ja, aber keine Spur von Pfeffer. Vermutlich wegen der Schärfe vom Ingwer.

    Willkommen in Ate’s Backstudio! Und sollte mir das nachbacken gelingen, so schicke ich Dir eine Portion ins Büro.

  4. cal on Juli 31, 2010 00:21

    selbstverständlich, du hast recht, es heisst peppar auf schwedisch, nicht pepper, wie im englischen.
    rezepte habe ich hier nur auf schwedisch gefunden, ich schau, ob es was auf deutsch gibt, oder eine übersetzung, die besser ist als die aus babylon.
    so viel ich bis jetzt herausgefunden habe, wird peppar im schwedischen, ählich wie pepper im englischen, ungenau gebraucht. die verwendung ist häufig einfach für fremde, exotische gewürze. bei curry ist das bis heute ja auch im deutschen der fall, denn darunter kann man auch allerhand verschiedenes subsummieren.
    übrigens, auf schwedisch redet und schreibt man präzisierend normalerweise auch nicht peppar, sondern svartpeppar (oder vitspeppar), was bei uns dann besser schwarzpfeffer (oder weisspfeffer) hiesse.

  5. bärbi on August 8, 2010 08:21

    hier ist noch ein interessanter beitrag des schwedischen fernsehens über die renovation dieses kulturschatzes: http://svt.se/2.33874/1.2028409/ritamaki_renoveras_i_sommar?lid=puff_2028559&lpos=bild

  6. Ate on August 9, 2010 15:09

    Nach drei unbefriedigten Anläufen mit Zuckerrübensirup, fand ich endlich ein Rezept für Invertzucker, das vermutlich der schwedische Zuckersirup ist. Nachdem ich mir den zusammengebraut habe und dabei die Küche nicht in die Luft jagte, versuche ich noch einen letzten Anlauf. Klappts, gibts Post ins Büro, ansonsten bleibe ich gefrustet zurück.

    So nun aber genug, man könnte ja fast meinen dass Dein Blog zu einem Koch- Traumdeuter- und Sportschuh-Blog verkommt.

  7. cal on August 9, 2010 19:51

    na, dann hoffen wir mal ganz kräftig, dass die gute alte post da was bringt!

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