bern ist entspannt, lebendig und musikalisch – denn es ist buskerszeit.

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der auftritt von hudaki village band am berner buskersfest von oben …(foto: stadtwanderer)

selten sieht man so viele schöne menschen zwischen dem zytgloggenturm und der kreuzgasse, wie wenn – seit 2004 immer mitte august – das berner buskersfest den übergang zum hoch- zum spätsommer markiert.

denn zahlreiche stadtbewohnerInnen und fans von bern sind aus den sommerferien zurück, etwas braun gebrannt vielleicht, anders gekleidet und in die alte liebe verliebt – wie ich! und so flanieren sie, wie bärbi und ich, entspannt in berns gassen. da wird man gegrüsst, hier schwatzt man ein wenig, während andere sich scheu, aber sichtbar aus der ferne fragen, ob man wirklich der oder die sei wie man meine.

viel zum ausgelassenen ambiente trägt die musik bei. bisweilen so laut, das man sein wort nicht mehr versteht, bisweilen so eintönig, dass man nicht stehen bleibt. weder das eine noch das andere ist indes bei der hudaki village band der fall, unseren favoriten des abends. am unteren eingangstor zum berner rathaus haben sie sich aufgestellt: 4 musiker, alle länglich-schlank und 2 sängerinnen, eine fesch, die andere käch aus nischnje selischtsche in den ukrainischen karpaten bilden die truppe. wenn sie loslegt, sammeln sich die interessierten zu einer menschentraube im halbrund, wie wir von oben auf der treppe zum rathaus beobachten können. die vorderste reihe sitz schon mal am boden, hat die schuhe ausgezogen, während man im zweiten glied klappstühle und ein risotto vom stand nebenan mampft. in den hintern reihe recken sich die körper, den man will nicht nur hören, man will auch sehen, was und wer da spielt.

wenn die gruppe zu musizieren anfängt, ist es, wie wenn sich ein auto in einem schlag von null auf hundert steigert – nur viel sinnlicher. bald schon wird man teil des rhythmus‘, den einen ostwärts trägt, aufs land hinaus verführt. szenen einer bauernhochzeit werden wach,man erlebt die geburt eines kindes in die dorfgemeinschaft mit, oder spürt die trauer, wenn sich ein mensch für immer vom irdischen leben verabschiedet hat. freude und trauer mischen sich in elementarer weise, wenn das cimbal zirpt, die geige klagt, die klarinette kitzelt, die paucke dröhnt. bisweilen spielen sie zusamme-allein, bisweilen singt frau dazu, und hie und da hallen die stimmen der musikerInnen ganz ohne unterstützung durch die stadträume.

wir haben es genossen, die vielen stände mit leckereien aus dem tibet, thailand, südamerika, der karibik oder afrika zu beschnuppern. wir haben die szenenkünstler bestaunt, die uns auf dem müsterplatz die zukunft vorhersagen oder uns den panarchismus näherbringen wollten. und wir haben alle geklatscht, als bauersleute einen traktor bestiegen, den anhänger mit sich und die gassen mit ihrer musikalischen überschwänglichkeit füllten.

denn an diesem abend wurden alle zu fröhlichen gemeinschaft auf dem sonst so harten pflaster berns.

stadtwanderer


Comments

1 Comment so far

  1. rittiner & gomez on August 16, 2010 07:01

    ein wunderbarer anlass, wir haben die insel nicht umsonst verlassen.

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