vor unseren füssen lag der nebel im sensetal. hinter uns war ein bergkamm, auf dem das junge holz, das nach dem lothar-strum gepflanzt wurde, ganz ordentlich wuchs. unmittelbar unter uns war der panoramaplatz von ottenleue. so weit – so klar, doch was bedeutet ottenleue?

panoramatafel-otteleuebad
panoramatafel vor dem ottenleuebad

die verköstigung im garten des ottenleuebads war wunderbar gewesen. eine kalte milchschoggi hatte mich nach der morgendlichen wanderung gestärkt. ein paar jugenderinnerungen kamen auf, und die machten mich zusätzlich fit.

die nachfrage bei der servicefrau ergab, dass das bad seit längerem nicht mehr in betrieb ist. die werbung im hausgang zur toilette verweist auf ähnliches. der stil der 50er und 60er jahre des 20. jahrhunderts dominiert. das kleinkind mit nacktem po wirbt verschämt für nestlé-baby milch und barry, der bernhardiner, tut das gleiche für milka von suchard.

der name ottenleue wirkt noch älter. dass es auf den voralpenterrassen bären gab, ist gut vorstellbar. doch löwen? das wirkt sonderbar. und otto dünkt mich auch kein name, der für den rand der gesellschaft typisch ist.

die sage von h.l., die auf der karte am panoramaplatz erzählt wird, erhellt einen in dieser sache. man wird ins hohe mittelalter zurückversetzt – die zeit der kreuzzüge. otto soll ein bauer aus dem tal gewesen sein, durch das die kalte sense fliesst. begehrt habe er die tochter eines junkers, bekommen habe er sie jedoch nicht. denn der ritter verlangte, einen ebenbürtigen tochtermann zu bekommen und sandte otto nach jerusalem. gesagt, getan! dem vernehmen nach habe otto aus dem sensetal viele moslems umgebracht und das heilige kreuz brav verteidigt, bevor er zum ritter geschlagen wurde. genützt hat ihm das in der heimat indessen nichts. den seine angebetete verstarb, kurz bevor er zurückkehrte, sodass er sich entschied, sich ins tal, aus dem er stammte, in alle abgeschiedenheit zurückzuziehen. auf den terrassen, hoch über dem wasser und wenig unter den tannen, habe er gemerkt, wie lieblich das klima da sei, wie wohltuend die luft wirke und wie günstig sich das schwefelwasser auf seine körper ausgewirke. und so habe er sein herz, das einst einer frau galt, dann wie das von richard löwenherz im nahen osten kämpfte, den wunderbaren weiden am gurnigel geschenkt.

dem bad nebenan, das 1886 aufging, diente diese sage in früheren zeiten sicher. ob’s wirklich genützt hat, kann man bezweifeln. denn die geschichte ist typisch christlich, nicht wirklich unternehmerisch. das gilt nicht nur für das bad im sensetal, es trifft auch auf die ovo zu, die ich genoss. die marke wirkt heimlig, weckte bubenträume, gehört aber längst nicht mehr dem gutgläubigen bern.

stadtwanderer


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