die herbstsaison des stadtwanderns in bern begann letzten donnerstag mit einem abwechslungsreichen abendspaziergang bei spektakulärem wetter. die sonne hatte tagsüber die stadt wunderbar erwärmt, und sie erhellte uns fast auf dem ganzen weg die strassen. das beförderte die tour zum angenehmen bildungserlebnis, – auch für den vom publikum herausgeforderten stadtwanderer von bern.

die vorgabe
die besetzung der ersten herbstwanderung war prominent. organisiert von der cohep nahmen rektoren der schweizerischen hochschulen und ihre wichtigsten stabsmitarbeiterInnen am spaziergang teil. natürlich liess ich mir bei diesem publikum die pointe nicht nehmen, die etablierung des präsidiums/kanzleisystems in der schweiz in meine ausführungen speziell miteinzubauen.

1803, bei der mediation durch napoléon bonaparte zwischen dem progressiven und reaktionären lager in der helvetischen republik bestimmte le premier consul à paris, dass die schweiz einerseits einen landammann bekommen solle, der identifikation stiftend, aber jährlich ausgewechselt werde, derweil der kanzler dahinter still und dauerhaft agieren müsse – wenn auch am jeweiligen wohnort des landammanns.

das wirkte hierzulande stilbildend, indem die stabilität der politisch-administrativen systeme in der schweiz durch die arbeit im hintergrund gewährleistet wird, während personen im vordergrund ihr amt auf zeit inne haben, sich eine weile darin sonnen dürfen, dann aber wieder abtreten müssen. eine eigentlich demokratische tugend mit vordemokratischer verstärkung!

der einspruch
fast schon eine kleine trübung der tollen atmosphäre provozierte ich – wenigstens bei einem teil meiner gäste – mit meine aussage, die universitätsgründungen in zürich und bern 1833 resp. 1834 hätten um den anspruch gebuhlt, die erste nicht-feudale hochschule der welt zu sein. denn vorher hätten alle universitäten entweder unter den fittichen der kirche, eines monarchen oder des adels gestanden.

die kleinstkontroverse im werdenden schweizerischen bildungswesen von damals, die bekanntlich zugunsten von zürich und zuungunsten von bern ausging, rief selbst im jahre 2008 die anwesenden basler auf den plan: das sei alles nur legendenbildung durch das rektorat in zürich, erklärte man mir eilenden schrittes durch bern, die jüngst entstanden sei, um die 175 jahrfeier in zürich medial aufzuwerten. in tat und wahrheit, beschied mir ein hochrangiger generalsekretär, sei basel die erste nicht-feudale universitätsgründung der welt, denn als das konzil von basel 1449 zu ende ging, sei das gewerbe arbeitslos gewoden, sodass man sich mit der gründung einer universität 1460 neue arbeit verschaffen wollte.

der widerspruch
so ganz überzeugt hat mich das argument bis jetzt noch nicht. zwar ist unbestritten, dass die basler universität zu einem frühen zentrum des buchdruckergewerbes wurde, welche die basis für den humanismus, die reformation, später auch für die chemie und pharma legte. doch geht mindestens die formale gründung der ältesten hochschule auf dem boden der heutigen schweiz auf die bulle von papst pius ii. aus dem jahre 1459 zurück und funktionierte die bildungsstätte danach administrativ fest an den basler bischof angebunden. das wenigstens ist bei den liberalen hochschulgründungen der 1830er jahre in schweiz klar. sie waren antiklerikal, wollten gar nichts vom papsttum in rom wissen, frönten dem wissenschaftlich-wirtschaftlichen fortschritt, suchten professoren in deutschland und hatten einen weltlichen kanzeler, der das ganze im hintergrund führte.

und trotzdem: ein bildungserlebnis für den stadtwanderer, und hoffentlich auf für seine gäste!

stadtwanderer

foto: sonja rosenberg


Comments

1 Comment so far

  1. Lisa N. on September 2, 2008 09:58

    Frage: Was tun die Rektoren und Damen Sekretärinnen, dass der Schweizer Bildungsraum für den internationalen Wettbewerb fit bleibt?

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