es war eine tolle tagung. 180 vertreterInnen aus biel/biennes wirtschaft, gesellschaft und politik kamen zusammen, um sich über die zweisprachigkeit der stadt zu diskutieren. ich habe das einleitungsreferat gehalten. auch weil ich bilingue vortrage. vor allem aber, weil ich seit 12 jahren der zweisprachigkeit in der stadt biel/bienne beobachte.

biel

vor meinem referat nahm mich werner hadorn, bieler lokalpolitiker, zur seite. er hatte seinerzeit angeregt, man möge die probleme im zusammenleben einer mehrsprachigen stadt regelmässig diskutieren und beobachten und zu lernen. dafür unternahm er auch studienreisen entlang der deutsch-französischen sprachgrenze. in strassburg / strasbourg besuchte er das zentrum des bilinguisme und erörterte er mit dem direktor die möglichkeiten von beobachtungsinstrumente. der habe ihn in die bibliothek geführt, und ihm das baromètre du bilinguisme aus strassbourg gezeigt. und genau das wollte er in der folge für seine heimatstadt auch haben.

die arbeiten hierzu, die ich seit 1998 leiste, zeigen im wesentlichen drei sachen: die zweisprachigkeit ist in biel/bienne zu einem teil der stadtidentität geworden. alle indikatoren verweisen im zeitvergleich auf eine bewusstere und positiver eingestelltere bevölkerung. sie legen aber auch offen, dass die minderheit, die französischsprachigen, eine weniger vorteilhafte sichtweise auf das ganz haben als die mehrheit, die deutschsprachigen.

ich habe daraus drei these abgeleitet: erstens, ist die zweisprachigkeit der stadt für die politik und die öffentlichkeit von vorteil. zweitens, bin ich sicher, dass es ohne ohre die pflege der mehrsprachigkeit in wirtschaft und alltag viele nachteil gäbe. und drittens habe ich die bielerInnen aufgefordert, gleichzeitig stolz zu sein, dass sie ein vorzeigebeispiel sind, sich deshalb aber nicht auszuruhen und daran zu arbeiten, dass die ausstrahlung als vorbild zunimmt.

der kritische punkt ist, wie fast überall, die wirtschaft. wenn sprachliche minderheitsposition mit ökonomischer ungleichheit, sprich schlechterstellung übereinstimmt, gibt es schnell explosive problemlagen. in biel/bienne arbeitet man daran, muss man auch. die meisten firmen haben eine leitsprache, in der die dokumente verfasst werden. teilweise werde sie übersetzt, im mündlichen umgang hat sich die mehrsprachigkeit (nicht zweisprachigkeit) schon länger durchgesetzt. vorbildliche firmen bieten sprachkurse an, achten bei der postenbesetzung auch, keine diskriminerungen entlang der hauptsprache zuzunehmen.

das ist umso wichtiger, als der trend fast überall in die umgekehrte richtung geht: die segregation zwischen den sprachgruppen nimmt zu. man lebt vor allem nebeneinander, im schlechteren fall gegeneinander. das ziel müsste anders sein:. so stark wie nur möglich miteinander zu leben.

die zentrale motivation dafür ist, die horizonte zu erweitern, sprachen zu lernen, kulturen besser zu verstehen, und damit einen beitrag zur gesellschaftlichen entwicklung zu leisten. in biel/bienne ist man, habe ich an der tagung gelernt, überzeugt, nicht zuletzt deshalb nicht nur vor ort erfolge zu erzielen, sondern auch ausserhalb der stadt, auf den weltmärkten dank diesem bewusstsein wettbewerbsfähiger zu sein.

que les indicateurs montent avec le prochain sondages du baromètre du bilinguisme.

stadtwanderer


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