ich wartete auf mein poschi. da spricht mich eine ältere frau im wartehäuschen in der berner länggasse an. doch sie verwechselte mich, mit einem beamten bei der gewerbepolizei. als ich mich vorstellte, sagt sie, sie würde mich trotzdem kennen. vom fernsehen. und den abstimmungen. und so ergibt das eine wort das andere.

los ging es mit der ausschaffungsinitiative. sie sei taxifahrerin gewesen, sagte sie mir meine gesprächpartnerin. „wenn du einmal das messer am hals hattest“, fuhr sie fort, „und du nicht mehr weisst, ob du deine familie noch einmal siehst, machst du dir nicht lange gedanken, wie du da stimmen sollst.“ sie sei für die initiative, bekannte sie, während sie ein wenig an ihrem wägelchen zog, das aussah, wie eines der post, mit dem man die grossen postfächer lehren kann.

als ich auf den gegenvorschlag zur ausschaffungsinitiative zu sprechen kam, waren wir sofort bei karin keller-sutter. der name sei ihr zu kompliziert, gab die ex-taxichauffeuse offen zu. was sie wolle, sei aber gut. da wisse man, was man habe. sie hätte es gerne gehabt, wenn die st. gallerin bundesrätin geworden wäre. mit simonetta sommaruga sei sie aber auch zufrieden. dass sie keine juristin sei, sei sowieso ein vorteil. die meisten seien keine juristen, fügt sie mit einem augenzwingern bei. gerne möchte ich antworten, ich auch nicht.

doch da wird mir das wort gleich abgeschnitten: der bundesrat sei nicht mehr viel wert. er verpasse jede gelegenheiten, sich beim volk zu empfehlen. er lebe wie die sieben zwerge. dann entschuldigt sie sich umgehend. so habe sie das nicht gemeint, aber viel vertrauen können man da einfach nicht mehr haben. selbst wenn der wirkliche zwerg nicht mehr dabei sei.

damit sind wir nahtlos bei der steuergerechtigkeit. da dampft es gleich von neuem aus dem gesicht meines gegenübers. es sei ja schlimm, dass der villiger nochmals arbeit angenommen habe. nötig habe er es ja nicht mehr gehabt. darum sei es besonders schade, dass er seine unabhängigkeit gegenüber der ubs nicht mehr genutzt habe. es sei beschämend, dass er die ganster habe laufen lassen. doch das sei wohl typisch für die fdp. die nehme es von den kleinen und gebe es den grossen. pelli gehöre auch dazu: sein generalabonnement als parlamentarier habe er gratis. von den anderen wolle er nun mehr geld. nach einer kurzen gedankenpause führt sie aber bei. „ich bin in keiner partei. ich wüsste auch nicht wo. denn darin sind sich alle politiker von links bis rechts einig: dass das volk für ihre dummheiten bezahlen müsse!“

wir verabschieden uns, denn unsere busse fahren in verschiedene richtungen. mir entgeht der nebensatz in der abendkonversation nicht: „machen sie es gut, wenn sie das nächste mal sagen müssen, wie es rauskommt!“

ich werde mich ihrer erinnern …

stadtwanderer


Comments

2 Comments so far

  1. dan on November 16, 2010 06:49

    Eine weise Dame!

    Sie sprach aus, wie das gemeine Volk denkt.

  2. Sara Grob on November 18, 2010 11:34

    Ein sehr interessantes Blog! Schade, dass ich es nicht früher entdeckt habe. Wir haben dich in unsere Blogroll aufgenommen. Vielleicht möchtest du auch einmal bei unserem Blog vorbeischauen? Mehr Einträge folgen laufend.
    Liebe Grüsse
    Sara Grob – buchplanet.ch

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