unser hotel nennt sich „zur sonne“. die gastwirte heissen esposito. und um die ecke ist das römerbad. doch sind wir nicht in italien, nein, vielmehr in badenweiler, am hang des schwarzwaldes auf ein paar lauschige kurtage. dass man hier in italien ist, liesst man nur in den prospekten für touristInnen. wer selber hierher kommt, lernt die typische lebensart der grenznahe markgräfler kennen und schätzen.

hotelbadenweiler, genau zwischen lörrach und freiburg gelegen, wurde 1756 zum eigentlichen kurort. die vier ersten badhäuser waren die carolsruhe, die krone, der hirschen und eben die sonne, die schon länger stand, und einen eben so wenig katholischen namen hatte, wie zahlreiche der nachfolgenden wirtschaften.

mit ihnen kam auch die reklame ins dorf, was der siedlung ein kleinstädtisches gepräge gab. die gäste, vornehmlich aus dem reformierten basel, die zum baden kamen, wurden fein säuberlich auf einer liste erfasst und hatten der kurpfennig entrichten. denn der obrigkeitlich geförderte wirtschaftsaufschwung in der region sollte neue einnahmequellen für die herrschaft erschliessen.

zwar wusste man der spur nach von den römern. doch deren riesiges bad am fuss des blauen kannte man damals nicht. die erste schriftliche erwähnung von „baden“ verdankt der ort den nahen silberminen, die kaiser heinrich II. dem bischof von basel im 11. jahrhundert zur nutzung vermachte. andere quellen sagen, die heilquelle sei bis ins hochmittelalter genutzt, dann aber durch das schreckliche erdbeben in basel eingestürzt. seit 1408 habe es wieder ein gasthaus gegeben, der vorläuferbau der sonne.

geprägt wurde die region in der nach baslerischen zeit durch die gegnerschaft zum habsburgischen vorderösterreich. doch erst die grafen von hachberg-sauseberg begründen im 15. jahrhundert den namen „markgräflerland“. mit ihm wurde aus baden badenweiler, um es vom nördlich gelegenen baden-baden besser unterscheiden zu können.

1525 machten die bauern gegen die herrschaft mobil. die grafen von baden, die 1503 das markgräflerland geerbt hatten, schlossen bald schon frieden mit ihren untertanen, machten sich die sache der reformation zu eigen, was die bevölkerung zusammenschloss, bis der verheerend 30jährige krieg kam, der alles zerstörte. seither steht in badenweiler auch kein schloss mehr, nur noch eine riesige steinruine, burg genannt.

1784 entdeckte der kurort bei neubauten die alte römerquelle. wer sie erschlossen hatte, weiss man nicht. von kaiser vespasian, der das decumatland rechts des rheines für die römische sache zugänglich gemacht hatte, wird häufig genannt. gut sichtbar baute man auch den römischen podiumtempel, dessen entstehen dendrologisch auf das jahr 175 nach christus datiert wird. an seiner stelle steht heut die reformierte kirche.

die römischen funde ende des 18. jahrhunderts lancierten die archäologie und denkmalpflege im markgräflerland, deren anfänge die ältesten im heutigen baden-württemberg sind. populär wurde der name „markgräfler“ übrigens erst im 19. jahrhundert, seit ihn die zahlreichen winzer an der weinstrasse zwischen lörrach und freiburg zur vermarktung der region verwenden.

wolfgang abel, ein freiburger soziologie, der seit jahren den südwesten deutschlands bereist und zahllose wander- und gastrobücher geschrieben hat, findet sich in jeder buchhandlung bibliophil aufgelegt. alle kommen bei ihm an die kasse, denn liebevoll-bissig berichtet er erfolgreich aus der und über die breisgau. über badenweiler schreibt er, dem kurort würden einige anzeigekampagnen weniger, finanziert aus der kurtaxe der gäste, gut tun, wenn der ort nur ein ausgiebiges nachleben hätte.

dass genau das fehlt, halte ich dem kenner entgegen, macht den charme des ortes aus. badenweiler ist eben nicht italien auf deutschem grund. wer des nachts eins über die stränge hauen will, gehe doch gleich anderswohin! wer hingegen ruhe sucht, der lässt sich durch die reklame nicht täuschen, und erfreut sich im markgräflerland, das fleissig-aufmerksam, aber auch beschaulich-gemütlich ist. genauso wie wir uns bei der familie esposito freuen, die süditalienische wurzeln hat, im breisgau aber bestens integriert (und und andere) im traditionsreichen gasthaus zur sonne (be)wirtet.

stadtwanderer


Comments

2 Comments so far

  1. Röstigraber on April 3, 2011 22:54

    Erstanliches hat sich bei den letzten Landtagwahlen im beschaulichen Badenweiler zugetragen. Die Grünen sind im Ort zweitstärkste Partei geworden und haben fast gleich viel Stimmen gemacht wie die bisher absolut dominierende CDU.
    Hier die Ergebnisse:
    CDU 33,5 % (vorher 45,6)
    Grüne 32,45 % (14.29)
    SPD 20,19 (23,21)
    FDP 6,93 (

  2. stadtwanderer on April 4, 2011 03:08

    bist du vorort???

Name (required)

Email (required)

Website

Speak your mind