es ist das aufregendste buch von soziologInnen, das ich seit langem gelesen habe. es stellt sozialfiguren der gegenwart vor, und ist damit einen abstrahierende gesamtschau über das konkrete soziale, in dem wir heute leben. jede(r) findet sich darin wieder, als treiber oder getriebener.

12573„Sozialfiguren sind zeitgebundene historische Gestalten, anhand deren ein spezifischer Blick auf die Gegenwartsgesellschaft geworfen werden kann“, steht in der einleitung der herausgeber. sie beschreiben ein bisher verkanntes phänomen: dass jede zeit ihre eigenen praktiken hat, die aus verschiedenen sphären stammen, sich aber generell durchgesetzen und für eine weile durch die gesellschaft vagabundieren. so gibt es manager nicht nur in firmen, auch in kulturellen institutionen. spekulantInnen trifft man nicht bloss an der börse, auch in medien. und beraterinnen gibt es nicht einzig für familien, auch für die politik.

stephan moebius und markus schroer, soziologie-professoren in graz resp. kassel, habe es sich zur aufgabe gemacht, die sozialfiguren unser gegenwart aufzustöbern, zu systematisieren, und sie in buchform beschreiben zu lassen. herausgekommen ist ein kaleidoskop der ist-zeit, das provoziert, erhellt, zustimmung findet, den köpf schütteln lässt – und dabei immer wieder klar macht, welche typen uns umgeben. die sponti sind nicht mehr dabei, denn sind sind out. genauso wie die tramper oder die yuppies. geblieben und gekommen sie die 34 andere sozialfiguren, die von ausgewiesenen soziologischen beobachterInnen porträtiert werden. hier sind sie:

der amokläufer.
der berater.
der bürger/weltbürger.
der dandy.
der dilettant.
die diva.
der experte.
der fan.
der flaneur.
der flexible mensch.
der flüchtling.
der fremde.
der fundamentalist.
der hacker.
der homo academicus.
der hybride.
der konsument.
der kreative.
der manager.
der medienintellektuelle.
der migrant.
der narziss.
der nomade.
der simulant.
der single.
der spekulant.
der spiesser.
der star.
der terrorist.
der therapeut.
der tourist.
der überflüssige.
der verlierer.
der voyeur.

es fehlt eigentlich nur der stadtwanderer, der ja auch immer mehr mich und andere umgibt … wer wagt dieses porträt?

stadtwanderer


Comments

2 Comments so far

  1. feminist on Januar 29, 2011 20:59

    alles männer.

  2. stadtwanderer on Januar 30, 2011 15:57

    Guten Tag feminist (oder feministin?).
    Es ist eine krux. Ich geben mir ja in der Regel Mühe, mit dem Binnen-I die Wörter, die zwei Geschlechter haben können, zu neutralisieren.
    Nicht wenige der Kommentare die ich erhalten, sind einzig dem gewidmet. Wenn sie nicht Neues bringen, lösche ich sie zwischenzeitlich sogar.
    Mehr zum Gerangel in der Sache: http://www.stadtwanderer.net/?p=5461
    Etwas anderes ist es, wenn ich zitieren. Dann übernehme ich generell das Original.
    Nun ist das auch hier der Fall. Ob es alles nur Männer sind, wie Sie meinen?
    Immerhin, zwei Gegenargumente gibt es: Die Diva ist eine Diva und kein Divus. Es fällt aber schon auf, dass es die Göttliche die einzig weibliche Schreibform ist. Im Deutschen, gerade auch ausserhalb der Schweiz, ist es ja recht gebräuchlich, für Rollen die herkömmliche (und undifferenzierte) Schreibweise zu verwenden, weil es eben nicht um Personen, sondern um eine Erscheinung geht. Das ist auch hier,bei den Sozialfiguren so gemeint.
    Hätte ich das ändern sollen? –

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