1993 löste die nichtwahl von christiane brunner in den bundesrat eine welle aus, von der frauen bei wahlen profitierten. ihre untervertretung verringerte sich sukzessive. doch seit einiger zeit ist wieder gegenteiliges feststellbar.

SCAN_1

im bundesrat hat es seit neuestem vier frauen. damit ist die mehrheitlich der sieben mitglieder weiblich. die statistik der schweizer städte von 2011 weist nach, dass ähnliches in den städten bern, lyss, und zofingen der fall ist, sowie in muri bei bern als prominentestem vorort. alles in allem sind es orte im weiteren umfeld von bern.

das alles darf jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass die zahl der stadtexekutiven ganz ohne frauen grösser ist. in verschiedenen westschweizer gemeinden wie mancy, vernier, thonex und versoix kann man das mit der eigenheit in verbindung bringen, dass die regierungen nur drei mitglieder zählen. in wetzikon, bülach, wohlen, rorschach und st. moritz gibt es jedoch sieben mitglieder, und alle sieben sind männer. vergleichbares findet sich in davos, ebikon, oftringen, prilly und val-de-travers, wo die stadtregierung fünf mitglieder zählen und keine frau dabei ist. etwas schematisiert kann man sagen, männerbastionen in stadtregierungen kommen in der ost- und zentralschweiz am ehesten vor.

abstrahiert man von solchen regionalen eigenheiten, interessieren die grossen entwicklungslinien in der vertretung von frauen in stadtbehörden. da die schweizer stadtstatistik seit den 80er jahren konstant erhoben wird, eignet sie sich auch, um einen zeitgeschichtlichen überblick in dieser hinsicht zu geben.

das jahr 1993 ist das entscheidende, für die frauenvertretung in den städtischen exekutiven. unschwer erkennbar ist der zusammenhang mit der nicht-wahl von christiane brunner in den bundesrat. vor allem in den grossen städte führte der so ausgelöste effekt zu einem sprunghaften anstieg von frauen ist stadtregierungen. 1994 wurde ein rekordwert verzeichnet, der seither nicht mehr erreicht worden ist. die auswirkungen auf die mittelgrossen städte waren bescheidener, aber nachhaltiger, und in den kleinen städten ging es bis 1998, bis ein wendepunkt erreicht wurde.

fast alle indikatoren zeigen, dass der höhepunkt bei der frauenvertretung zwischen 2006 und 2008 erreicht wurde, seither verlaufen die mittelwerte rückläufig, ausser für die kleinsten städte. oder anders gesagt: frauen haben es wieder schwerer, an den massgeblichen stellen der stadtpolitik einsitz zu nehmen.

ähnliches lässt sich auch beim wichtigsten vergleichsindikator, dem frauenanteil in stadtparlamenten, sagen. auch hier bildeten die grossen städte lange den lead, als es aufwärts ging. und bei ihnen wurde 2007 der höchste wert gemessen. seither verringert sich die zahl der frauen in den stadtparlamenten wieder leicht. das gilt auch für die mittelgrossen städte, wo der kippunkt 2006 war, während es nicht sicher ist, ob die trendwende in den volksvertretungen der kleineres städte schon eingetreten ist.

auf jeden fall kann hier eines klar festgehalten werden: die letzten 3 bis 5 jahre brachten nur noch in einzelfällen eine verbesserte frauenrepräsentation in den stadtbehörden. mit der entwicklung der grundstimmung richtung konservative grundhaltung gehen auch die wahlchancen von frauen in regierungen und parlamente zurück. wenn das selbst in den städten der fall ist, und das insbesondere bei den trendsettern, ist von auszugehen, dass sie gleich auch in den agglomerationen und auf dem land abzeichnet oder schon der fall ist. das wäre dann auch ein fingerzeig, was am grossen wahltag im herbst passieren kann!

stadtwanderer


Comments

3 Comments so far

  1. Hannah on März 2, 2011 20:24

    Das gleiche Trauerlied kann man im Kanton Bern schon länger singen.
    Der Frauenanteil im Grossen Rat nimmt seit den Wahlen 2002 ab. Von 60 auf 42 in nur zwei Wahlen.
    30 Prozent scheinen die oberste Grenz zu sein, was geht, dann dreht der Wind definitiv.
    Nur die Grünen und die EVP konnten ihre Zahl Parlamentrierinnen halten. Regelrechte Einbrüche gab’s aber bei der SVP (2002), bei der SP (2006) und bei der FDP (2010).
    Das macht schon stutzig, weil es zeigt, das es nicht nur ein Problem der Rechtsentwicklung ist. Auch bei der Sp sind die Chancen als Frau gesunken.
    Wer weiss Rat?

  2. Röstigraber on März 2, 2011 23:22

    Ach die ungeteilte Standesstimme von Bern wird im Städerat wohl schon bald mit tief männlicher, ländlicher und mittelalterlicher („so um die 50“) Stimme den Berner Marsch schmettern (der übrigens auch nur von Männern handelt), wenn nicht….

  3. stadtwanderer on März 4, 2011 10:39

    es war keine absicht meinerseits, hier eine aussage zu den ständeratswahlen zu machen. ich bezog mich auf die stadtebene und exekutiv resp. legislativwahlen.
    bei den berner ständeratswahlen stehen sich im zweiten wahlgang sehr wohl eine frau und ein mann gegenüber, insgesamt aber auch zwei politische formationen, und eine unschlüssige, aber entscheidende mitte!

Name (required)

Email (required)

Website

Speak your mind