bern hat einen neuen film über sich und seine bären. heute war premiere in der cinematte. ein gelungener auftakt für „bern – seit 1191“.

HBlUw14N_Pxgen_r_900x588das ende einer stadtgeschichte: pedro, der letzte bär im alten bärengraben, seit 1513 ein fester bestandteil des berner stadtlebens, wird 2009 krankheitshalber eingeschläfert.

der film „bärn – seit 1191“ beginnt mit der bekannten stadtlegende. gründer herzog berchtold v. von zähringen habe beschlossen, die stadt nach dem ersten tier zu nennen, das im eichenwald an der aare erlegt würde. und das sei ein bär gewesen. eine stimme auf dem off widerspricht, und sie erzählt, filmisch unterstützt, die wenig geläufige fassung der gründungslegende. mechthild, eine edle, sei mit ihren kindern von einem wolf angegriffen – und von einer bärin verteidigt worden. diese habe sie, vom kampf verletzt, in ihre höhle zu ihren jungen geführt, wo sie verstorben sei. der herzog habe, als er vom opfermut der bärin gehört hatte, die jungen adoptiert und die stadt nach der heldin benannt.

unweigerlich fühlt man sich an die dramatischen tage im frühwinter 2009 erinnert, als finn, das männchem im neuen bärenpark von der polizei angeschossen wurde, nachdem er einen eindringling angegriffen hatte. die geschichte bewegte die stadt, wie kaum eine andere, ging medial um die welt, und die aufmunternde post samt honig liessen finn wieder stark werden. zwischenzeitlich hat björk, das bärenweibchen, zwei junge geworfen, berna und ursa, die bald schon ein neues zuhause brauchen. dann wird der erste rummel vorbei und vielleicht wieder etwas normalität einkehren.

der dokumentarfilm über das geradezu symbiotische verhältnis von bär und mensch in bern, den daniel bodenmann 2010 gedreht hat und der heute in der berner cinematte premiere hatte, geht den unzähligen bärengeschichten in der bundesstaat nach – in der gegenwart wie auch in der vergangenheit. zu wort kommen zum beispiel bärenwärter, die früher mit bären bis zum bahnhof spazieren gingen. ihr prestige war mit dem des stadtpräsidenten vergleichbar. der macht im film auch mit, meint kurz und bündig, man hätte den neuen bärenpark kaum gebaut, hätte man gewusst, wie kostspielig das werde. dem widerspricht der ceo der mobiliar, hauptsponsor der neuen touristenattraktion in bern. ganz manager aus zürich, lobt er das ziel, zu dem man von beginn weg gestanden sei, und es auch nicht aus den augen verloren habe, als es schwierigkeiten gab. barbara hayoz, die unglückliche mutter des bärenparks, bleibt da noch anzufügen, dass die stadt so unfreiwillig zum handkuss in millionenhöhe gekommen sei.

das alles ist in bern bekannt, und diese geschichten hätten kaum einen ebenso spannenden wie informativen dokumentarfilm abgegeben. denn der streifen erzählt auch geschichten, die kaum herumgeboten werden: wie die von der bärenjagd im bärengraben. lange erlegte man alte bären mit gewehren, wobei der präparator des naturhistorischen museums höchstpersönlich von der balustrade schoss, um das tier fachmännisch zu erledigen, ohne das fell zu beschädigen. anschliessend verzehrte man, bei einem kleinen fest im kleinen kreis, das bärenfleisch im benachbarten hotel adler. das beste stück ging an den stadtpräsidenten. alex tschäppät erinnert sich, dass es bären gab, die nach seinen eltern benannt worden seien. das habe ihn als junge gefreut. wenig erbaut war er jedoch, als dann auch sie geschossen und gefuttert wurden. diesen brauch pflege man in „seinem“ bern nicht mehr, hält der stapi fest.

an der heutigen premiere waren viele, die den film miterzählen, anwesend – vom letzten bärenmetzger bigler bis zum jetzigen bärenparkdirektor schildger. der stand dem projekt der filmemacher anfänglich ziemlich negativ gegenüber. nach dem turbulenten start mit dem neuen gehege wollte er keine unnötige publicity durch sensationsjournalisten mehr, die nur geld machen wollten. davon ist nichts geblieben. bodenmanns team ist alles andere als reich geworden, und der oberste bärenwärter in bern lobte das einfühlsame werk beim apéro. die konrahenten von damals machten ob ihrer gemeinsamen freude spontan duzis.

ich kann mich dem positive urteil von höchster warte nur anschliessen. entstanden ist ein film mit rhythmus, ohne chichi, dafür mit gehalt. am 17. april kommt er in die kinos, und im herbst soll er als doc-film im schweizer fernsehen ausgestrahlt werden. vorgesehen ist, dass eine dvd entsteht, und das material von bern tourismus weiterverwendet wird.

mich freuts, auch für die einfälle zu berns bären und geschichte(n), die ich in verschiedenen interviews während mittagspausen und stadtwanderungen beisteuern durfte. berna, lüfte ich das geheimnis um den stadtnamen im abspann, sei nicht schwäbisch und komme auch nicht von den zähringern. vielmehr sei es das keltische wort für schlitz, geformt durch zwei grosse molassebrocken unter der nydeggbrücke, durch den die aare seit menschengedenken fliesse. das würde einen weiteren film füllen, über bern – vor 1191.

stadtwanderer


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