wenn sich der berner theatermann lukas leuenberger etwas in den kopf setzt, macht er was draus. vor ein paar jahren war es die inszenierung von schillers „wilhelm tell“ auf dem legendären rütli. jetzt ist es das restaurant „einstein“, im parterre des einsteinmuseum in berns altstadt.

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bis vor ein paar jahren hiess das restaurant zum „untern juker“. das angebot war mässig, und die bedienung abweisend, wenn man nicht zur stammkundschaft zählte, die immer mehr ausblieb.
eigentlich war das schon eine katastrophe. denn im gleichen haus hatte albert einstein vor gut 100 jahren gelebt und geforscht, und aus seiner wohn- und arbeitsstätte ist seit dem jubiläumsjahr 2005 das einstein-museum geworden.
dann ging der untere juker ganz zu, und das war nicht minder schlimm: ein museum ohen kaffee – das gibt es nicht!

seit anfangs april ist alles anders. „relatively the best“, führt das „einstein„, wie das neue kaffehaus heute heisst, im untertitel. das ist anspruchsvoll und vielversprechend zugleich.
wer die probe aufs exempel macht, wird nicht enttäuscht. der innenraum quer durch die häuserzeile wurde gründlich ausgeräumt. die küche ist jetzt im ersten stock, was einen durchblick erlaubt.
von der kramgasse aus gibt es ein paar plätze für passantInnen, die es eilig haben. sie bekommen einen sitzplatz in reihe, und einige lokalzeitungen zum schmökern. in der mitte ist die bar, mit eigenem kaffee, soft- und harddrinks.
und wer von der münstergasse her kommt, findet eine gemütliche lounch mit kamin und ledersesseln vor, samt einigen tischen zum verweilen und essen.

der service ist noch etwas holperig, dafür aber freundlich. meine tagliatelle mit spargel und morcheln sind im nu serviert, dampfen ganz heiss und schmecken hervorragend. nur als man den käse reicht, um alles zu verfeinern, zerfällt er der trockene in zwei teile – einen davon mitten im teigwarenteller. der kellner getraut sich nicht in mein essen zu greifen, und ich wage es kaum, seinen käse herauszufischen …

das publikum im einstein ist grossmehrheitlich jung und international. genauso wie es einstein war, als er in den oberen stockwerken des hauses seine kleine bleibe für sich und seine familie hatte. neben mir spricht man spanisch, vor mir schriftdeutsch, und ich unterhalte mich mit einer dame, die fotos vom neuen lokal macht, auf gut bernischem dialekt.

ein gewinn für die berner altstadt, denke ich mit, als ich den hauseigenen kaffee gekippt habe, und mich daran mache, die mittelteure rechnung zubegleichen.

dank der zündenden idee von lukas leuenberger ist schon mal ein guter startschuss gemacht worden. ost daraus auch im vergleich das beste angebot wird, wird man am besten bestens daran bestimmen, dass die besucherInnen des museums nicht nur vom brühmten wissenschafter, sondern auch vom berühmten kaffeehaus in aller welt erzählen werden.

stadtwanderer


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