vaux (vaud)

April 25, 2011 | Leave a Comment

spaziergang in vaux, hoch über dem lac léman. nicht ohne grund. denn in keiner gemeinde ist man heute im schnitt so reich wie im ehemaligen bauerndorf in der waadt.

la morges – das ist der fluss, oder besser der bach, der sich mit vielen richtungswechseln die hänge des arc lémanique runterschlängelt, um schiesslich schnurgerade im genfersee zu enden. comte louis de savoye baute an der mündung 1286 eines der charakteristischen schlösser aus seinem hause – heute von der waadtländischen kleinstadt morges umgeben, in der die touristInnen gerne flanieren gehen.

auf der anhöhe mochte es damals vor allem wald gegeben haben. valdus hiess er im vulgärlatein des mittelalters, und daraus machte man vaud. bis heute ist das auf französisch der name des kantons waadt, und mit leicht modifizierter schriftweise auch der gemeinde vaux, die, um ja nicht verwechselt zu werden, den zusatz sur-morges angenommen hat.

geschichte hat man in vaux-sur-morges kaum geschrieben. die analen erzählen nur davon, wo man zugehörig war. bei den benachbarten herren von monnaz, in der bernischen vogtei morges, im kanton léman während der helvetischen republik und im kanton waadt seit dessen gründung 1803.

doch dann kam der knaller: 2006 verzeichnete die gemeinde mit weniger als 200 einwohnerInnen das höchste versteuerte durchschnittseinkommen aller schweizer kommunen: knapp 350’000 schweizerfranken im schnitt! gerne hätte man den grund in vaux für sich behalten, bis „le temps“ dem geist der zeit folgend, zu recherchieren begann. jüngst hat die nzz nachgedoppelt – nicht nur zur freude der zurückgezogen lebenden einwohnerschaft in vaux, wie der journalist erfuhr.

fünf bauernbetriebe hat es heute noch in vaux – und eine kleine siedlung mit einfamilienhäuser im pierrafuz, ausserhalb des weilers. gelbe rapsfelder prägen das frühlingshafte bild auf dem plateau. einige reben schmücken die abhänge gegen den see, und im tobel der morgen mampfen zahlreiche kühe gemütlich vor sich hin. doch damit nicht genug. die einfamilienhäuser in pierrafuz sind zwar stattlich gebaut, von luxuriösem umschwung kann aber eigentlich nirgends die rede sein. der reichtum muss anders als über subventionen und arbeitsfleiss begründet sein.

nouveau-vaux wäre heute nicht nouveau-vaux, hätte sich da nicht auch andré hoffmann in der gemeinde niedergelassen. sprecher der roche-erben ist er, vizepräsident des firmenverwaltungsrates zudem. medizin in genf und wirtschaft in st. gallen hat er studiert. in london hat er karriere gemacht, bevor er bei nestlé in vevey einstieg. jetzt investiert der milliardär am liebsten in seine eigenen unternehmungen – und trägt mit seinen gewinnen und vermögen 90 prozent der (tiefst)steuern von vaux.

jüngst wurde spekuliert, hoffmann habe gar moritz sutter die kaufsumme für den mysteriösen baz-deal vorgeschossen. die osterpresse von gestern erschien angereichert mit recherchen hierzu. das dementi aus vaux kaum schnell und bestimmt. das würde nicht in die strategie passen, liess der sprecher des sprechers verlauten.

irgendwie glaubt man das auch, wenn man auf der alten bank am dorfplatz von vaux sitzt. wer die unruhe der medien sucht, braucht einen zentraleren standort, um die ereignisse und trends just in time mit zu erleben. denn wer hoch über dem genfersee um sich schaut, merkt davon nicht viel. das kapital der gegend ist die ruhe, die einen dauerhaftigkeit und weitsicht lehrt.

genau das wissen die bauersleute von vaux zu schätzen. für einige neuzuzüger haben sie sich geöffnet, für ihre grandiosen neubaupläne brauchen sie aber kein musikgehör zu haben. der gemeinderat gehört den neuen, der boden den einheimischen. nicht die menge der steuerzahler macht den reichtum der gemeinde aus. entscheidend ist der mix. und da reicht ein milliardär, der in die roche und in den wwf investiert – gerade weil da kein neues savoyerschloss günstlinge und auswertige anzieht wie unten in der stadt.

stadtwanderer


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