es ist ein stück erlebter geschichte, die stefan von bergen in der heutigen bernerzeitung ausbreitet: die wahl von 1986, der konkurs von werner k. rey 1991 und die schlimmen folgen für die kantonsfinanzen sind mir in guter erinnerung. zwar ist der tiefpunkt überwunden, doch sind die folgen nachallend.

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aufstieg und fall von werner k. rey, dessen geldspekulationen den kanton bern viel gekostet haben.

in vielem sind die berner wahlen von 1986 ein einschnitt. unterschätzt hat man aber den wechsel in der finanzpolitik. die alten machtverwalter wie werner martignoni traten unfreiwillig ab, dafür gab es mit ueli augsburger einen finanzdirektor der nicht minder schlimmen sorte.

augsburger, dynamischer svp-regierungsrat, puschte die ansiedlungspolitik der neu geschaffenen wirtschaftsförderung durch eine senkung der unternehmenssteuern. hofiert hat er vor allem dem zürcher financier werner k. rey, dessen omni holding durch die übernahme der thuner selve im kanton aktiv wurde. doch die rechnung ging bei weitem nicht auf. 1991 meldete rey privatkonkurs an, seine omni musste um nachlassstundung ersuchen. das ging nicht spurlos an der kantonalbank vorbei. deren generaldirektor peter kappeler kündigte 1992 in einem brief an die kantonsparlamentarier einen dramatsichen abschreiber von 2 bis 3,5 milliarden franken an und forderte eine kapitalerhöhung für sein geldinstitut. mit der gründung der dezennium ag wurden die schuldner vor ein sofortigen kunkurs bewahrt und der kanton konnte einen massiven verlust vermeiden. bezahlen mussten die sanierung aber die steuerzahler: 1,5 milliarden franken ungedeckte schulden übernahmen sie, als die dezennium ag nach 10 jahren aufgelöst wurde. und beim kanton häuften sich schulden in der höhe von 11 milliarden franken an.

stefan von bergen, der die geschichte in der heutigen bz zusammenfasst, lässt christian pfister, emeritierter professor für wirtschaftsgeschichte, die schreckensbilanz ziehen: „Die Krise der Kantonalbank ist eine tiefe Zäsur und eine Ueberlebensübung, die den Kanton zurückwirft und der Politik jeglichen finanziellen Spielraum für Innovationen und Investitionen raubt.“ bern sei, so der schluss, in den 1990er jahren gefangener seiner situation gewesen, ähnlich wie das heute in griechenland, irland oder portugal der fall ist.

wer mehr wissen will, liesst im fünften und letzten teil der berner geschichte nach, wie sich berns finanzen, wirtschaft und hauptstadt vom grossen schlag erholen, die hauptverantwortliche bernische svp darbt, in den sog der zürcher partei gerät, krampfhaft zusammengehalten wurde und sich schliesslich in einen kantonal ausgerichtete bdp und eine schweizerisch integrierte svp spaltete.

meine these ist, dass der kanton, zu stark mit sich selbst beschäftigt, den aufbruch, der 1986 möglich gewesen wäre, nur zögerlich an angriff nahm, insbesondere bei der zentralen frage, dem verhältnis zwischen einem oder mehreren aussenorientierten zentren und dem binnenorientiertem umland, für lange zeit in rückstand geriet. erst mit der hauptstadt-debatte wird man sich schritt für schritt der grösseren zusammenhänge bewusst, die zeithistoriker von bergen in verdankenswerter weise rekonstruiert hat.

stadtwanderer

die serie im original – leider nicht ganz aktuell.


Comments

2 Comments so far

  1. Hannah on Mai 9, 2011 17:59

    Bern, ich meine, der Kanton, hat halt viele Zentren. Die Hauptstadt, dann Bielbienne, dann Burgdorf, ja selbst Interlaken, Langenthal und Lyss, wenn man die kleinen auch dazu zählt, sind wachsam, das keiner zu gross, zu mächtig wird.
    Es ist bei weitem nicht nur das Land, dass misstraut.
    Ich habe mal gelesen, dass Fribourg und Solothurn nicht bernisch wurden, weil sie Angst hatten, dominiert zu werden.

  2. raffnix on Mai 9, 2011 22:07

    Was haben wir nun aus der Finanzkrise gelernt?

    Der Kanton vermisst die Steuereinnahmen, und sagt nicht, woher die Banken diese Geld vorher hatten. Woher wohl? Von uns, die wir viele kleine Vermögen zu miesen Zinsen anlegen, die die Banken spekulativ anlegen, z.B. in Erdölgeschäften, damit wir das Öl teurer kaufen dürfen, zahlen dann mit den Gewinnen hohe Saläre und Boni, und mit dem kleinen Rest ködern sie Staat und Stimmbürger, genannt Steuern.
    Ab und zu läuft das ganze dann aus dem Ruder, die Gewinne werden zu Verlusten, unsere todsicheren Garantieperformer schrumpfen und der Staat (also wir) helfen, damit wir nicht noch tiefer in den Sumpf gezogen werden. Wenn nun also die Banken diese und nächstes Jahr und übernächstes Jahr wieder Gewinne schreiben und noch immer keine Steuern zahlen, ist das ja nur deshalb nicht als gerecht, weil ja zuerst die Verluste kompensiert werden müssen (dürfen) …. versuch es mal selbst, und höre, was dein Steuerkomissar dazu meint, wenn du das gleiche tust …

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