gegen den strom

Juli 19, 2011 | 1 Comment

in einer woche brechen bruno und elisabeth kaufmann zu einer grossen reise nach südostasien auf. sie feiern ihren zwanzigsten hochzeitstag mit einer grossen schiffahrt den mekong hoch. „gegen den strom“ lautet das vielsagende reisemotto, das auch ein lebensmotto sein könnte.

arboga. schwedische kleinstadt mit eigenem stadtwanderer. sommerresidenz der familie kaufmann. nichts fürstliches, aber frisch geräumtes, wohliges ferienhäuschen im wald. bruno, elisabet, wanja und nina und die beiden neuen meerschweinchen sind wie jeden sommer da.

indes, in wenigen tagen werden die weltbummlerInnen über den halben erdball verteilt sein. die beiden töchter fahren ins bündnerische s’canf in ein sommerlager für auslandschweizerInnen, und die eltern fliegen nach vietnam, wo sie ihren 20. hochzeitstag mit einer reise den mekong hinaus feiern wollen.

„gegen den strom“ ist nicht nur der titel der reise in südostasien, unter dem nordland-korrespondent bruno kaufmann für das schweizer radio drs 2 berichten wird. „gegen den strom“ ist auch eine art lebensmotto für den politikwissenschafter aus zofingen, der seit jahren in schweden lebt.

in der schweiz war er in jungen jahren aktivist bei der gsoa. dann machte er beim verlag eurotopia mit. schliesslich stiess er zum initiative&referendum institut, dessen europäischer ableger er heute präsidiert.

immer ging es um einen seiner träume, der noch nirgends verwirklicht war.
für eine schweiz ohne armee.
für eine europa mit einer transnationalen bürgerschaft.
und für eine partizipatorische demokratie weltweit.

in falun, wo die kaufmanns normalerweise wohnen, ist bruno zwischenzeitlich mitglied der stadtregierung. sein ressort: wahlen und verfassung. sein ziel: volksabstimmungen einführen in der traditionsreichen bergarbeiterstadt schwedens.

profitieren kann bruno nicht nur von der weltanschauung der grünen, die er im stadtrat vertritt, die ganz auf bürgerInnen-nähe der politik setzt. einen nutzen zieht er auch aus seinem weltweiten netzwerk mit förderen von volksrechten.

ich solle seine neueste broschüre kommentieren, sagt er zu mir, während er mit joe matthews in kalifornien skypt. und während ich ihm meine bemerkungen mitteile, streckt er mir einen leitfaden zur bürgerinitiative in der europäischen union entgegeben, und ein buch zu volksabstimmungen in schweden. an beiden publikationen hat er massgeblich mitgewirkt.

fast könnte man den eindruck gewinnen, der unermüdlich kämpfer für die demokratisierung der demokratien schwimme gar nicht mehr gegen den strom, sondern schon längst mit ihm. nicht weil er, bruno, seine richtung geändert hätte, er weil der strom nur bergauf fliesse.

doch dann führt er mich auf den punkt zurück,der ihm wichtig ist. seinen reisebericht über schwimmende dörfer am mekong, strahlt drs 2 am 23. oktober 2011 aus – dann wenn ich, wohl mit dem strom schwimmend, die wahlen ins eidgenössischen parlament kommentieren werde, wird seine stimme gegen gegen den strom ankämpfen.

stadtwanderer


Comments

1 Comment so far

  1. walko on Juli 21, 2011 23:12

    Wer gegen den Strom schwimmt, sucht wohl die Quelle.
    Ob die Quelle auch das Ziel ist, könnte nachgefragt werden, solange man/frau im Widerstand gegen den Mainstream Erfüllung findet.

    Jahrelang gegen die mehrheitliche Meinung oder Politik zu agieren, ohne Mehrheiten zu finden (Beispiel GSOA), kann die Kräfte und den Willen ermüden lassen.
    Vermutlich belebt in solcher Konfliktlage ein „neuer Strom“ die Widerstandskräfte, wobei die Herausforderung bleibt, das Quellgebiet zu definieren.

    Keine einfache Aufgabe, auf der Suche nach dem „richtigen“ Demokratieveständnis Sinnfragen zu begegnen.

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