stadtwandern in värmland: zum beispiel in ekshärad im klarälvtal. ein porträt aus zuneigung.

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wenn man in die stadt rein fährt, könnte man sich ein wenig im mittleren westen der usa wähnen. linker hand bietet ein grillkoch steaks, würste, hamburger in einer umgebauten flachdach-garage zwischen einfamilienhäusern an. und auf der rechten seite findet sich, zwischen tankstelle und tante-emma-laden eine grosszügige pizzeria, deren eingang inszenierte gemeinschaftliche stimmung verheisst.

wären da nicht die auffahrtrampen für behinderte, welche die eigene vorstellungswelt einholen und einen unweigerlich nach schweden zurückführten, wo man gesellschaftlichen diskriminierungen gegenüber besonders sensibilisiert ist.

ekshärad ist ein landstädtchen in vrämland, das ganz und gar von durchgang bestimmt wird. weiland waren es die pilger auf dem weg nach nidaros, dem heutigen trondheim in norwegen, die der mächtigen klarälv gen norden folgten. heute sind töffahrer mit schweren monturen, welche die reise in die weiten landschaften wagen, oder touristen aus dem süden, die in den naturgegenden der umgebung fischen, wandern oder radeln wollen.

die einen kreuzen eksährad in wenigen minuten, die andern bleiben, bisweilen tage, aber auch jahre. holländer waren trendsetter im tourismus; deutsche, vor allem aus dem osten, sind in der holzwirtschaft und im gewerbe tätig, während schweizerInnen wie wir im abgelegenen holzhausen eine stuga, ein sommerhäuschen, haben.

ekshärad ist auf diese erneuerung dringend angewiesen. seit 1970 verliert der ort einwohnerInnen. bedrohlich nahe an der 1000er grenzen sei man ende 2010, hiess es in einem bericht der värmländischen zeitung. die eigenständigkeit als kommun hat man schon länger verloren; heute wird man von hagfors aus verwaltet.

mit folgen: selbst die angesehene gemeindebibliothek wurde vom gemeindehaus im zentrum ins schulhaus an der peripherie verfrachtet. vom kommunhuset, wie das ehemalige gemeindehaus heute angepriesen wird, ist nur noch die rote hülle geblieben. Innen haben die kaufleute des ortes das sagen: sie haben hier ihre büros für buchhaltungen und sonstigen schriftverkehr eingerichtet, ohne dass viel geschäftigkeit entstanden wäre. die nordea bank beispielsweise kündet mit einem türschild an, bis ende september in der ferien zu sein. Das alles ist symptomatisch, denn ohne geld auch in der schwedischen provinz nicht viel, was man an der ökonomischen infrastruktur schnell erkennt.

geblieben ist ekshärad das kirchliche zentrum. die stattliche kirche stammt aus dem 17. jahrhundert, der aufbruchszeit schwedens als europäische grossmacht, und sie dient heute noch für taufen, heirat und beerdigungen. im friedhof finden sich zahlreiche eiserne lebensbäume, dem traditionellen kunsthandwerk des ortes. besichtigen kann man heute auch frühere kirchen, diejenige aus dem 16. jahrhundert, des wilden flusses wegen aufgegeben zeigt noch ihre grundrisse, ganz unten im tal, und die stabkirche aus der pilgerzeit ist oben, auf den weichen hügeln. das ist ist mehr für das gesetzte publikum, das jüngere zieht da den elchpark vor, der vor jahresfrist eröffnet wurde und gleich zum renner für ferienfamilien geworden ist.

eigentlicher star in ekshärad ist jedoch das ica, der grosse einkaufsladen im zeichen des kleinen bären. die lokalen produzenten bieten hier ihre frischwaren feil. bemerkenswert ist zudem die bäkerei mit spezialitäten aus dem donauraum. Interessent ist sind auch die ställe des heimatwerkes, gleich vis-à-vis, und selbstredend empfehle ich vor ort das moccacino, das cafe mit südlichem einschlag, das jacqueline und ralph aus leipzig hier seit einigen jahren führen.

wer ekshärad kennen lernen will, dem empfehle ein wenig mehr geduld, als man im mittleren westen der usa haben dürfte. denn die strasse von nord nach süd und umgekehrt ist nur der durchgang. auf dem hört man vor allem die lauten tucker. ein eigentlicher zugang zu den leisen radfahrerInnen ergibt sich so nicht. wer den sucht, muss sich etwas zeit nehmen, muss eintauchen wollen in den kleinod im nördlichen värmland, und darf sich ruhig beraten lassen. zum beispiel bei der sympathischen und kundigen josephine ba(ec)ker im örtlichen touristenbüro.

stadtwanderer


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