wenn bärbi mit sicherer hand durch die wälder von holzhausen braust, entsteht bei mir schon mal das gefühl, bei der schweden rally dabei zu sein.

es ist bekannt. mit meinen autofahrkünsten ist es nicht weit her. umso mehr bewundere ich jeden und jede, die dieses handwerk gründlich beherrscht.

zum beispiel bärbi, meine kundige führer- und fahrerin über die strassen von holzhausen.

im normalfall fährt sie ganz normal. für unsere hauptstrecke zum einkauf braucht sie dann etwas weniger als 30 minuten. wenn sie auf die tube drückt, kann es schon mal sein, dass wir in gut 20 minuten am ziel sein.

bisweilen hebe ich mit ab, wenn bärbi mit schuss über die landstrassen rollt. geteert sind die die waldverbindungen nur ganz nahe der ortschaften. der rest ist schotterstasse. wo diese durch die vielen lastwagen wirklich flach gedrückt ist und keine schlaglöcher hat, kann man schon mal mächtig in fahrt kommen.

im abfallenden gelände braucht es nicht einmal das gaspedal. der leerlauf genügt, um auf gerader strecke schnell 60, 70 oder auch 80 sachen drauf zu haben. dann flitzen die bäume nur so an uns vorbei. schaut man weit nach vorne, kann man sie einzeln fixieren und das tempo an ihrer wachsenden nähe ablesen. blickt man dagegen auf die seite, sieht alles unbestimmt aus, einfach dunkelgrün, selten durchsetzt mit etwas sonnenlicht.

ich mag es, mit offenem fenster zu fahren. Wahrscheinlich würde ich sogar ein cabriolet schätzen. Ausser bei regen. so ziehe ich unseren mietopel mit dach vor. mit vorliebe spiele ich aber bei heruntergelassener scheibe mit der ausgestreckten hand im wind. da spürt man, wie es wäre, ein flügel zu sein, dessen flossen der pilot im cockpit minutiös steuert.

alles, was flügel hat, kann auf den schwedischen waldwegen zum problem werden. die waldtauben sind bei solchen fahrten die grösste gefahr. Vom wagenlärm erschreckt, fliegen sie vom boden auf, können aber nicht steil aufsteigen. so nutzen auch sie die strasse als flugraum, bisweilen nicht viel höher als ein auto. einmal flog eine der waldtauben hunderte von meter vor uns her; erst als die nächste abzweigung kam, bog sie sauber nach links ab und machte uns so den weg frei.

wenn es geregnet hat, sind tempofahrten in holzhausen fehl am platz. dann ist es besser, ganz vorsichtig die holprige strasse zu meistern, denn die pfützen können sich innert tagesfrist bemerkenswert tief in die strasse einfressen.

vorsicht ist auch in den kurven angesagt, denn nicht überall kann man problemlos ausweichen, sollte mal gegenverkehr sein. immerhin, alle 100 meter ungefähr hat es ausbuchtungen der wege, die es erlauben, gefahrenlos zu kreuzen. da lernt man den charakter der anderen fahrerInnen am besten kennen. denn die rücksichtsvollen halten in den ausweichstellen ihrer seite an, wenn sie einen erblickt haben; die rücksichtslosen blochen ohne zu zögern vorbei und zählen ohne gruss darauf, dass das gegenüber ganz nahe ans strassenbord geht.

das kann schon mal ins auge gehen, denn da kann der weg unterspült sein, abrutschen, im schlimmsten fall schon mal einbrechen. an einer stelle mitten im wald erinnern wir uns bis heute bei jeder durchfahrt, einem bedrohlich schräg in der landschaft stehenden laster begegnet zu sein.

wenn die fahrer der grossen holztransporter mit ihren gefährten abgeladen durch die gegen fahren, erreichen sie bald einmal geschwindigkeit am oberen ende des erlaubten.
das laute scheppern der anhänger und der ladebrücken kündigt sie jedoch schon weit im voraus an; und die staubwolke, die sich hinter ihnen bildet, lässt einen sicher sein, dass da erst gerade einer war.

zu unserem glück ist der verkehr in holzhausen gering. als durchgangsstrasse taugt der weg nicht wirklich. es sind die zubringerfahrten der holzarbeiter, die zählen. selten verirren sich töffahrer – genagelte schmetterlinge, wie wir sie nennen – hierher. einmal, als wir an einem tag mehrere passanten auf vier rädern zählten, beklagten wir uns lauthals, der verkehr nehme unerträgliche ausmasse an! und lachten über uns selber …

in unserer weiteren umgebung findet immer im februar die svenska rallyt statt. ihr zentrum ist hagfors. ein grossen plakat mitten in der kleinstadt kündigt das main event aller autofans in värmland an. wenn bärbi ihrem wagen freie fahrt gewährt, kann es schon mal sein, dass auch ich meiner fantasie freien lauf lasse, und unsere fahrt durch die schwedische wälder wie ein radioreporter an der lokalen strassenrundfahrt kommentiere.

in bern würde ich mich dafür schämen!

stadtwandere


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