die rückkehr

September 24, 2011 | Leave a Comment

seit gestern arbeite ich wieder teilzeit an der uni bern. es war eine rückkehr mit gemischten gefühlen.

es war ein freitag. freitag, der 19. märz 1993. meine anstellung an der uni bern war bereits abgelaufen. ich hatte aber noch projektverbindungen zu den politologen. in den räumen der unitobler fand um 16 uhr 15 eine letzte sitzung hierzu statt. gegen sechs uhr abends war alles zu ende. bevor ich gehen konnte, musste ich noch ein telefon machen. handies gabs damals noch nicht. also wandte ich mich der hausinternen telefonkabine zu. als ich mein gespräch beendet hatte, waren alle weg und alles zu. und ich wollte unbedingt nach zürich ins theater.

eigene schlüssel für das unigebäude hatte ich damals schon keine mehr. eilends klärte ich die fenster ab, um das geeignetste zu finden, aus dem mich aus meiner misslichen lage würde befreien können. 18 uhr 37 fuhr mein zug.

ich wählte den ausgang aus der toillete, dem damen-wc genau, denn das fester gab fast direkt auf den zufahrtsweg zum gebäude. wäre ich gerade nach unten sprungen, wäre es vielleicht 2 oder 3 meter tief gewesen – das war mit zuviel. so entschied ich mich in einer kleinen drehung auf den auf die rampe zu springen, die am haus vorbei zum eingang führte. ich schätze, es würden 1,2 oder 1,5 meter sein.

mit der mappe in der hand sprang ich, nicht einmal den mantel hatte ich ausgezogen. ich machte im sprung eine drehung, um die rampe nicht zu verfehlen.

als ich landete, hörte nur noch ein lautes krachen in den ohren. es waren meine eigenen knochen. den die rampe war nicht eben, und ich landete noch in der drehung nur auf dem linken bein. das war gründlich futsch. das pech wollte es, dass ich mit dem rechten fuss einen moment später genau auf der kante der rampe aufschlug und mir dabei die ferse spaltete.

ich weiss nur noch das ich mit schmerzen einsank und danach bewusstlos liegen blieb.

die bilanz meines meines fenstersturzes war verheerend. insgesamt sieben beinbrüche, sechs links, einen rechts. ich musste eine siebenstündige operation mit vollnarkose über mich ergehen lassen, um das alles wieder zusammenzuflicken. es folgten 6 wochen erholung in gunten, am thurnersee, bevor ich eine muskeltherapie machen musste, um dem rollstuhl, an den ich einige monate gefesselt war, wieder zu entkommen.

wie gesagt, es war mein letzter tag an der uni bern, denn ich hatte mich im frühling 1992 selbständig gemacht, und der übergang ging an diesem tag zu ende. psychoanalytisch gesprochen, brach ich mir beim versuch, auf meinen eigenen beinen zu stehen, diese gründlich.

10 jahre lang hätte ich täglich schwimmen oder auf dem hometrainer radeln sollen. das ist schon nach einer kurzer weile langweilig, deshalb entschied ich mich 2004 täglich eine stunde wandern zu gehen, am ort, wo ich bin. daraus entstand das stadtwandern.

doch damit nicht genug. denn seit gestern bin ich an der uni bern wieder angestellt. just achtzehneinhalb jahre nachdem ich im wörtlichen sinne von der uni geflogen bin. denn ich untersichte im svp-master (nicht schweizerische volkspartei master, sondern schweizerische und vergleichende politik master) erneut wahlforschung. meine veranstaltung findet im raum 007 statt. ein james bond der berner politologie will ich indessen nicht werden. denn dessen waghalsigen sprüngen mag ich mich nicht mehr anschliessen.

zurecht habe ich mir gestern gesagt. nicht zu letzt, weil der unterrichtssaal auf dem omniösen stock ist, aus dem ich damals gesprungen bin. ein wenig mulmig war mir schon.

stolz bin ich, dass es heute am offizellen ausgang des gebäudes heute ein roter alarmknopf ist. wer eingeschlossen wird, kann sich über den risikolos befreien. meine bleibende leistung an der uni bern – wenigstens bis jetzt!

stadtwanderer


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