zugegeben, an das jahr 2030 habe ich auch schon gedacht. dannzumal wäre ich 73. und so hoffe ich in 18 jahren pensioniert und zur ruhe gekommen zu sein. was mich in dieser lebenslage, sollte ich noch leben, umtreiben könnte, was der anlass für die spekulation zu meinem lebensplan. jetzt bin ich gefordert, denn die bz plant mein leben im jahr 2040.

bern ungebremst: eines der vier szenarien, mit denen sich die neue serie der berner zeitung zu bern zukunft beschäftig (bild: bz).

die “berner zeitung“ veröffentlicht ab heute in einer vierteiligen serie. bern im jahre 2040 ist das generelle thema. in der ersten ausgabe glauben die journalisten, dass es den „stadtwanderer“ immer noch geben wird, vom 83jährigen unermüdlichen tv-analysen, blogger und bern-fan claude longchamp betrieben. voilà!

für soviel vorschusslorbeeren an die adresse des bald 6jährigen blogs, betrieben vom bald 55jährigen historiker-politologen schon mal ganz herzlichen dank an stephen von bergen und jürg steiner, die beiden mindestens so unermüdlichen „zeitbild“-redaktoren, die sich im kleinklein der stadt und kantonpolitik gut auskennen, ohne das grossgross aus den augen zu verlieren.

anlass für die serie ist nämich die gegenwart: am nächsten freitag präsentiert der verein hauptstadtregion erstmals konkrete massnahmen, wie bern als politzentrum der schweiz positioniert werden soll. bald schon werden auch die stimmbürgerInnen gefordert sein, denn voraussichtlich in diesem herbst 2012 befinden sie über die möglichkeit systematischer gemeindefusionen. schliesslich stehen in der stadt bern wahlen an: parlament, regierung und präsident werden neu bestimmt, was immer auch ein zukunftsschritt ist.

die optik weit darüber hinaus haben der historiker und geograf in der redaktion der bernerzeitung inform von szenarien, gut deutsch wohl zukünfte berns, entwickelt. die methode wirkt ein wenig utopisch, vielleicht auch idealistisch, ganz sicher platonisch. denn für sie ist bern alles andere als ein stoff, vielmehr eine idee, die weiter zu entwickeln gilt.

vier logisch abgrenzte vorstellungen des kommenden haben sie: alles dreht sich um die frage, ob bern die vielfach diagnostizierte krise meistert oder nicht. in beiden varianten interessieren sie sich für eine krassen und einen gemässigten fall.

„krise frontal“ meint: der kanton fährt an die wand; er gerät unter erheblichen spardruck. der politik gelingt es nicht, zu reagieren – stadt und land blockieren sich gegenseitig. die bevölkerung schrumpft und altert bedenklich. der wohlstand sinkt, die steuerlast steigt. firmen wandern ab. der pessimismus nimmt überhand – der kanton versinkt.

halb so schlimm sieht das szenario „krise gedämpft“ aus, auch wenn der anfang gleich ist. doch gelingt dem kanton der durchbruch, indem er auf die städte setzt, die über raumplanung und gemeindefusionen staatlich gesteuert werden, während die subventionen an das land verringert werden. es erwacht ein neuer glaube an bern, die stimmung steigt insgesamt, wenn auch nicht überall.

besser noch wird es mit der perspektive „boom kontrolliert“. voraussetzung ist der schuldenabbau, denn nur das zieht wieder mehr menschen nach bern. die städte wachsen, fangen so die alterung auf. das belebt die wirtschaft, verlangt aber einen rigorosen sparkurs, um die konjunktur aufrecht erhalten zu können.

sollte der „boom ungebremst“ sein, mindert das den reformdruck. die vielfalt bleibt, die agglomerationen wachsen, der steuerwettbewerb macht senkungen von abgaben an den staat mehrheitsfähig. die stimmung schwankt, denn nicht alle profitieren vom boom: ökonomisch wird der kanton top, ökologisch indessen entwickelt er sich zum flop..
im ersten teil der serie geht um die gebremste krise. das ist wohl das realistischste szenario. ich wette mal, dass die beiden autoren selber mit dem kontrollierten boom liebäugeln. die ankündigung der vier perspektiven lässt das vermuten.

selber lasse ich mich überraschen. und halte es mit imanuel kant, wenn es um unsere zukunft geht. er fragte sich: was können wir wissen? was dürfen wir hoffen? was sollen wir tun? oder anders gesagt: kümmern wir uns zuerst um das reale. dann um das ideale. und schliesslich um das wirkliche, das wir selber schaffen können.

stadtwanderer


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