christoph stalder, der vorkämpfer für ein starkes bern, ist tot. er erlag am sonntag einem herzversagen. das meldet die heutige bernerzeitung.

vor knapp einem monat traf ich christoph stalder auf berns strasse. seine augen waren hell, sein schnurbart bestimmt. sportlich wie immer, kam er direkt auf mich zu und meinte, ich hätte meinen mitgliederbeitrag noch nicht bezahlt. stimmt, erwiderte ich, denn ich war rechnungen machen hinten drein. um keine neuen umstände entstehen zu lassen, zückte ich eine 50er note aus dem portemonnaie und übergab sie mitten in bern meinem präsidenten.

ja, christoph stalder war nicht nur aufmerksamer präsident, er war auch die gute seele von „bern neu gründen“.

letztlich war es seine idee gewesen, damals, 2001, als er stadtratspräsident war, lancierte stlder während der traditionellen 1. august feier die idee, bern durch fusionen mit den umliegenden gemeinden neu zu begründen. sein anliegen blieb nicht ohne widersprüche. denn rund herum fürchtete man sich, ob der offensive aus der kernstadt, und auch in der stadt gab es warnungen, mit eingemeindungen würde bern verbürgerlichen.

trotzdem, die idee der agglomerationsstadt gewann zug um zug neue anhängerInnen. der verein mit dem gleichen namen wurde gegründet, und im grossen rat, wo christoph 2002 als vertreter der fdp eingezogen war, setzt sich die gedanke fest, die gemeindestrukturen müssten vereinfacht werden. am besten geschehe dies mit gemeindefusionen – nicht nur bei mittellosen kleinstgemeinden, sondern auch in den zentren. den grösse erlaubt eine bessere steuerung, einen effizienteren mitteleinsatz und die vermeidung von doppelspurigkeiten.

zurecht nannte man christoph stalder auf berns strassen trotzdem nicht den „monsieur fusion“, sondern den „monsieur mobiliar“. denn er verkörperte bei seinem ganzen politischen engagement den mehr und mehr verschwindenden typ des milizpolitikers, der fest im berufsleben stand und sich für die öffentliche sache engagierte. sein arbeitgeber, seit 1977 die mobiliar versicherung, hatte den wert dieser aktivitäten erkannt, und sein direktionsmitglied soweit freigestellt, dass er die politik im betrieb und das unternehmen in der öffentlichkeit vertreten konnte. der berner politik hat es genützt, in vielen projekten, wie dem bärenpark, aber auch bei zahllosen kulturellen initiative.

berns zukunft hat mit dem tod seines unermüdlichen, aber immer respektvollen kämpfers mit einer unvergleichlichen gesinnungsethik einen dämpfer erhalten. dennoch wage ich hier zu prognostizieren: der von christoph stalder ausgelöste prozess ist nicht mehr zu stoppen. und so lebt der liebenswürdige mensch, den engagierte mitbürger und der helle politiker unter uns weiter.

stadtwanderer


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