köppel vs. longchamp (und umgekehrt)

därstetten, simmental, kanton bern: 7. polittreff der lokalen svp zum thema “wohin treibt die schweiz”. mit zwei promis auf der bühne: roger köppel und claude longchamp.


uebernahmeverhandlungen auf der därstetter bühne (bild: simmentalerzeitung)

gerufen hatte der umtriebige grossrat thomas knutti, aus dem bernischen weissenburg. er organisierte zum 7. mal den politischen frühlingsaufbruch im simmental, den polittreff in därstätten. sein thema: “wohin treibt die schweiz?”. gekommen war wohl 150 simmentaler, die meisten svp-mitglieder. vorherrschend waren bauersleute, im publikum hatte es staatsangestellte und verbandsfunktionäre, die männer jeden alters dominierten, die frauen waren (leider) eher die zier.

roger köppel, verleger und chef der weltwoche, der eine referent, sprach von der freiheit. in die berge, dem symbol der unverrückbaren schweiz, ziehe man der freiheit wegen, sagte der st. galler mit wohnsitz in küsnacht, kanton zürich. freiheit vor dem staat seit die triebfeder der bürgerlichen schweiz – aus dem der sonderfall mit volksabstimmungen entstanden sei, der den regierungen sage, wo es lang gehe. anders als in frankreich könnte wir noch unsere meinung sagen, und der regierung den tarif erklären. bedroht werden diese freiheit durch die bürokraten, zur politischen linken, in der verwaltung, egal ob sie in bern, brüssel oder washington stehe. und vor allem in der nationalbank. deren spitze foutiere sich um moral, spekuliert mit wechselkursen, die sie selber beeinflusse. das gehe nicht! wenn coca-cola einen wettbewerb veranstalte, sei die teilnahme für firmenmitglieder untersagt. was weltweit gelte, mache in den hallen der schweizerischen währungshüter keinen eindruck: doch: die schweiz wolle keine so herausragenden, aber selbstsüchtigen herrscher. sie brauche bürgernähe, milizsystem und volksherrschaft.

selber habe ich mir eine andere aufgabe gestellt: die “schweiz als teil der welt”. dafür steht ja das simmental. in wimmis, am taleingang war, vor 1000 jahren, der aussenposten burgund. deren könige hatten hier einen bauernhof, den alpentransversale durchs simmental interessiert sie. so kam das simmental in kaiserreich, mit lokalen adligen. 1499 machte man sich als teil bernS frei vom reich, 1848 wurde man teil des bundesstaates. die schweiz beruft sich gerne auf einen bedrohlichen feind, das lenke davon ab, dass sie tief gespalten sei. konfessionell, mindestens vormals, sprachlich, noch heute, zwischen stadt und land, seit der öffnung. in den 90er Jahren. konkordanz sei die richtige antwort auf eine solche voraussetzung: proporzwahlrecht, übergrosse regierungen, minderheitenschutz und förderalismus seien zu pfeilern des staats geworden. der jedoch zerfalle, wegen dem grasierenden medienpopulismus und dem egoismus der manager. vielleicht befördere der wirtschaft, einen staat bauen könne man damit nicht. die schweiz sei auf beides angewiesen: wirtschaftlich global, politisch lokal, sei lange ein erfolgsrezept gewesen, drohe heute jedoch zu kippen. hort des roten kreuzes zu sein, reiche nicht mehr, wenn das schweizerische bankgeheimnis weltweit zum problem geworden sei. da brauche es mehr realismus, der uns, mit der fixierung auf den mais im bundeshaus abhanden gekommen sei. selbst liechtenstein sehe da klarer.

das publikum klatsche bei beiden ordentlich. manchmal sah es sich besser porträtiert, manchmal schlechter. auf jeden fall sei die aufmerksamkeit überdurchschnittlich gewesen, rapportierte mir jemand aus dem ok.

die anschliessende podiumsdiskussion verlief phasenweise kontrovers, insgesamt aber gesittet. es ging um die berge, den bundesrat und die medien. damit war ich bei meiner pointe. dem staunenden publikum machte ich kund, noch vor meiner pensionierung die weltwoche kaufen zu wollen. nicht am donnerstag am kiosk, sondern für immer beim jetzigen verleger. bezahlen würde ich das mit den milionen, die ich gemäss wewo verdiene. denn was die weltwoche schreibe sei nicht egal, habe wirkung. momentan mehr zu gunsten den binnenschweiz, hoffentlich bald wieder als stimme der schweiz in der welt.

stadtwanderer

cal

ich bin der berner stadtwanderer. ich lebe in hinterkappelen und arbeite in bern. ich bin der felsenfesten überzeugung, dass bern burgundische wurzeln hat, genauso wie ich. also bin ich immer wieder auf der suche nach verästelungen, in denen sich die vergangene kultur in meiner umgebung versteckt hält.

4 Gedanken zu „köppel vs. longchamp (und umgekehrt)“

  1. Freude
    Spass
    Gesundheit
    Glück

    All das wünsche ich Dir für Dein neues Lebensjahr.
    Und auch dass Du noch ein paar Millionen Fränkli scheffeln kannst um die WeWo ins Einkaufskörbli zu legen.
    Meine Abo-Kündigung sei Dir jetzt schon gewiss.
    Aber lustig war Deine Äusserung allemal. Wie wohl Köppel reagiert hat?

  2. hej
    danke, freut mich, dass du daran gedacht hast. gehe nun gegen die 60 …
    die übernahme kommt wohl nicht zu stande. rk will glatte 30 mio chf, obwohl er nur 2 bezahlt hatte. da kann und will ich nicht mithalten.

  3. Ich gehe davon aus, dass mit dem Kauf auch ein Umbau geplant wäre. Das hat aber nicht selten so seine Tücken: Wer ein Haus kauft, es aushöhlt und umbaut, um es neu nutzen zu können, muss nicht selten tiefer in die Tasche greifen als jemand, der ein Haus von Grund auf neu baut. Darum: Gründe doch die “Schweizerwoche” als Konkurrenzblatt. Das belebt auch das Geschäft 😉

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