ipod und kopfhörer begleiten einem, wenn man mit bern tourismus (alleine) stadtwandern geht. informativ, abwechslungsreich, auf neuankömmlinge ausgerichtet, und doch nicht einfach nur oberflächliches wie in so manch gedruckten stadtführern, ist meine bilanz.

„station a1“. so etwas hat mich bis jetzt abgeschreckt. eine genau vorgeschriebene route beim stadtwandern durch bern. heute habe ich mich trotzdem auf einen doppelten stadtrundgang mit bern tourismus eingelassen – durchaus mit gewinn!

jeder spaziergang hat rund 15 stationen. variante a geht vom bahnhof durch die altstadt zum alten tramdepot, und variante b macht das gleich umgekehrt, meist mit anderen haltestellen.

zwei stunden braucht man für einen weg – und man wir nicht enttäuscht. uu sehen bekommt man das politische bern, beispielsweise mit bundeshaus, rathaus und erlacherhof, aber auch das repräsentative bern mit zytglogge, kaiserhaus und kornhaus. selbstredend fehlen die diversen brunnenanlagen nicht, genauso wenig wie der bärengraben und der bärenpark.

besonders gut gefallen haben mir die einleitenden worte zum bahnhofplatz, dem treffpunkt des traditionellen und modernen berns. für das erste sehen die heiliggeistkirche und das burgerspital, quasi die ost-west-achse, für das zweite der bahnhof und der baldachin, die nordsüdachse, die ihren schnittpunkt mitten auf dem bahnhofplatz haben. Das macht einem gleich zu beginn klar, dass man in berns altstadt vor allem der vergangenheit begegnen, aber auch der gegenwart.

pinggelig will ich nicht sein, aber einige fehler bin ich gestossen. so war die schlacht von novara 1513, nicht 1521, denn die berner, die mit dem bären aus oberitalien zurückkehrten, machten das vor der entscheidung in marignano und nicht danach. Der berner grosse rat tag nicht mittwochs, sondern in sessionen. streiten kann man sich auch, ob die vier männer unterhalb der justitia auf dem gleichnamigen brunnen repräsentieren nach neuer lehrmeinung nicht mehr papst, kaiser, sultan und schultheiss, denn dieser befand sich, bei aller hochachtung nicht in dieser liga; vielmehr stellt die figur den deutschen könig dar, in vielerlei hinsicht der rechtsgarant im bern des 16. jahrhunderts. Streiten kann man sich, ob das bundeshaus der regierungssitz ist. im engeren sinne stimmt das nicht, denn nur der national- und ständerat, und seine organe wie die fraktionen sind da beheimatet; der bundesrat hat seinen sitz fast seit anbeginn im bundesratshaus (heute bundeshaus west genannt), das nur im übertragenen sinne zum bundeshaus resp. bundeshaus-komplex gehört.

das tut den führungen aber keinen abbruch, denn man erfährt dafür viel über stadtplanung (ältestes bewässerungssystem in einer mittelalterlichen stadt), gebäudearchitektur (variable fensterzahl und höhe an der marktgasse, welche die vielfalt in der einheit sichern) und ehemalige stadtmauern (die beispielsweise das heute café fédéral beherbergen). auch die umgebung mit dem gurten, den alpen und der aare als lebens- und aussichtsräume kommt nicht zu kurz. erklärt bekommt man auch wichtige symbole an zentralen gebäuden, wie die figuren an der fassade des bundeshauses, aber an der des rathauses. da ist schon mal von weisheit, mut und kraft die rede, genauso wie von der wahrheit und der lüge in der politik. ja, selber vom wirtschaftlichen und kulturellen leben im traditionsreichen marktort, aber auch kirchenplatz bekommt man das wichtigste mit auf den weg.

der ist so abgesteckt, dass man nichts verfehlen kann, sicher durch das stadtgewussel kommt, und auch ein wenig müde wird dabei. immerhin, die grossen herausforderungen wie der mehrhundert treppentritte auf den münsterturm werden ausgelassen, ebenso der spaziergang von der stadt runter in die matte. wem der standardweg nicht genug ist, der kann exkurse an die uni, auf die schosshalde, einmal durch das münster oder hinauf in den zytgloggenturm anhängen.

als ich ipod und kopfhörer zurückbringe, werde ich freundlich nach meinen eindrücken gefragt. gerne geben sich sie auch hier weiter: informativ, abwechslungsreich, auf neuankömmlinge ausgerichtet, und doch nicht einfach nur oberflächliches wie in manch gedruckten stadtführern.

stadtwanderer


Comments

4 Comments so far

  1. Mike Keller on April 12, 2012 09:19

    Lieber Stadtwanderer,

    es freut uns sehr, dass unser Audio-Rundgang von einem erfahrenen und kritischen Wanderer gewürdigt wird.
    Zusammen mit der Texetera GmbH haben wir viel Energie und Ressourcen in das Projekt gesteckt in der Überzeugung, etwas Gutes für unsere Gäste zu schaffen.

    Beste Grüsse von Bern Tourismus,
    Markus Lergier, Mike Keller und Team

  2. cal on April 12, 2012 11:02

    gern geschehen!
    thomas widmer, der bekannte überlandwanderer, hat den beitrag übrigens schon verlinkt:
    http://widmerwandertweiter.blogspot.com/2012/04/stadtwanderer-longchamp.html?spref=tw

  3. Beat Meier on Mai 6, 2012 08:26

    Lieber Stadtwanderer

    Wie wärs mal mit einer Stadwanderung auf Rädern.
    Unsere spannenden dreistündigen Segway-Touren (www.segway-tours.ch) haben inzwischen schon Nachahmer gefunden. Der Vorteil auf Rädern zu „wandern“ liegt auf der Hand: es können auch weitere auseinander gelegene Sehenswürdigkeiten in einer Tour verbunden werden. Try it! Public-Tours in Bern, Zürich und Baden. Für Gruppen auch in Basel, Luzern und Thun

    Grüsse vom
    Segway Point Baden

  4. cal on Mai 10, 2012 08:15

    respekt, respekt!
    vor ihren leistungen, eine auffällige und gefällige art des slow-traffic.
    in bern, mit den vielen stolperholpersteinen nicht ganz ungefährlich.
    selber auch respekt, mache ja stadtwandern, um mich nach meinen unfall vor fast 20 jahren (rollstuhl) fit zu halten, risikofreie bewegung ist oberstes gebot!

Name (required)

Email (required)

Website

Speak your mind