leicht zu finden war sie nicht, die mühle von ransbysätter. die glücklichen werden dafür von björkaholm umso mehr belohnt, wenn sie ankommen.

der letzte kurze und steinige weg zur mühle war steil. den eingang vor augen hatte nur, wer sich auf das nebensächliche konzentrierte. denn das hauptsächliche stand auf einem grossen schild: gegründet 1709!

lennart, erklärt: 303 jahre alt sei seine mühle. rund 30 jahre davon stand sie still, bevor er sie in den 90er jahren des 20. Jahrhunderts wieder in betrieb genommen habe. seither rattert sie, den unverkennbaren duft einer mühle vor sich her malend, wieder unaufhaltsam, und man produziert hier tonnenweise mehl aus roggen, dinkel und weizen. und genau das suchen wir, die weitgereisten!

die neue zeit der mühle ist eine erfolgsgeschichte – auch dank der lauschigen umgebung. hinter der mühle ruht ein kleiner see, gestaut, genau richtig, um immer die richtige wassermenge auf die mühle zu leiten. ihr angeschlossen ist eine sägerei, und man betriebt am ort auch eine bäckerei mit kunstgallerie.

zur weitreichenden kommun sunne zählt man hier im wald. doch von der kleinstadt im schwedischen värmland merkt man hier wenig. denn die liegt, weit entfernt, unten im fryktal, wo der passantenverkehr von süden nach naorden durchgeht. hier ist man oben in den hügeligen bergen, wo es eher bären und wölfe hat. den wildtieren kommt die geringen bevölkerungsdichte entgegen, genauso wie das einsame gelände mit den zahlreichen seen und unendlichen wäldern.

gerade deshalb geht von björkaholm eine ganz besondere atmosphäre aus. die wenigen menschen, die hier überleben, trotzen zu allererst der natur. für das nötigste gehen sie vielleicht hinunter nach lysvik. ansonsten sind sie weitgehend auf sich selber angewiesen. zahlreicher sind sie dabei nicht geworden, wovon die verlassenen häuser in der umgebung zeugen.

doch mit der mühle ist in der wildnis ein neues lebenszentrum entstanden. konstantin, der ruhige bäcker, zählt zu den pionieren. wer in sein haus tritt, weiss sofort, wo er ist, denn selbst im kleinen verkaufsvorraum riecht es wie in einem backoffen. das brot von heute ist alles schon weg, was dafür spricht, dass er wie so oft viel kundschaft hatte. uns bietet der gastwirt noch kaffee und kuchen an, ganz frisch, beides aus dunklen bohnen und ebensolchen blaubeeren.

servieren würde er gerne auf der grossen veranda, die er auf dem see schwimmend installiert hat. doch das wetter ist ihm zu unsicher. und so empfiehlt er uns die gallerie, wo wir uns gerne verwöhnen lassen. dabei erfahren wir von seinem neuesten projekt, einem wanderweg durch die gegend, den konstantin selber angelegt hat. nach dem vieles regen der letzten tage empfiehlt er ihn uns aber nicht, zuerst müsse er mit der säge die spur wieder freimachen.

gesättigt von den vielen neue eindrücken hätte ich fast zu meinem iphone gegriffen, um mich noch ein wenig über gott und die welt zu informieren. doch dann erfasst mein umherschweifender blick den leitspruch des raumes: „God is the fluide connect us togehter.“ so nah bei der sakralen weisheit wage ich nicht zu sündigen!

fast, schliesse ich meinen bericht, hätten wir den geheimnisvollenort, indessen nicht gefunden. denn die mühle geht als solche von ransbysätter durch. das ist, würde man bei uns sagen, die alp in einer grünen mulde, umgeben von riesigen nichts der wäldern. nur ist das die nachbarsiedlung von björkaholm, und das schild an der strasse zur mühle hätten die wegleute diesen frühling als unpassend abmontiert, erfahren wir. und so waren wir der wunderbaren idylle einen bangen moment lang so nah und doch so fern.

stadtwanderer


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