thomas bucheli, übernehmen sie!, lautete meine aufforderung, mitten im grossen wetterleuchten am donnerstag abend. und der star-meteorologe des sf übernahm. hier seine antwort zum seltsamen nachtspektakel.

Guten Abend Herr Longchamp

Bei Ihren Aufnahmen handelt es sich um eine doch sehr spezielle (sehr schöne) Form von Wetterleuchten. Wetterleuchten unterscheidet sich per Definition vom eigentlichen Blitz-Gewitter dadurch, dass man eben keine „scharfen“ Blitze sieht. Die Wolke(n) leuchtet einzig von innen her auf; es gibt (oder man sieht) keine wolkenübergreifenden Entladungen und auch keine Wolken-Boden-Blitze durch den unbewölkten Teil der Atmosphäre; man sieht also keinen eigentlichen Blitz.

Wichtig für das Wetterleuchten scheint – gemäss Definition – auch ist die Tatsache zu sein, dass man keinen Donner hört. Dies ist indes nur möglich, wenn das Gewitter sehr weit (weit genug) vom Beobachter entfernt ist. Dann erreichen die Schallwellen des Donners das Ohr des Beobachters nicht mehr – oder sind viel zu schwach, als dass der Beobachter es noch wahrnehmen kann. Insofern scheint mir Ihr Fall eben besonders speziell, da aufgrund ihrer Aufnahmen die Gewitterwolke doch relativ nahe erscheint. Es ist daher anzunehmen, dass zusätzlich noch ein etwas stärkerer „Schalldämpfereffekt“ durch die Wolkenpartikel eine Rolle spielt.

Da die Mehrzahl der Blitz.-Entladungen innerhalb der Wolken stattfinden (und nicht zwischen Wolken und Erdoberfläche) ist die Chance für das Beobachten von Wetterleuchten im Prinzip recht gross. Man muss aber dennoch Glück haben, dass dieses Phänomen sich derart spektakulär und „ausgereift“ präsentiert wie Sie es gesehen haben. In den meisten Fällen ist die Distanz zur Gewitterwolke viel zu gross, sodass man die Struktur der Wolke nicht mehr in all ihren Details erkennen kann.

Ich grüsse Sie freundlich

Thomas Bucheli


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