die schweiz wähnt sich, seit dem 1. august 1291 zu bestehen. eine eindeutige und offizielle nationalhymne hat sie aber erst seit seit dem 1. august 1981. dabei greift sie auf ein lied zurück, dass es schon gab, als die „schweizerische eidgenossenschaft“, der bundesstaat von heute noch gar nicht existierte.

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1961 legte der bundesrat fest, der sog. schweizerpsalm sei die provisorische landeshymne. er reagierte damit auf die im häufiger gewordenen verwechslungen zwischen der britischen und der schweizerischen nationalhymne, die damals noch zur gleichen melodie gespielt wurden. in grossbritannien lief der text seit 1745 unter „god save the queen“ (populärer in der schweiz als „god shave the queen“), derweil in der schweiz das lied „rufst du mein vaterland“ 1811 von johann rudolf wyss getextet wurde.

nach dreijähriger probezeit konnten sich die kantone 1965 zur provisorischen landeshymne vernehmen lassen, und sie taten es so, wie man es von ihnen erwartete: 12 waren dafür, 6 dagegen, und 7 votierten für die verlängerung des provisoriums, – ein nullentscheid! die suche nach einer neuen landeshymne, die eingeleitet wurde, führte jedoch nicht zu einem höheren konsens, sodass der bundesrat 1981 der unwürdigen übung ein ende setzte und den schweizerpsalm eigenmächtig zur unverwechselbaren offiziellen landeshymne erklärte.

erstmals veröffentlicht wurde das lied 1843. der text stammtevon leonhard widmer, während die melodie alberich zwyissig kompoiniert hatte. dieser war bis zur aufhebung des zisterzienserklosters wettingen im jahre 1841 daselbst mönch gewesen und hatte den schweizerpsalm an der kirchweihe in wettingen 1835 vorgestellt. das lied selber, das heute bei sportanlässen und staatsempfängen zu ehren der confoederatio helvetica gespielt wird, ist damit älter als der bundesstaat, der erst 1848 gegründet wurde.

1894, auf dem höhepunkt der nationalen welle in der schweiz, wurde das sakral anmutende lied als schweizer nationalhymne vorgeschlagen. doch der bundesrat lehnte dies wiederholt ab. er war der auffassung war, eine nationalhymne müsse sich in der volksabstimmung durch die kehlen durchsetzen, nicht durch ein staatliches dekret. so existierten längere zeiten mehrere versionen der schweizer nationalhymne, wobei „rufst du mein vaterland“ lange populärer war.

heute wirkt der schweizerpsalm mächtig antiquiert. in der regel kann man den text nicht auswendig. an bundesfeiertagen hilft man sich deshalb mit handzetteln aus, selbst wenn das nicht besonders überzeugend wirkt. bei länderspielen würde das aber definitiv blamabel wirken, wenn die jungs von köbi kuhn vor dem dem anpfiff die nationalhymne ablesen würden.

das hat übrigens nichts damit zu tun, dass viele von ihnen secondos sind. auch die meisten schweizer können den text nicht, und summen aus anstand maximal mit.

der versuch, die nationalhymne, pardon, landeshymne, wie man das in der schweiz nennt, auf eine zeitgemässe basis zu stellen, den die nationalrätin margret kiener nellen 2004 unternommen hatte, versandete nach einigen jahren in den mühlen des parlaments.

und so hören wir bald zum letzten mal den schweizerpsalm an der euro 08, ohne etwas besseres in aussicht zu haben.

stadtwanderer


Comments

4 Comments so far

  1. I Think on Juni 13, 2008 13:13

    Damals haben sich Musikwissenschafter, Musikverbände und unzählige Experten auf den Schweizerpsalm geeinigt. Dass eine Landeshymne vom Volk auch gerne gesungen werden sollte war absolute Nebensache. Natürlich ist es schwierig eine für die ganze Schweiz annehmbare Melodie und einen Text (d,f,i) zu finden. Im Liedgut der Schweiz gibt es jedoch über die Sprachgrenzen hinweg anerkannte Stücke. Es wäre doch ein lohnendes und quotenträchtiges Unternehmen für das Fernsehen einen „Grand Prix für die Nationalhymne“ zu starten.

  2. Walter R. Kopp on Juni 13, 2008 16:24

    Während sich Bundesrat Moritz Leuenberger in seinem Blog über seinen Ohrwurm wortreich äussert, haben die allermeisten SchweizerInnen ihre liebe Not, wie der stadtwanderer gewohnt faktensicher ausführt, die Landeshymne spontan vorzusummen, geschweige denn, den Text mitzusingen.

    I Think formuliert treffend: „ … Dass eine Landeshymne vom Volk auch gerne gesungen werden sollte, war absolute Nebensache. …“ und bringt den Vorschlag, sie vom Volke fürs Volk in einem Wettbewerb zu selektionieren.
    „Trittst im Morgenrot daher …“, sorry, ist für mich ein veraltetes „Kirchenlied“, welches zeitgemässen Vorstellungen von einem Volkslied nicht einmal annähernd mehr gerecht wird.

    Warum Fachleute und der damalige Bundesrat 1981 zu glauben wussten, welcher Textinhalt und welche Melodie von der Volksseele begeistert übernommen würde und wohl auch zu einem „Ohrwurm“ werden sollte, ist 27 Jahre später kaum noch nachvollziehbar.

    Für den Entwurf eines zeitlosen Textes sind in der Schweiz reichlich Profis vorhanden (würde Franz Hohler vorschlagen …) und die Melodie dazu wäre im erwähnten „Grand Prix“ locker zu finden. – „Österreich hat im April 1946 mit einem Preisausschreiben, in dem gegen ein Preisgeld von damals beachtlichen 10.000 Schilling ein Lied hymnischen Charakters, das den neuen österreichischen Bundesstaat und seine Menschen im In- und Ausland sowohl textlich als auch musikalisch würdigt“, gesucht wurde. Auf das Preisausschreiben erfolgten etwa 1.800 Einsendungen.“ (Quelle: Wikipedia)

    Die Euro08-geliebten Nachbarn nachzuahmen, entspricht zwar nicht CH-Gewohnheitsdenken, wäre jedoch hin und wieder ein Gedankenschritt hin zum kulturellen Austausch wert, wovon beide Nationen einen Gewinn hätten.

  3. ADI on Juni 14, 2008 18:51

    Die Verwechslungen mit der Hymne Grossbritanniens gehen noch weiter. Die Melodie wurde während des Deutschen Reiches (1871-1918) auch als Kaiserhymne verwendet.
    Lichtenstein kennt heute noch diese Melodie, wenn „Oben am jungen Rhein“, die Landeshymne des Fürstentums, gespielt wird.

  4. Titus on Juni 17, 2008 02:22

    …und da wir in den letzten Jahren permanent als Eurovision Song Contest-Verlierer dastanden, scheinen wir auch nirgends ein Potential für was Neues zu haben, das auch im Ausland Anklang findet. Selbst die inoffizielle Schweizer EM-Hymne von Baschi, dessen Text zumindest die Deutschschweizer alle kennen, dürfte im Ausland eher erschrecken, beginnt der Text doch mit eine Ccchhhrott im Hals: „Chum bring en hei…“

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