konkordanz woher? konkordanz wohin?, heisst meine herbstwanderung durch bern.


ort des geschehens: berns altstadt, nach dem bau des ersten bahnhofs (um 1860)

die these zur modizifierten stadtwanderung durch bern habe ich während meinen sommerferien in schweden entwickelt. meinen leserInnen des stadtwanderers ist sie vielleicht bekannt, denn ich habe sie im juli hier schon mal präsentiert. sie lautet: konkordanz ist nicht an demokratien gebunden, wenn man sie im umfassenden sinne formuliert. vielmehr ist sie permanente die suche nach übereinstimmung, wo sie nicht einfach gegeben ist. gerade in kulturell segmentierten räumen bilden verschiedene formen der elitenkooperation das zentrale element der konkordanz. in der berner und schweizer geschichte hat man dazu verschiedenste institutionen entwickelt, wie die frühen adelsheiraten, (brücken)städte, die grossen räte, die tagsatzung der vergangenheit oder die kollegialregierung der gegenwart. damit nicht genug: auch die dezentralisierung der macht garantiert den regierten ihre identitäten entstehen oder bestehen lassen. formen des minderheitenschutzes, aber auch (sub)kulturelle freiräume bieten hierfür gewähr. in demokratien kommt hinzu, dass die proprotionalisierung der repräsentation trotz mehrheitsprinzip dafür sorgt, dass verschiedene bestandteile der gesellschaft miteinander existieren können.
wäre die gesellschaft des schweizerischen mittellandes homogen, wäre mein ansatz zur aufführung der geschichte ganz falsch. der rundgang durch die geschichte zeigt aber, wie kulturell vielfältig bern und die schweiz zusammengesetzt sind, wie genau das bisweilen auch herrschaftlich unterdrückt wurde, und wie es aber zeiten gab und gibt, in denen man die einheit in der vielfalt suchte, um daraus innere kraft zu ziehen.
genau das will ich mit meiner führung einmal durch die berner innenstadt, aber auch einmal durch die geschichte des berner raumes aufzeigen!

anbei das programm:

1. station: bärenpark
die raumzeit: was leistet das stadtwandern für geschichte und gegenwart?

2. station: untertorbrücke
vorgeschichte der stadt: die tiefgreifende kulturelle segmentierung des raums (443 bis 1191)

3. station: zähringerdenkmal
von der stadtgründung bis zum reichsstand: herzöge, könige und kaiser stabilisieren der herrschaft (1191 bis 1415)

4. station: rathaus
der grosse aufstieg: vom bündnis mit der eidgenossenschaft bis zur autonomie im kaiserreich (1323 bis 1499)

5. station: plattform
der grösste stadtstaat nördlich der alpen: territorialbildung und der stadt/land-konflikt im alten bern (1298 bis 1536)

6. station: münster
konfessionale spaltung, reformierte konsensbildung und die überwindung der grossen teilung der eidgenossenschaft (1528 bis 1712)

7. station: erlacherhof
revolution und reaktion: franzosen trennen stadt und land und begründen den kanton bern
(1798 bis 1834)

8. station: casino (vormals akademie)
bundesstadt im bundesstaat: vom aufbau des föderalismus‘, kollegialsystems und der direktdemokratie unter freisinniger herrschaft (1848 bis 1914)

9. station: hotel bern
die praxis der machtteilung: der proporz im national- und bundesrat in bundesbern (1918 bis 2007/8)

10. station: bundesplatz
politologische (zwischen)bilanz: geschichte und zukunft der konkordanz(demokratie)

die führungen dauern je nach gruppengrösse 2 bis 2,5 stunden. anschliessend wird ein apéro oder essen serviert. interessentInnen (nur gruppen) können sich bei mir melden.

stadtwanderer


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