morgen wird die sp schweiz 125 jahre alt; ein guter zeitpunkt, ihre kürzeste geschichte zu schreiben.

die sp schweiz hat zwei verschiedene wurzeln, die internationale arbeiterbewegung, und den schweizerischen arbeiterbund, der rund um die volksabstimmung zum ersten schweizerischen fabrikgesetz von 1877 seinen höhepunkt hatte. 1888 wird die eigentliche sozialdemokratische partei der schweiz gegründet. erster präsident ist alexander reichel, rechtsprofessor an der universität bern. erste aufgabe ist die verbesserung der lage der arbeiter. politisch bleibt man eine aussenseiterpartei. erfolgreicher sind die grütlivereine, die nie zu einer partei werden.

nach der gründung gibt sich die oppositionspartei ein streng marxistisches programm. am ende des ersten weltkrieges organisiert sie den viertägigen landesstreik mit, die erste grosse kampfansage an den freisinnigen bundesstaat, die mit militär aufgelöst wird. drei streikforderungen werden in den nachfolgenden knapp 100 jahren politische karriere machen: das proporzwahlrecht, die sozialpolitik und gleichstellung von frau und mann.

die nationalratswahlen 1919 bringen der sp einen beachtlichen sitzgewinn. doch die partei spaltet sich danach, in eine reformistische mehrheit und eine revolutionäre minderheit, die im in- und ausland eigene wege gehen wird. noch glaubt man an der untergang des kapitalismus, und man bereitet sich mit selbsthilfe unter arbeitern auf die zeit danach vor. denn der bürgerliche staat ist unerreichbar weit weg.

mit der weltwirtschaftskrise und der äusseren bedrohung in den 30er jahren ändern sich die ansichten. die „diktatur des proletariates“ wird aus dem sp-programm gestrichen; und das militär wird anerkannt. das erhöht die akzeptanz der sp im bürgertum. mit der richtlinienbewegung sucht man die nähe zum mittelstand, der von der sparpolitik bedroht wird. schliesslich setzen metallindustrielle und der smuv die sozialpartnerschaft durch; jetzt verzichtet man auf den streik als kampfmittel. dafür wird man in die politische entscheidfindung miteinbezogen.

1930 erreicht die sp bei den nationalratswahlen 28,7 prozent – es ist und bleibt der rekordwert. drei jahren später ist die sp erstmals in kantonregierungen vertreten. in genf findet man linke mehrheiten über volkswahlen; in bern setzt sich 1938 die proportionale aufteilung der regierungsmacht mit bürgerlichen parteien durch. 1943 zieht mit ernst nobs erstmals ein sp-vertreter in den bundesrat ein. seit 1959 hat die sp dank eines bündnisses mit der katholischen volkspartei zwei vertreter im siebenköpfigen bundesrat. die sp ist eine jetzt minderheit in der regierung, die ihre anliegen durch sachpolitische allianzen mit anderen parteivertretern durchbringen muss.

die frühe nachkriegszeit wird durch zwei themen geprägt: die einführung der ahv und der ausbau der infrastruktur. die rede ist vom bundesrat tschudi-zeitalter, der sichtbaren fortschritt mit altersversicherungen und autobahnen dank wirtschaftswachstum bringt. der ökonomische aufstieg lässt einen teil der arbeiterschaft verbürgerlichen, die 68er-generation aber die frage nach dem sinn des lebens in der konsumwelt stellen. von nun an unterscheidet man generationen innerhalb der linken.

1971 erhalten die frauen in der schweiz das stimm- und wahlrecht. 12 jahre später möchte die sp die erste bundesrätin stellen. doch der plan geht in der bundesversammlung nicht auf. die erboste sp-parteispitze erwägt den gang in die opposition. die delegiertenversammlung entscheidet anders. man bleibt regierungspartei und setzt sich für die vertretung beider geschlechter im bundesrat und politischen behörden ein. 1991 unterstützt die sp den frauenstreik, der die umsetzung der gleichberechtigung beschleunigen will. nach einer turbulenten wahl wird 1993 ruth dreifuss erste sp-frau im bundesrat. das neue jahrtausend eröffnet sie als erste bundespräsidentin der schweiz. ursula koch wird drei jahre zuvor erster sp-parteipräsidentin. christiane brunner ist ihre nachfolgerin.

1992 stellt sich die sp vor die europa-politik der bundesrates: der eu-beitritt ist das ziel, die beteiligung am ewr der erste schritt. schon dieser misslingt in der volksabstimmung. für die sp eine niederlage. gemeinsam mit der fdp befördert sie die bilateralen als schweizerischer weg in die europäische integration. 2002 gelingt auch der uno-beitritt; bei der lancierung der volksinitiative sind sp-vertreterInnen vorne dabei. die aussenpolitische öffnung beflügelt die sp, gleichzeitig auch die svp, die zur hauptgegnerin wird und viel schneller wächst.

die umweltfrage befördert die absichten der sp auf einen ökologischen umbau der wirtschaft, schafft aber auch raum für alternative lebensentwürfe. mit den grünen entsteht eine neue partei, die partnerin in sachfragen und konkurrentin auf dem wählerInnen-markt ist. bei den nationalratswahlen 1987 erreicht die partei mit 18,4 prozent ihren rekordteifstwert. in den 90ern wächst rotgrün mehr und mehr zusammen, und wird die allianz elektoral stärker, bis die grünliberale aufkommen und sie bremsen. heute ist die sp die führende partei der grossen städte, auf dem land verliert sie aber an rückhalt. ihr wählerInnen-anteil stagniert selbst während der globalen finanzmarktkrise. nur die jungsozialistInnen profitieren von der veränderten wirtschaftslage und fordern mit frecher politik nicht nur die schweiz, auch die etablierten sozialdemokratInnen heraus.

stadtwanderer

ps: mehr dazu hier im beitrag der srf tagesschau.


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