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ich schaue auf die uhr. denn ich will genau eine minute hinhören. während der peepst, schrillt und tuutet es nicht weniger als acht mal. einmal ist es der mikrogrill, dann die kasse, schliesslich ein handy.
bei der vielzahl störender geräusche verwundert es nicht, dass es im neuen mcdonalds beim berner postpark fast keine gäste hat. doch verwundert es, wie das möglich ist, auch wenn kaum jemand da ist.
stimmung kann so nicht aufkommen. das innere ist steril, tausendfach bekannt aus aller welt. auch das angebot an essbarem ist vereinheitlicht, ganz so wie man es in den usa vermutet.
jüngsten medienberichten zur folge funktioniert das allerdings selbst in nordamerika immer weniger gut. den die effiziente bedienung des hungers im urbanen stösst an ihre offensichtliche grenzen. hauptgrund ist das wieder erwachte gesundheitsbewusstsein.

trotzdem: mcdonalds ist rasch zu einem der weltweit grössten arbeitgeber entstanden. in den 90er jahren des letzten jahrhunderts an der westküste der usa gegründet, kam das unternehmen zu beginn dieses jahrhunderts in der schweiz an. in bern betreibt es zwischenzeitlich gleich mehrere filialen.
auch wenn es zu früh ist, den erfolg des jüngsten ablegers zu beurteilen, wird man den eindruck nicht los, das neue geschäft im postpark floriere nicht. die wichtigsten gäste sind zwei alleinstehende ältere damen, die je für sich stumm an einem sechsertisch sitzen. vielleicht erwarteten auch sie ein zahlreiches und junges publikum, wie man es aus amerikanischen serienfilmen im tv kennt. doch davon sieht man in berns zentrum wenig. ein frau in den 20ern, offensichtlich eine travellerin, kommt zwar herein, bringt aber kein rambazamba mit. vielmehr starrt sie fortfährend auf ihr handy. bisweilen drückt sie darauf ein wenig herum. gesprochene worte, die wärme in den grossen raum bringen würden, fallen nicht.
international ist der service – jedenfalls hinter der theke. hautfrabe und sprache deuten unmissverständlich auf migrantInnen hin. an der kasse ist eine junge bernerin, jedenfalls dem dialekt nach. dafür ist ihre kleidung global.

auch wenn es happert mit dem grossen neuen internationalen trend in bern: mcdonalisierung hat es als begriff in den 90ern bis in die sozialwissenschaften gebracht. verantwortlich dafür ist der soziologe george ritzer aus maryland. gemeint ist die gesellschaftliche übernahme der eigenschaften eines fastfood-restaurants. fortgeschrieben wird damit der wandel vom traditionalen zum rationalen. bei max weber stand dabei die staatliche bürokratie im zentrum. in bern weiss man darum. ritzer geht es um mehr. er dehnte das phänomen auf das (betriebs)wissenschaftlich fundierte management in privaten unternehmen aus. typische stichworte sind effizienz, berechenbarkeit, prognosefähigkeit und kontolle. gemeint ist damit, aufgaben optimiert zu lösen, ziele quantifiziert zu bestimmen, dienstleistungen zu vereinheitlichen und mitarbeiter gleichförmig auszugestalten.
das alles verspreche erfolg, würde man meinen. in der grossen wirtschaft ist das wohl auch so. in der kleinen kommen jedoch zweifel auf. denn sie bleibt gastwirtschaft. im wahren treffpunkt um die ecke bleibt der normale mensch könig, der in seiner lokalen identität ernst genommen wird. modernen orten des eintönigen foodens entgeht genau dieser kulturelle eigensinn.
kulturkritiker ritzer schreibt in diesem zusammenhang bildstark von der globalisierung des nichts. ich füge bei: menschen aus fleisch und blut, geschichten und bindungen können auf das unaufhörliche peepsen, schrillen und tuuten nach globalem massstab problemlos verzichten kann.

stadtwanderer


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