wer kennt sie nicht, die biblische geschichte vom turmbau zu babel, mit dem die menschheit versuchte, gott gleichzukommen? sicher geläufig bleibt einem, dass der versuch scheitert, an der babylonischen sprachverwirrung, welche das grossprojekt mit sich gebracht hatte.

bael
zwei bilingue aus fribourg: kulturminister alain berset und der stadtwanderer

olivier suter, künstler aus bern, der in biel/bienne lebt, hat im auftrag des forum du bilinguisme kulturminister alain berset gebeten, einen text zur mehrsprachigkeit der schweiz zu verfassen. den hat er anschliessend der reihe nach in die 25 meist gesprochenen sprachen in der schweiz übersetzen lassen, nicht von profis, sondern von laien. genauso wie es im alltag geschieht, wenn angehörige verschiedener sprachen aufeinander treffen.
das ergebnis kommentiert alain berset gestern so: uebersetzen sei, fast das gleiche in einer anderen sprache auszudrücken. wobei er “fast” betonte. bestes anschauungsmaterial hierfür bot sein eigener text, der in der 23. sprache, dem schwedischen, zwar über das gleiche berichte, bisweilen jedoch im umgekehrten sinn.
nationalratspräsidentin christa markwalder betonte an der gestrigen vernissage halbernst, die stärke der schweiz sei das missverständnis. sie fragte, ob sie die menschen der verschiedenen sprachregionen verstehen würden, wenn sie sich verstehen würden.
der anwesende botschafter luxemburgs meinte anschliessend zu mir, wenigstens humor hätten schweizer spitzenpolitikerInnen in der durchaus ernsthaften sache.
meinerseits weiss ich, wovon die rede ist. in fribourg geboren, war unsere familiensprache französisch. meine mutter sprach aber auch deutsch mit uns kindern. das schätzte ich spätestens dann, als wir von fribourg wegzogen. denn ohne die kulturell bereichernde voraussetzung wäre ich in der deutschsprachigen schweiz effektiv nicht sonderlich gut angekommen.
frei von missverständnissen ist das leben rund um die sprachgrenze nicht. mein göttibued meinte später einmal, als ich mich mit seinen ältern auf französisch unterhielt, immer wenn es um ihn gehe, würden wir katholisch reden.
göttlich, die verwirrungen, die uns die sprachen erlauben. oder, es ist unwahrscheinlich, dass kommunikation gelingt, meinte der soziologe niklas luhmann ohne jeden gram!

stadtwanderer


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