Karl&Co.

Juli 7, 2016 | Leave a Comment

Nein, es geht es nicht um Karl den Grossen und seine Enkel. Vielmehr dreht sich diese Geschichte um Kaiser Karl IV. und seine Dynastie. Denn Karl&Co in der Berner Altstadt ist ihm direkt gewidmet.

Die Stadt Bern ist älter als die Eidgenossenschaft. Zu Zeiten der Stadtgründung, 1191 also, gehörte das ganze Gebiet der heutigen Schweiz zum Kaiserreich, für das in der damaligen Zeit der Titel “HRR”, “Heiliges Römisches Reich”, aufkam. Gebaut wurde Bern auf imperialem Boden, weshalb die Stadt nach dem Tod des letzten Zähringers Königsstadt wurde. Des Königs Stellvertreter war der Schultheiss, was sich von Schuldheischer oder Steuereintreiber ableitete. Denn als Königsstadt zahlte man ausschliesslich der Krone Steuern, keinem Adeligen aus der Umgebung. Spätestens 1298 verhielt sich Bern als Reichsstadt, das heisst als Teil des Reichs, ohne dem jeweiligen König speziell zu huldigen. Hintergrund dieser Auslegung war die Rivalität der führenden Adelhäuser im Reich. Könige aus der Dynastie der “Luxemburger” waren der Stadt traditionell gut gesinnt, was man von Vertretern der Habsburgern und Wittelsbacher weniger sagen konnte.
Historische_Karte_CH_1385
Historische_Karte_CH_1416

Der erste “Luxemburger” (genau “Luxemburg-Böhmen”), der Bern förderte, war König Heinrich VII. Er verpfändete 1310 der Stadt und nicht den Kyburgern Laupen, sodass Bern hier bald schon den ersten Landvogt einsetzen konnte. Der letzte Förderer in dieser Reihe war Sigismund, König von Ungarn. Er weilt 1414 in Bern, wo er das neu erbaute Rathaus einweihte und die Stadt in den Reichsstand erhob.
Dazwischen war Karl IV. Der Enkel von Heinrich und Vater von Sigismund begann seinen Aufstieg unter widrigen Umständen. Denn 1346 wurde er bloss zum Gegenkönig gekrönt, musste sich also erst gegen andere durchsetzen. Sein Gegenspieler war König Ludwig der Baier, der in Laupen mit den Freiburgern und gegen die Berner gekämpft und verloren hatte – mitunter auch wegen der Allianz der Berner mit den Innerschweizern.
Mit Karl, der von Prag aus regierte, sollte sich das Blatt definitiv wenden. Sein Durchbruch kam mit der Goldenen Bulle von 1356. Mit dieser ordnete er das Reichsrecht nach dem Durcheinander durch die grosse Pest neu. Dabei kaum seine vorläufige Skepsis gegen Eidgenossenschaften mit Reichstädten mit gewöhnlichen Städten und Ländern noch zum Ausdruck
Seine neue Bern-Politik setze 1360 ein. Nur fünf Jahre später weilte der Kaiser gar in Bern. Er bahnte sich einen Weg von Prag nach Avignon, dem damaligen Papstsitz. Sein Berner Zuhause war das Hotel Adler. Mit dem wichtigste Dokument aus dieser Zeit privilegierte er die Stadt Bern. Von nun an sollte sie Reichslehen erwerben können. Damit wurde die Stadt dem Landadel gleichgestellt, denn normalerweise wäre das nur den Grafen von Kyburg oder von Savoyen in unserer Gegend zugestanden. Hinzu kam das Recht, in der Stadt ein Kaufhaus zu führen, was dem Handel in Bern einen Aufschwung verschaffte. Voraussetzung hierfür war allerdings, dass die Familie von Bubenberg, nach der Grossen Pest ins Könizer Exil verbannt, wieder zurück kommen und das Amt des Schultheissen erneut übernehmen durfte. Dies geschah zum internen Preis, dass die Matte, ein Dorf ausserhalb der Stadt, von den Bubenbergs an die Stadt überging.

Betrachtet man die Privilegien Karls für Bern, sind sie ein gewichtiger Meilenstein im Aufstieg der Stadt vom der Königs- und Reichsstadt hin zum vollwertigen Reichsstand. Ein zentraler Grund hierfür war, dass Bern ein weitreichendes Territorium rund um die Stadt zu beherrschen begann. Das prägt Städte wie Bern, Luzern und Zürich bis heute. Denn im Mittelalter war es unüblich, das Städte grosse Landbesitzer waren. Schaffhausen weiss das bestens. Letztlich ist das ein Phänomen des Schweizer Mittellandes – als Folge der Krise, die den Landadel im 14. Jahrhundert erfasst hatte. Im Osten drängte Bern so den kyburgischen Einfluss zurück, im Westen wurde man Erbin des zerfallenden burgundischen Königreichs.
Nagelprobe der bernischen Expansionspolitik war der sogenannte Burgdorfer-Krieg von 1382 bis 1384. Er reihte sich in die grossen Auseinandersetzungen zwischen aufstrebenden Städten niedergehendem Adel ein. Auf der anderen Seite des Rheins setzte sich dabei der Adel gegen die Städte durch. Auf unserer Seite war es umgekehrt. Denn Zürich gewann gegen Habsburg und übernahm Zug und Glarus.
Während dem “Burgdorfer” belagerte Bern die Kyburgerstädte Burgdorf und Thun. Das war die Rache dafür, dass die Kyburger das befreundete Solothurn angegriffen hatten. Erstmals setzten die Berner dabei Kanonen ein, eine willkommene Verstärkung der bisherigen Wurfmaschinen. Ein grosser Erfolg war dem Angriff auf die Nachbarstädte allerdings nicht beschieden. Denn beide Attacken endeten militärisch im Patt. Schliesslich musste die Bern die beiden Städte gegen viel Bares kaufen. Die Kyburger kam so zu ersehnten Geld und Bern zu wichtigen Märkten in Ober- und ist Mittelland. Bern legte damit nicht nur den Grundstein zur Herrschaftsstruktur, aus der zuerst die Republik, dann der Kanton hervorgehen sollte. Die Stadt schuf so auch eine wichtige Voraussetzung, um vorherrschende Macht im Aaretal zu werden. 1415, bei der Eroberung des Aargaus, sollte sich der Burgdorfer ausbezahlen. Das versetzte im übrigen den Kyburgern den definitiven Schlag. Denn nur kurze Zeit später verschwanden sie in der Bedeutungslosigkeit. Karl hat die Voraussetzung für das alles geschaffen. Letztlich begründete er trotz Bedenken den Aufstieg von Städten wie Zürich und Bern, die miteinander verbunden, nebst den Waldstätten den mittelalterlichen Kern der Eidgenossenschaft bilden sollten.
Bis vor kurzer Zeit gab es gar nichts, das in Bern an Karl erinnert hätte. Jetzt ist es Karl&Co. Versehen mit dem Zusatz “1383”, dem Datum des Angriffs auf die Kyburger Städte.

Stadtwanderer


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