Das Rathaus ist bis heute Sitz von Parlament und Regierung des Kantons Bern. Erbaut wurde es zu Beginn des 15. Jahrhunderts aus den Trümmern des grossen Stadtbrandes. 1417 wurde es formell eingeweiht, deshalb ist es genau 600 Jahre alt.

Rathaus

Bern wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts ein mächtiger Stadtstaat. Er löste Kyburger und Savoyer als Landesherren im Osten und Westen ab. Nun war man ein Vorbild. Das zeigt die Fassade des Rathauses. Sie ist nach christlicher Vorstellungen in eine linke gute und eine rechte schlechte Seite geteilt. Ganz oben sind zwei Frauen, links die Wahrheit, rechts die Lüge. An den Treppengeländern hat es sechs Tugenden: Links die Unschuld, Demut und Keuschheit. Wer so lebt, kann Barmherzigkeit erwarten. Rechts die Verführung, der Hochmut und die Ungerechtigkeit, die allesamt in Feigheit enden.

Nur zwei der sechs Tugenden gelten heute noch: erstens die Demut oder Dienstbeflissenheit – in einer Beamtenstadt keine Ueberraschung, und zweitens die Ablehnung der Hochmut. Wer herausragt, bekommt hier eines an den Kopf.

Bis in die 1870er Jahre vollzog man in Bern die Todesstrafe. Wer hierzu verurteilt wurde, bekam im Erdgeschoss des Rathauses die Henkersmalzeit. Etwa dort, wo man diese früher einnahm, habe ich 1986 die erste Hochrechnung von Regierungsratswahlen vorgenommen. Die Bürgerlichen wollten hoch hinaus. Doch die beiden Freisinnigen wurden angewählt. Es kam die erste rotgrüne Regierung ans Ruder.
Hochmut kommt eben vor dem Fall.

Stadtwanderer


Comments

Name (erforderlich)

Email (erforderlich)

Website

Speak your mind


Templatesbrowser.com