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Die zähringische Stadtgründung
Bern wurde der Legende nach 1191 gegründet. Stadtherren waren anfangs die Herzöge von Zähringen. Ihr Zentrum lag nahe bei Freiburg im Breisgau, im damalige Herzogtum Schwaben. Ihr Ziel war es, Rhein und Rohne mit einer Strasse zu verbinden, um so den Verkehr von Norden nach Süden durch Europa zu kontrollieren. Der Kaiser hatte das Adelsgeschlecht zu Rektoren von Burgund gemacht, damit war sie Vize-König und hatten Anspruch auf das Gebiet der Rhone, der Saone und des Doubs. Um dahin zu gelangen, brauchte es jedoch eine Verbindung über Land, die sie ausgehend von Rheinfelden über Herzogenbuchsee, Burgdorf, Bern, Fribourg und Moudon bis nach Lausanne mit Stadtgründungen suchten. Fast wäre der Plan aufgegangen, doch vor Lausanne stellte sich ihnen ein mächtiger Bischof entgegen und stoppte die Expansion. Geblieben sind im westlichen Mittelland zähringische Kleinstädte. Zu Beginn hatten die meisten von ihnen 500, vielleicht 1000 Einwohner. Voneinander entfernt waren sie jeweils rund 30 km, die damalige Wegstrecke, die man an einem Tag mit dem Pferd bewältigen konnte. Unter ihnen hatte Bern seit dem 13. Jahrhundert eine herausragende Stellung, denn die Stadt sicherte den strategisch bedeutsame Aareübergang.

Die drei Einschnitte in der Stadtgeschichte
Die Geschichte der aufstrebenden Stadt Bern ist dreimal jäh eingeschnitten worden: 1348/9 durch die grosse Pest, 1528 durch die Reformation und 1798 durch den Einmarsch der Franzosen. Jedes Mal änderte sich die Entwicklung:
. auf die Pestkrise folgte die Ausrichtung an der Eidgenossenschaft, die sich in der Zentralschweiz und rund um Zürich auszubilden begann;
. mit der Reformation begann die Orientierung der Stadtaristokratie am republikanischen Gedankengut, das sich in der städtisch geprägten Niederlanden auszubilden begonnen hatte, und
. die französischen Besatzung brachte zuerst die kurzlebige französische Republik hervor, dann die Schweizerische Eidgenossenschaft mit den 19, dann 22 und heute 23 gleichberechtigten Kantone hervor.
Die heutige Bestimmung erhielt die Stadt Bern 1848 als sie Bundesstadt wurde. Seit 1798 hatte die Schweiz eine Hauptstadt, zuerst war es Aarau, dann Luzern und schliesslich Bern. 1803 fiel Aarau weg, dafür kamen Freiburg, Solothurn, Basel und Zürich hinzu, die sich abwechselten. 1815 kehrte man zum alten System ohne Hauptstadt zurück, einzig mit einem Vorort, der zur Tagsatzung einlud. Den Kompromiss zwischen Alles und Nicht fand man 1848 mit der Bundesstadt. Bern wurde so Sitz von Parlament, Regierung und Verwaltung. Zürich, das ebenfalls aspiriert hatte, erhielt die Technische Hochschule, die heutige ETH, und Luzern sollte mit einer weiteren Bundesanstalt bedient werden, hielt man damals ausgleichend fest.

„Bern Bundesstadt“ – nun auch als virtuelle Stadtführung!
Nun beginnt meine Stadtführung „Bern. Bundesstadt“! Sie hat, wie der Titel nahe legt, zwei grosse Themen: das Werden der Stadt Bern als herausragendem Regionalzentrum, und die Bundesstadt, als Zentrum der schweizerischen Politik. Der erste Teil ist mehr historisch ausgelegt, der zweite politologisch. Dabei verbinde ich stets einen symbolträchtigen Ort in Bern mit einer Geschichte, die für das ausgesuchte Thema steht. Die Themen zusammen genommen, ergeben den Sinn der Stadtwanderung. Stadtwandern ist zuerst ein gedankliches Wandern im Kopf, dann ein physisches Denken mit den gemachten Schritten.
Der römische Rhetorik-Professor Quintilianus hat dieses pädagogische Prinzip erfunden. Der Erzieher von Kaisersöhnen stellte im ersten Jahrhundert nach Christus fest, dass das räumliche Erinnerungsvermögen bei den meisten Menschen besser ausgebildet sei als etwa das zeitlich oder sachliche. Menschen erinnern sich, wo sie einmal waren und was sie dabei erfuhren. Wenn sie sich auch an den Weg erinnern, können sie die Geschichten, die sie Stück für Stück lernten, zur Geschichte zusammenfügen. Genau das will mein Stadtwandern auch!
Normalerweise mache ich das als authentischer Stadtwanderer eben. Hier beginnt die Erzählung im Internet, etwas weniger spontan, dafür dem individuellen Rhythmus der Aneignung zugänglich!

Stadtwanderer


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