brasilianische fahnen zu hauf, beach bar am see und fussballfieber, wo man hinschaut. man wähnt sich mitten in brasilien.


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im hotel gibt’s eigentlich nur ein thema: ist die seleçao wirklich so schlecht in form, wie der trainer meint? glauben mag das hier niemand, denn eines ist hier sicher: brasilien wird zum sechsten mal fussballweltmeister!


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die schnurgerade ausgerichteten tulpen vor meinem fenster hätten zwar vermuten lassen, in brasilia zu sein. doch da war ich nicht. ich war in weggis, das park hotel testen, wo die stars vom 22. mai bis 3. juni wohnen werden!


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ich kann sagen: weggis hat nicht nur einen grossen pr-coup gelandet, weggis ist auch gerüstet. mit sack und pack, frau und kind werden sie erwartet. und aus dem kleinen strand die copacabana machen! schön muss das sein, das leicht verschrobenbe weggis wird aufwachen, ein wenig wie rio werden.


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eilends wird auch ein neues fussballstadion gebaut. „vor 10 tagen hat man noch gar nichts gesehen“, sagt mir der taxichauffeur. dank dem guten wetter gibt’s jetzt sogar grünen rasen! und die bilette für die trainings sind alle weg. „anstehen habe man müssen, um eines zu ergattern“, fügt er bei. und 50 stutz hinlegen, um sitzen zu können. das sei ihm dann doch zu viel gewesen, denn der samba werde wohl auch neben dem station sein.


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500 medienstationen werden mit dem weltmeister von 2002 erwartet. die ganze welt wird ihr auge auf weggis richten. da können alle rund herum nur noch staunen: soviel gratiswerbung! 1 kiste habe der lokale unternehmer bezahlt, sagt mir der chauffeur, dass der tschutti-weltmeister vor seinem firma trainieren komme. ungelöst sei aber das sicherheitsproblem in weggis: wann wolle den raum von küssnacht auch abriegeln, das werde ein unglaubliches durcheinander geben. fürs taxigewerbe werde es aber super werden: waren schon mal 2 journalisten aus brasilien da, und hätte gleich dreimal im tag nach luzern gefahren werden wollen. und während den berühmten zwei wochen rechne man mit 2000 journalisten, sind, summa summarum 3000 fahrten nach luzern à 70 chf. wären 210’000 chf umsatz im tag!


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gespannt ist man, ob sich die stars überhaupt bewachen lassen, meint der taxichauffeur. „die schweiz ist ja ein tresor, in dem sich allen eingesperrten frei bewegen können“. das würden die bald merken, und sich nicht noch mehr einsperren lassen. seine frau sei brasilianerin, in weggis, und die sei überzeugt, dass hier bald der teufel los sein werde.

das trifft sich gut. weggis stellt sich in seinem buch über sich selber so vor: „ein paradies auf erden, – aber von teufeln bewohnt!“ immer habe es lämpen gegeben mit den weggisern, sagt man im dorf. vertragen hätten sie sich nie, mit ihren nachbaren nicht und auch mit den luzernern nicht. und auch heute sei es nicht einfach, als fremder (luzerner!) nach weggis zu kommen, fügt mein chauffeur bei. bis man da als auswärtiger gewerbetreibender akzeptiert werde, brauche es viel. die hotels würden die einheimische konkurrenz bevorteilen, die gäben dann die aufträge weiter, wollten aber eine provision. wer etwas neues aufbauen wolle, habe es schwer in weggis. ein wenig beschaulich, seien sie in weggis, da sind sich alle einige. vielleicht ist der rummel, der jetzt kommt aber die grosse chance: auf jeden fall muss man die dorfgeschichte danach umschreiben. ereignisreich ist sie nämlich nicht, wenn man die website der gemeinde, die jetzt weltweit konsultiert wird, betrachtet. verschlafen ist nur das vorwort!

natürlich war ich in tat und wahrheit nicht des tschutten wegens weggis. dafür bin ich viel zu wenig sport-begeistert, und beim fussball, habe ich einen grundsatz: egal wer gewinn, nur die d. nicht! beim nachtessen liefert ein kultivierter professor für kommunikation die amerikanische definition von fussball. wenn zwei mannschaften mit je 11 männern einem ball nachrennen, und danach „germany“ siege, dann sei das eben soccer!

meine kundschaft ist da teilweise viel näher dran, am fussballgeschehen. klar, der städtische effzee und seine mäzenin haben ja auch schon mal ein stück fussball- und sponsoringgeschichte geschrieben! näher dran war meinen kundschaft früher auch an der fdp. da wird heute aus distanz drüber disktuiert. der erzwungenen und erfolgte rücktritt von frau fierz ist anlass genug. neue namen werden herumgeboten, die alle nicht kenne: ausser gutzwiller, der hat aber schon abgesagt, und ausser urs lauffer, der wolle jedoch sicher nicht sein gehalt vierteln, ist man sich rasch einig! die fdp von heute wird kurz gefasst so analysiert: ausdruck der individualisierung. pelli führe den appart, doch der führe sonst niemanden. die partei sei atomisiert, tausende von einzelkämpfer stünden für die partei, die es aber gar nicht mehr gebe. jeder sei seine eigene fdp-ag, die nach autopoetischen grundsätzen funktionniere, politisiere und kommuniziere. ein gravitationszentrum sei nicht mehr zu erkennen. und über den bericht der nzz von heute morgen wird nur maliziös gelächelt: „das ende eines trauerspiels“, nein, die x-te folge, höre ich, und die nächste komme so sicher wie das guetnachgschechtli!

der konkurrent zum jetzigen generelasekretär der fdp schweiz, bei dessen wahl, sitzt beim mittag neben mir. er ist 2002 aus der fdp ausgetreten, aus enttäuschung! seiner steilen karriere in der wirtschaft hats nicht geschadet, derweil guido schommer die stets kleiner werdende schar von getreuen hütet. typischer geht’s nicht mehr, denke ich mir innerlich. eigentlich mag ich beide als gesprächspartner. aber so unterschiedliche wege kann man nicht mehr als einheit verstehen, die das land gestalten wird. wirtschaftsliberale, staatsbegründer und citoyennes, die frühere erfolgsmischung will einfach nicht mehr funktionieren. „verlieren sie die wahlen reihum, – und was machen sie?“, orakelt mein kommunikationsprofessor: „ein neues logo! wir liberale.“ das sei ja zum lachen, meinen meinen die manager. bald schon würden abzählreime aufkommen, der positivere: ich liberale, du liberalst, er liberalt, wir liberalen! der negativere: 10 kleine liberale, 9 kleine liberale, 8 kleine liberale ..

war alles bestens organisiert hier. park hotel ist gerüstet für die wm-vorbereitungsrunde, und mein kunde sieht die zukunft auch (einigermassen) optimistisch. empfehlung meinerseits: fantastischer rot-wein, aus dem eigenen (bio)weinkeller! muss jetzt aber arbeiten gehen, unerwartete anfragen aus der potenziellen kundschaft! noch ein blick in mein zimmer! welcher star wird hier hausen, im gleichen bette schlafen, wie ich war? schon beim gedanken, einem alten und neuen weltmeister so nahe zu sein, juckte mir die ganze nacht mein rechtes bein.

und ich träumte: brasil, tor, tor, tor! tönt gut!

wenn sich nur auch die fdp sich anstecken lassen würde:

fdp, sieg, sieg sieg! tönt komisch!

weggis-wanderer

mit der krise der liberalen oder bürgerlichen parteien beschäftigt sich gegenwärtig die halbe politbloggergemeinde; siehe auch:

edemokratie


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