Achter und letzter Teil meiner Stadtwanderung zu „Jugend&Politik“

Von Generationenkonflikten ist heute wieder vermehrt die Rede. Das ist Anlass genug, den Ausblick auf Ende der Stadtwanderung zur «Jugend&Politik» hierzu zu machen. In Bern wäre kein Ort geeigneter als das Generationenhaus, in dessen Innenhof wir hier stehen.

Wir haben mit dem «alten Bern» begonnen. Da haben wir unter anderem das erste, aber aufgelöste Jugendparlament kennen gelernt. Ueberdauert hat dafür in Bern die Burgergemeinde. Ihr gehört beispielsweise das «Burgerspital». Lange war es nur das Altersheim der Burgergemeinde, heute auch Sitz der Verwaltung. Zu den neuen Aufgaben zählt, dass man hier die Gemeinschaft über die Generation hinaus pflegen will.

Was versteht man unter Generationenkonflikten? Es gibt zwei verschiedenen Bedeutungen.
Zum einen meint man das, was wir in der Stadtwanderung vorwiegend kennen gelernt haben. Die Unterschiede zwischen jungen Menschen zu verschiedenen Epochen. Unsere Hauptfiguren waren immer gleich alt, in aller Regel jung oder mit weniger als 30 Jahren bereits wichtig. Sie hatten unterschiedliche Prägungen erhalten, ihre eigenen Kristallisationserlebnisse verarbeitet und können so als Angehörige einer Generation identifiziert werden. Die Unterschiede, die sich daraus ergeben, können zu Generationenkonflikten führen, etwas die Präferenz für ausserinstitutionelle oder institutionelle Politik.
Spricht man von Generationenkonflikten, kann man aber auch etwas anderes meinen: Nämlich die Konflikte zu einer bestimmten Zeit zwischen den verschiedenen Altersgruppen. Das kennt man aus der eigenen Familie, wenn die Ansichten zwischen Eltern und Jugendlichen auseinander gehen. Es gibt aber auch Generationenkonflikte in der Gesellschaft, die zwei verschiedene Hintergründe haben können: Zuerst genannt seine die Interessen, die sich aus dem Alter ergeben. Erwähnt seien aber auch Wertkonflikte erwähnt, wenn die Uebertragung von Werten von den Vor- auf die Nachfahren nicht geklappt hat und deshalb nachfolgender Generationen von einem anderen Weltbild ausgehen als vorangegangene.

Eine Untersuchung der Abstimmungsergebnisse nach Altersgruppen in den Jahren 2000 bis 2015 zeigt, dass in einem Viertel der Volksentscheidungen die Mehrheiten der unter 30jährigen und der über 70jährigen voneinander abweichen. Das ist deutlich weniger häufig als zwischen der SVP und den Grünen, aber auch weniger ausgeprägt als zwischen Stadt und Land oder hoher und tiefer Bildung.
Das heisst nicht, dass entlang des Alters alles in Minne sei. Vielmehr kann darüber hinaus gezeigt werden, wenn die Unterschiede entlang dem Alter statistisch signifikant sind, dass sich in zwei Drittel der Fälle die Aelteren durchsetzen in nur einem von drei Fällen die Jüngeren.
Durchgesetzt haben sich die Jüngeren etwas beim neuen Partnerschaftsgesetz. Demgegenüber verhinderten die Aelteren die Legalisierung von Hanf oder den Schutz vor der eigenen Waffe.
Die Autoren der Untersuchung kommen zum Schluss, dass die unterschiedlichen Werte der Generationen insgesamt wichtiger sind als die Interessen der Altersgruppen. Die zeigten sich bei Fragen der AHV, der IV oder beim Bausparen. Es sind also bestimmte Themen, die reizen; es gibt aber keinen eindeutigen Trends.

Für Lösungen braucht es in den neuralgischen Themen Ausgleichsmechanismus zwischen den Interessen, aber auch mehr Verständnis zwischen den Generationen.
Beides leidet heute, weil wir es heute auch mit einem Verschwinden der allgemeinen Oeffentlichkeit zu tun haben. So wie Kaufhäuser oder Volksparteien seltener werden, neigen sich auch Medien, auf die sich alle beziehen, ihrem Lebensende zu. Immer mehr entstehen zielgruppenspezifische Medien. Immer mehr sehen wir Szenen für bestimmte Gruppen. „20 Minuten“ will nur Junge ansprechen, SRF weiss, dass es nur von Alten geschaut wird.
Es gibt eine gut bekannte 1975er Schwelle. Demnach ist die Mediennutzung ziemlich unterschiedlich, je nach dem, ob man davor, wie ich, oder danach, wie sie geboren wurde.

Der Jugendbericht aus dem Jahre 2012 hielt fest, dass die Kommunikation zwischen den Generationen generell rückläufig ist. Namentlich ausserhalb der Kernfamilien mit Kindern, Jugendlichen und Eltern, allenfalls auch Grosseltern, kommt es immer weniger zum Gespräch zwischen den Generationen. Dafür grassieren Vorurteile über Junge und Alter wieder. Ageism als Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Alters macht heute die Runde.
Das erleben wir gerade heute während der Corona-Krise. Da wird bisweilen der Einsatz für Menschen im vierten Alter als sinnlos betrachtet, weil sie sowieso bald sterben. Da findet man, Menschen im dritten Alter sollten auf einen Teil ihrer AHV verzichten, weil dies die Jungen belastet. Da findet man schliesslich, dass man den Alten das Stimm- und Wahlrecht nehmen solle, weil dies die Weiterentwicklung der Gesellschaft blockiere. Selbstredend gibt es auch Vorwürfe an die Jungen, beispielsweise gab es solche 2019 gegen die Klimajugend gerichtet. Da meinte man vorwurfsvoll, man predige Wasser, sprich Verzicht, trinke aber gerne Wein, spricht man Fliege ohne Bedenken in die Ferien. Oder man dürfe erst dann politisch etwas fordern, wenn man der Gesellschaft schon etwas gebracht habe.

Systematisch Analysen hierzu kommen zu einem ähnlichen Schluss, wie wir es bei den Abstimmungen gesehen haben. Es gibt neuralgische Themen, aber nicht immer die gleichen NutzniesserInnen.
Aeltere Menschen sind beispielsweise im Schnitt vermögender, sie haben eher ein eigenes Haus als das bei jüngeren der Fall ist.
Jüngere Menschen haben im Schnitt exemplarisch die bessere Schulbildung, sie sind auf besser auf die Digitalisierung der Gesellschaft vorbereitet.
Weder junge noch alte Menschen sind bevorteilt, wenn es um die Arbeitswelt geht. Da sind Menschen im mittleren Alter, zwischen 40 und 60 bevorteilt ähnliches gilt in der Politik, die im Wesentlichen von Bürgern und Bürgerinnen zwischen 35 und 70 gemacht wird, nicht aber von den ganz Alten oder ganz Jungen.

Was tun? Das Generationenhaus gehört der Berner Burgergemeinde. Die hat sich entschieden, keine geschlossene Gesellschaft mehr zu sein, sondern sich zu öffnen, beispielsweise gegenüber nachfolgenden Generationen und Altersgruppen. Deshalb findet hier regelmässig ein Generationen-Talk statt, bei dem ein Thema bewusst von Menschen verschiedenen Alters beleuchtet wird. Die Idee dahinter ist bestechend: Es braucht mehr Dialog in unserer Gesellschaft, um sie zusammenzuhalten. Auch zwischen den Generationen.
Warum ich ihnen das zum Abschluss der Stadtwanderung zu Jugend und Politik erzähle? Ich habe eine Absicht. Sie, die Ehemaligen des Dachverbandes der Jugendparlamente hatten als Aktive eine allererste Aufgabe. Sie mussten die Stimme Ihrer Generation sein, und zwar in ihrer ganzen Breite. Sie mussten klar machen, wo Sie sich von früheren Generationen unterscheiden.
Heute sind Sie bereits ehemalige JugendparlamentarierInnen. Sie müssen nun verdeutlichen, warum Sie eine Generation sind, die andere Interessen und Werte vertritt als jene, die bei ihren Eltern oder Grosseltern vorherrschen. Das geht letztlich nur, wenn Sie, ausgehend von Ihrem Standpunkt mit anderen Gesellschaftsgruppen ins Gespräch kommen, respektive diese pflegen und vertiefen.

Fertig!


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