… ist eine station auf dem betriebsausflug des stadtwanderers

romainmôtier ist ein ort der gemeinde romainmôtier-envy im bezirk orbe des kantons waadt in der schweiz. doch daran denkt kaum jemand, wenn man den namen nennt: vielmehr ist und bleibt dieser name mit dem einmaligen früheren kloster von romainmotier verbunden.

die erste, legendäre gründung

wer das gotteshaus im malerischen juratal auf schweizer seite gründete, ist bis heute nicht sicher. die legende st. romain, dem aus saint-claude stammenden vater des juras besagt, missionar selber war. stimmt das, ist romainmotier die früheste klostergründung auf dem boden der heutigen schweiz.


die kirche von romainmotier, im wesentlichen im 11. jahrhundert erbaut, im 13. jahrhundert beim eingang erweitert.
foto: biance rousselot

an sinnvollen daten hierfür wird man 450 annehmen können, als die römische kirche unter papst leo einen aufschwung nahm, der sich in verschiedenen bischofssitzen der schweiz bemerkbar machte. erschlossen worden wäre danach mit der klostergründung der südlich jurafuss zum schweizerischen mittelland, auf dem sich die burgunden ansiedelten, die zwar christen, damals aber noch nicht katholiken waren.

die frühe geschichte des klosters ist ebenso unbekannt, doch dürfte es nach 534 in den strudel der fränkischen völkerkriege gekommen sein. nach dem tod von könig childebert, der herr über austraisen und burgund war, brachen bruderkriege aus, die von childeberts mutter, könig brunichilde gefördert wurden. im fränkischen reich siegt vorerst könig theuderich, dem auch romainmontier gehört, doch überlebte er den tod seines bruders nur kurz. wenig zuvor griffen die alemannen vom elsass bis an den alpenfuss flächendeckend die burgundischen zentren an, und zerstörten 610 alles, was ihnen in den weg kam, – voraussichtlich auch romainmotier. dennoch galt die gegen als burgundisches zentrum, flüchtete sich doch königin brunichilde nach orbe, wo sie aber gefasst und dem letzten verbliebenen fränkischen könig chlothar ii. ausgeliefert wurde.

die zweite, nachgewiesene gründung

belegtermass begründete felix chramnelenus 632 die zweite abtei in romainmotier, jetzt nach der regel des heiligen columban. das keltische geprägte christentum der irischen wandermönchte kam im 7. jahrhundert jedoch in die defensive, was gleichzeitig den aufstieg der römischen kirche mit sich brachte. 753 überschritt mit stephan II. erstmals ein papst die alpen. er machte auf dem rückweg in romainmotier halt, und unterstellte die abtei direkt dem heiligen stuhl. spätesten jetzt bekommt sie den namen „romanum monasterium“, eben: römerkirche. von nun an lebte man, wie überall in den römischen klästern, nach der regel des heiligen benedikt von nursia.


das geheimnisch romanischer architektur erlebt man in der kapelle in der klosterkirche von romainmotier eindrücklilch
foto: silvia ratelband

die grosse konkurrenz von romainmotier wurde das kloster st. maurice d’augmne. bei dessen gründung durch den burgundischen könig sigismund sollen die möchte von romainmotier noch pate gestanden sein. jetzt, wo die franken den pilgerverkehr von canterburry nach rom quer durch ihre reich lotsten, wurde das kloster st. maurice, das an der strategisch entscheidenden stelle lage, wichtiger. vor allem karl der grosse förderte das kloster an der rhone. beim niedergang des fränkichen kaiserreiches war es denn auch der laienabt von st. maurice, der mit hilfe der bischöfe von lausanne, genève und sion das burgundische königreich gründete, und die oberherrschaft auch über romainmotier gewann.

die blüte als priorat des klosters cluny

910 kam es mit der klostergründung in cluny, in der nähe macons, zu einer weiteren konkurrenz. dieses klosters stand von beginn weg nur unter päpstlicher aufsicht, was seine attraktivität für schenkungen erhöhte. 928 wurde auch romaimotier dem kloster cluny unterstellt, und war, wie alle cluniazensischen klöster, ab sofort nur noch ein prioriat.

um die jahrtausendwende wird das prioriat vom burgundischen könig rudolf iii. reich beschenkt, was den beginn des aufstiegs des klosters romainmotier kennzeichnete. in ihm lebte ein teil des untergehenden burgundischen königreiches weiter. 1027 entsteht, als sichtbares zeichen des wandels, eine neue kirche, die im romanischen stil nach dem vorbild der zweiten abteikirche von cluny gebaut wurde. sie ist das wohl älteste romanische gebäude in der schweiz, das noch steht.

im 13. jahrhundert macht sich im malerischen tal, in dem das kloster nahe einer passstrasse über den jura lag, der einfluss savoyens bemerkbar. diese zeigte sich vor allem darin, dass nur noch günstlinge des grafen prior werden konnten. 1536 schliesslich wurde das kloster von den bernern sofort säkularisiert, um es dem savoyischen einfluss zu entziehen. kreuzgang und konventgebäude wurden abgerissen, sodass nur noch das haus des priors, leicht versetzt von der kirche stehen blieb. diese wurde 1537 in eine reformierte pfarrkirche umgewandelt, während das priorhaus als sitz des bernischen landvogtes diente.

die neue blüte als kulturelles zentrum

nach dem ende des ancien régimes gelten klöster gar nichts mehr. auch romainmotier zerfiel, und wurde noch als gewerbeschuppen verwendet.


die heute massgebliche dame in romainmotier berichtet über ihr lebenswerk

nach dem zweiten weltkrieg war es dann katharina von arx, die das haus restaurierte und die kulturelle bedeutung des ortes wieder aufnahm, indem sie den verbliebenen teil des klosters zu einem begegnungszentrum für künstlerInnen machte.


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