Wir stehen hier im Loeb-Viertel. Das besteht aus einem Warenhaus und einer Kommunikationsagentur. Beide sind in Bern eigentliche Qualitäts-Marken.

Bekannt wurde „Loeb“ durch François Loeb, Spross derjenigen jüdischen Unternehmerfamilie, die 1881 an der Spitalgasse ein kleines Textilgeschäft eröffnet hatte. Er war nicht nur als Berner Unternehmer legendär. Auch als freisinniger Politiker im Nationalrat war er hoch angesehen. Unvergessen ist sein Engagment für den EWR-Beitritt
Heute führt Nicole Loeb das Unternehmen in der fünften Generation. Sie ist die Partnerin von Lorenz Furrer. Der wiederum ist mit Andreas Hugi Eigentümer der Agentur „furrerhugi“. Entsprechend sind sich Kaufhaus und Agentur direkte Nachbaren.
Furrer und Hugi repräsentieren die beiden Hintergründe der Entstehung, die europäische Integration und die Informatik. Sie sind auch einen eine Brücke zwischen Bern und Zürich. Zusammengebracht haben soll sie Ruedi Noser, dem heutigen Ständerat aus Zürich in der Bundesstadt. Das prägt bis heute den «Stallgeruch».

Lobbying als Teil des Public Affairs Managements
Im Firmenporträt steht, die inhabergeführte Kommunikationsagentur vernetze Menschen mit eigenen Ideen an der Schnittstelle von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Bezogen auf das Lobbying tönt das so: «Lobbying ist in unserem Verständnis ein Teil eines umfassenden Public Affairs Managements: Es geht dabei um den gezielten Einfluss auf den Gesetzgebungsprozess in direkten Kontakten zu Politikerinnen und Politikern, Vertreterinnen und Vertretern der Verwaltung und bisweilen auch Regierungsmitgliedern» (furrerhugi 2021).
Dargestellt wird die Einflussnahme der Firma anhand des hauseigenen LobbyWheel:
Phase 1: Konzeption mit Zieldefinition und Strategiewahl
Phase 2: Stand-By Lobbying mit Issue- und Stakeholder-Monitoring sowie Stakeholder Management
Phase 3: Operatives Lobbying mit konkreten Projekten zu Entscheidungen und
Phase 4: Evaluation der Zielerreichung

Poll-JournalistInnen zur Vernetzung mit den Massenmedien
Das hat man zwischenzeitlich x-fach anwenden können. Es hat das Unternehmen zum interessanten Geschäftspartner für viel Akteure gemacht. Speziell ist die Agentur auch, weil es eine ganze Abteilung mit ehemaligen JournalistInnen beschäftigt, die für den direkten Zugang zu Massenmedien eingesetzt werden.
Insgesamt arbeiten rund 50 Personen in der Agentur mit Niederlassungen in Bern, Zürich, Genf, Freiburg und Lugano. Umgesetzt werden Mandate für 10 Millionen CHF jährlich. Damit platziert man sich an zweiter Stelle der Branche, gleich hinter Farner Consulting AG.
Die öffentlich zugängliche Kundenliste von furrerhugi. ist beachtlich. Sie umfasst knapp 100 Institutionen und Akteure. Dazu zählen staatliche Stellen beispielsweise der Kantons Zürich, wichtige Verbände wie die economiesuisse, die FMH, curafutura, Unternehmen von der SRG bis Glencore, aber auch lokale Institutionen wie die Hauptstadtregion Schweiz. Betreut werden auch parlamentarische Gruppen wie jene für Philanthropie.

Trendsetter beim Netzwerk in die Wissenschaft
Gelernt hat man bei Furrerhugi. namentlich aus der Abstimmung zur Masseneinwanderung. Da erkannte die Mobilisierung der Wissenschaft als relevanten Faktoren, um Entscheidungen beeinflussen zu können. Seither hat man Netzwerke aufgebaut, die bewusst Staat, Unternehmen und Universitäten verknüpfen. Damit ist man Konkurrenten voraus.
Beim Nein zur Durchsetzungsinitiative hat sich das gelohnt. Denn hier traten WissenschafterInnen prominent gegen das SVP-Begehren auf. Heute ist das fast schon üblich geworden wie die anstehende Abstimmung über das CO2-Gesetz aufzeigt.

Starkes Engagement gegen die Konzernverantwortungsinitiative
Wie das Kommunikationshandwerk funktioniert, konnte man auch bei der Konzernverantwortungsinitiative sehen. furrerhugi. gehörte zu den führenden Agenturen, die von der economiesuisse mandatiert die Nein-Seite vertraten.
Zentrale Botschaften waren die Bürokratie beim Vollzug oder konkrete Nachteile für die Schweiz. Hinzu kam die Kritik an der Kampagne der BefürworterInnen. Vom aggressiven «negative campaigning» aus SVP-nahen Kreisen gegen das Volksbegehren distanzierte man sich allerdings öffentlich.
Organisiert haben soll furrerhugi. das prominente Engagement der grünliberalen Nationalrätin Isabelle Chevalley im Abstimmungskampf. Obwohl die damalige Vizepräsidentin damit gegen ihre eigene Partei antrat. Doch es passt, um einer neuen Leseweise von Entwicklungshilfe zum Durchbruch zu verhelfen.
Der Abstimmungsausgang war knapp, sehr knapp! Das weiss auch di Agentur. Man habe von Anfang damit gerechnet und gezielt auf das Ständemehr gesetzt, sagte Lorenz Furrer verschiedenen Tageszeitung. Es gab eine hauseigene Untersuchung aller Gemeinden mit ihrem Potenzial für und gegen die Vorlage. Entsprechend gestaltete man die lokale Medien- und Werbeplanung.
Es hat sich ausbezahlt: Dafür stimmten 51%, aber nur 8½ Kantone. Das reichte nicht für die Annahme.

Clé de Berne – Schlüssel zu Bundesbern
Das Engagement gegen die KVI hat der Agentur einiges an Kritik eingebracht. Insbesondere ein Video der Initiantinnen verbreitete heftige Anwürfe. Das machte die Leitung und die Mitarbeitenden schwer betroffen.
Neu ist das nicht. Maurice Thiriet, Chef beim online-Magazin «Watson» bezeichnete furrerhugi. schon mal als «Agentur fürs Grobe». Sich selber versteht man sich eher als Ring von «smart boys» (und «smart girls!»).
Dazu trägt auch das hausinterne Restaurant „Clé de Berne“ mit Clubatmosphäre bei, wie der Treffpunkt für KundInnen und solche, die es werden möchten, heisst.
Weniger gelassen reagierte ein Teil des Nein-Komitees. Es kritisierten namentlich die Verwendung von staatlichen Zuschüssen an Hilfswerke für die Kampagne. Das EDA hat das nach der Abstimmung neu geregelt.

Und weiter …
Nicht wirklich geregelt bleiben die Finanzen in Wahl- und Abstimmungskämpfen. Das hat mit der mangelnden Transparenz in der Schweiz zu tun.
Auf zu meiner Bilanz der Stadtwanderung irgendwo im Regierungsviertel!


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