berns welterbe

September 6, 2006 | Leave a Comment

jede führung mit ausländischen gästen beginnt mit einem satz. „bern ist zwar nur eine mittelgrosse europäische stadt; sie gehört aber zum UNESCO-welterbe.“ merkwürdigerweise ist das interesse hierzu bei auswärtigen teilnehmerInnen viel grösser als bei einheimischen. diese beschäftigt in der regel vielmehr die frage, ob die stadt sauber oder dreckig sei, je nachdem ob die gäste aus bern oder zürich kommen …!

das unesco-welterbe in der schweiz

zeugnisse vergangener kulturen und einzigartige naturlandschaften, deren untergang ein unersetzlicher verlust für die gesamt menschheit wäre, können seit 1972 unter den schutz der unesco gestellt werden. die aktuelle liste hierzu umfasst insgesamt 830 denkmäler in 138 ländern. davon sind 644 kultur- und 162 naturdenkmäler. weitere 24 denkmäler gehören sowohl dem kultur- als auch dem naturerbe an.


ausgewählte orte, die weltweit dem schutz der unesco unterliegen

zu den bekannten geschützten städten zählen die pyramiden ägyptens, der grand canyon des colorados, mont saint-michel vor frankreich, das heiligtum tadj mahal, die inkastadt machu picchu un die felsenstadt petra in jordanien.

die grundlage für die aufnahme in die schützenswerten stätten ist das internationale „Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt“, das die UNESCO 1972 beschlossen hat. 180 staaten haben die konvention inzwischen unterzeichnet. 1975 hat auch die schweiz das abkommen ratifiziert. seither sind sechs objekte in die unesco-liste aufgenommen worden:

1983
. die altstadt von bern,
. der stiftsbezirk von st. gallen und
. das benediktinerinnenkloster st. johann in müstair,

2000
. die burgen von bellinzona

2001
. die region jungfrau-aletsch-bietschhorn und

2003
. der monte san giorgio.

hängig ist die kandidatur des glarner hauptüberschiebung, die erdgeschichte sichtbar macht.


bern, auf dem fels in der aareschlauf, für die traditionellen berner „der sack“

kriterien für die aufnahme ins welterbe sind die „einzigartigkeit“ und „authentizität“ einer kulturstätte oder die „integrität“ eines naturdenkmals. über die aufnahme entscheidet das UNESCO-welterbe-komitee.

einmalig: der zähringische stadtplan berns

das zentrale gebiet der heutigen schweizer bundesstadt war bereits in vorgeschichtlicher zeit besiedelt. es lebten keltische bauern und römische siedler in der aarestadt brenodor, und es liessen sich hier burgundische und alemannische völkerwanderer nieder. die schützenswerte tat stammt jedoch aus dem ende des 12. jahrhunderts: 1191 gründete herzog berchtold v. von zähringen, rektor von burgund, die stadt bern. damit fand seine erschliessung des brach liegenden üchtlandes zwischen saane und aare, die zu städtegründungen in fribourg, murten, thun und burgdorf geführt hatte, ihren höhepunkt.

die mittelalterliche stadt von bern wurde durch den aareübergang in der heutigen nydegg bestimmt, der vor der korrektur der aare im 19. jajrhundert resp. dem ersten brückenbau im 13. jahrhundert die sicherste flusspassage weit und breit war. die stadt in der flussschlaufe hatte zudem von drei seiten einen natürlichen schutz. die vierte seite wurde durch einen natürlichen graben (heute aufgeschüttet) und den zytgloggenturm als wehrturm abgeschlossen.

charakteristische merkmale berns und allen anderen, neu angelegten zähringerstädte sind die breiten strassen für den markt, die einen zentralen platz ersetzen sowie die fortschrittliche wasserversorgung. das strassennetz ist streng geometrisch angelegt. die beiden hauptstrassen treffen im zentrum rechtwinklig aufeinander, und sie werden durch eine ringstrasse rund herum abgeschlossen. die felder zwischen den strassen wurden ursprünglich alle in gleich grosse parzellen von 100 x 60 berner fuss aufgeteilt.

mit ausnahme der burg in der nydegg wurde die zähringerstadt, wie damals üblich, als holzstadt gebaut. erst nach 1393 wurden die strassen gepflästert, und nach dem grossen stadtbrand von 1405 begann man auch die häuser aus stein zu bauen um die charakteristischen lauben für das gewerbe zu erweitern. das älteste gebäude aus dieser stadtbauphase, das heute noch steht, ist das berner rathaus, – in den seinen grundfesten aber immer noch der bau aus dem 15. jahrhundert. ende des 18. jahrhunderts wurde per mandat der obrigkeit der häuserbau vereinheitlicht; seither hat die altstadt ihr eigentümliches gepräge. für dieses sind auch die brunnen typisch, die fast alle im 16. jahrhundert im geist der reformation entstanden.

berns bleibende verpflichtung und aktuelle herausforderungen

die unesco bemüht sich, nicht nur das erbe zu schützen, sondern auch ein weltbewusstsein dafür zu schaffen. internationale feiern sind ein vehikel dafür, die von den nationalen unesco gesellschaften umgesetzt werden. 2008 wird in diesem rahmen schweiz- und weltweit das „jahr der kartoffel“ sein.

Quelle: ExperienceLA, http://www.flickr.com/photos/experiencela/

mit der aufnahme in die liste des welterbes wird in bern vor allem der einmalig erhaltene grundriss der stadt, insbesondere das zähringische stadtstrassennetz, geschützt. bern hat sich mit dem schutz verpflichtet, die historische bausubstanz im inneren und am ausseren der gebäude zu erforschen, zu wahren und zu pflegen. dadurch soll die altstadt von bern als bevorzugter lebensraum für anwohnende, die bevölkerung der region und besuchende aus der ganzen welt sein.


bewusstseinsarbeit in der schweiz: unesco welterbe als briefmarke resp. als buswerbung

die bewahrung des kulturerbes hat den hang zum konservativen charakter des stadtbildes noch verstärkt. dem steht seit längerem eine bevölkerung gegenüber, die sich stark gewandelt hat. die patrizier sind verschwunden, das bürgerliche leben wird seltener. die altstadt hat in der letzten generation einen erheblichen wandel von generationen, schichten und werthaltungen erlebt, der nicht folgenlos geblieben ist. das moderne, individualisierte stadtleben steht heute klar im vordergrund.

aktuell mächtig gestritten wird darüber, ob man die geschützte altstadt für das nachtleben in bern attraktiver machen soll oder nicht. das stadtparlament hat mehrfach getagt, extremstandpunkte und kompromissvorschläge sind beraten worden, und ein ende ist nicht in sicht. quer durch alle parteien gibt es konflikte zwischen befürwortern und gegnern, nicht selten zwischen älter und jüngeren menschen.

à suivre …

stadtwanderer


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