geheimverhandlungen am staatsbesuch: das treffen zwischen den bundespräsidenten heinz fischer (a) und moritz leuenberger (ch) an diesem wochenende ist nur vordergründig durch sonnenschein geprägt. im hintergrund schwelt ein konflikt, bei dem es um nicht weniger als die gemeinsame geschichte der beiden länder geht. mit blick auf die euro08 soll eine neuinterpretation erfolgen. doch jetzt drohen schwierigkeiten, die sich nicht mehr verheimlichen lassen. der stadtwanderer weiss die details.


baustelle bundeshaus – baustelle geschichte: die wahren hintergründe der neuen staatsnamen werden vom stadtwanderer analysiert (foto: standwanderer, anclickbar)

könig rudolf von habsburg altes und neues image

könig rudolf von habsburg wird im wiener dom als römischer könig verehrt. und in der lausanner kathedrale erinnert man sich seiner, denn er weihte mit dem papst die neu erbaute kirche. als herrschsüchtiger monarch ist er dagegen in der schweizer geschichte verschrien. wegen ihm hätten sich die freien bauern aus der innerschweiz erhoben. zur sicherung ihrer angestammten, aber bedrohten rechte hätten sie, am 1. august 1291, den bund der alten eidgenossen schliessen müssen. so lernt man es im geschichtsunterrigeheim gehaltene historiker-kommission am werk

die bilateral-gemischte historikerInnen-kommission, welche dieses leben portraitieren wird, ist seit längerem hinter verschlossenen türen an der arbeit. ganz im stillen hat sie, im auftrag der beiden aussenministerien, die aufgabe gefasst, mit blick auf die euro08, die geleichzeitig in österreich und in der schweiz stattfinden wird, ein versöhnliches stimmendes buch, samt cd und internetseiten herauszugeben. bereits abgemacht ist, dass österreich definitiv auf alle territorialen ansprüche in der schweiz verzichtet. umgekehrt wird sich die schweiz für das rüppelhafte benehmen bei der plünderung des reichsklosters einsiedeln 1315 beim nachbarn formell entschuldigen.

die beiden sozis im präsidentenamt, politisch mit den alten geschichten der monarchisten und bauernparteiler unbelastet, haben sich während des staatsbesuches vom stand der diplomatischen verhandlungen, der wissenschaftlichen arbeiten und der publizistischen massnahmen informieren lassen. das protokoll will es, dass davon bisher nichts nach aussen gedrungen ist.

politische verstimmung ruchbar geworden

ruchbar geworden ist gestern, dass es am ende der gespräche zu einer verstimmung in einer zentralen frage gekommen sei. warum auch immer, der literarisch bewanderte bundespräsident der schweizerInnen, der zürcher pfarrerssohn moritz leuenberger, habe sein gegenüber souverän ein wortspiel angeboten. wenn ernst jandl in der heutigen politischen landschaft „links und rechts“ problemlos verwechseln könne und daraus „rinks und lechts“ machen dürfe, ohne dass jemand „halt!“ rufe, dann solle der ausgebrochene staatsstreit analog gelöst werden. aus den nachbarn „österreich und schweiz“ resp. „autriche und suisse“ solle probehalber „österreiz und autrisse“ werden. noch während des staatsbesuches werde man das breitflächig verkünden, und wenn dann wiederum niemand „halt!“ rufe, werde die schweiz in der entscheidenden frage nachgeben. das kann man zwischenzeitlich an der aussenwand des bundeshauses nachlesen.in schon fast reformatorischer manier wird einem da die wiedervereinigung von österreich und der schweiz vorgeführt.

der stadtwanderer, der so oft das gras wachsen hört, weiss aber noch mehr. denn er hat sich gesternflux ins café fédérale (bald: café imperial) gesetzt und eine unglaubliche entdeckung gemacht. unter seinem stuhl war ein fax versteckt. dieses enthielt das protokoll der gespräche zwischen fischer und leuenberger! interessiert begann er zu lesen, und staunend hat er die schwerwiegende problematik zu kenntnis genommen, die gerade verhandelt wurde. um einen primör in der sonntagspresse nach gehabtem muster zu verhindern, macht er hier der blogger-öffentlichkeit das dokument in extenso zugänglich:

das brisante fax-dokument

„die republik österreich und die schweizerische eidgenossenschaft verpflichten sich, bis frühling 2008 unter dem motto: „fussball vereint“ eine neue biografie zu könig rudolf von habsburg herauszugeben, die einen sinneswandel gegenüber der gemeinsamen historischen persönlichkeit erreichen will. hierzu wird ein sechs-punkte-programm verabschiedet, das als guideline für die kommende öffentlichkeitsarbeit dienen soll:

1. rudolf von habsburg übernahm 1273 ein kaiserreich in desolatem zustand. realist genug, erkannte er sofort, dass es nicht um die wiederherstellung der alten verhältnisse gehen konnte. deshalb verzichtete er auch den titel eines römisch-deutschen kaisers. dafür favorisierte er zügig die entwicklung stabiler kleinstaaten am südlichen rande des reiches. österreich, schwaben und burgund sollten als herzogtümer stark gemacht werden. der einfachheit halber wird man indessen nur von österreich und der schweiz als nutzniesser der revindikation sprechen. beabsichtigt wird damit, rudolfs anerkennung im lager der autonomisten, der linken partisanen und der demokratischen bauern zu erhöhen.

2. um den stolz der schweizerInnen auf rudolf von habsburg zu wecken, wird er inskünftig konsequent als schweizer mit erfolgreichem auslandsengagement vorgestellt werden. er wird in einer linie mit peter sauber, lotti latrouse und roger federer in allen srg ssr idee suisse medien gepusht; für den nächsten swiss award wird er asl „schweizer des jahres“ nominiert. überall wird man seine brugger herkunft betonen und viel von seiner besonderen verbundenheit mit den aargauer bauern sprechen. denn auch sie waren im ausland erfolgreich. sie haben tatkräftig geholfen, den renitenten könig von böhmen, ottokar II., in dürnkurt zu besiegen. dank diesem sieg konnten die habsburger von brugg nach wien übersiedeln, und verliehen so dieser stadt imperiales gepräge. das wird man den österreicherInnen in erinnerung rufen.

3. der neuerdings österreichisch-schweizerische doppelbürger rudolf wird zudem als erfolgreicher wirtschaftsförder profiliert werden. insbesondere beim eher nationalkonservativen schweizer gewerbe will man damit punkten. strassenbauer und -unterhalter sei er zu lebzeiten gewesen, wird man bei den baumeistern unaufhörlich repetieren. städte hätte er zusammengekauft und miteinander verbunden, wird man bei den eth-architekten und -raumplanern stets von neuem wiederholen. als ersten urbaniten wird man ihn schliesslich feiern, denn dank ihm hätten handel und gewerbe mit ihren geschäften bisher nicht bekannte skalenerträge erwirtschaften können. dieses argument wird besonders auch im umfeld der fdp-nahen handelskammern und sp-gelenkten staatlichen wirtschaftsförderungsstellen zwischen aarau und freiburg seine verbreitung finden.

4. zudem will man die romand(e)s damit gewinnen, dass der bisher eher als hagerer langweiler bekannte könig neu als lustiger lebemann aufgebaut wird. selbst im hohen alter von 64 jahren habe er noch die 16jährige prinzessin von burgund, elisabeth, geehelicht. dieser bemerkenswerten tat wird man folgenden spin geben: nicht nur der einen jungen frau habe er die chance als „miss habsburg“ eröffnet, sondern auch den traditionsbewussten burgundern so die rückkehr ins germanische reich ermöglicht.

5. für das internationalistisch-pazifistisch-modernistische lager in beiden ländern will man schliesslich könig rudolf als eigentlichen friedensstifter bekannt machen. die sitten des faustrechts und der blutrache, die zu seiner zeit noch gegolten hätten und zeitgemässen vorstellungen von zivilisation widersprechen würden, seien von ihm persönlich bekämpft worden. soweit sein einfluss reichte, förderte er den königlichen landfrieden, amtete als schiedsrichter in unentscheidbaren streitfällen und trug so wesentlich zur versittlichung des rauhen bauernlebens bei.“

zwischen anpassung und widerstand: doppelgesichtige schwyzer söldner

an dieser stelle endet das protokoll abrupt. ganz offensichtlich ist man sich im 6. punkt, dem für die innerschweizer-zielgruppe, in die haare geraten. moritz leuenberger, bundespräsident aller schweizer, habe unwirsch gebremst, als er von folgender ungeheuerlichkeit erfahren habe: in alten schweizerischen militärarchiven hätte die bilateral-gemischte historikerInnen-kommission dokumente gefunden, wonach ausgerechnet die schwyzer söldner die treuesten anhänger des habsburgischen königs gewesen seien. anders als im heutigen selbstverständnis der urschweizer seien sie keine widerständler, sondern willige anpasser gewesen. als zusatz-fax-kopie liegt dem stadtwanderer folgender bericht vor:

„Im Jahre 1298 zog König Rudolf von Habsburg zu Feld wider den unbotmässigen Pfalzgrafen Otto von Burgund. Auf dieser „Reise“ begleiteten ihn 1500 Schwyzer. Als ein starkes Entstzheer heranrückte, sah sich der König genötigt, sich auf die benachbarten Höhen jenseits des Doubs zurückzuziehen. Es herrschte Mangel an Lebensmitteln, da dem Heer alle Zufuhr abgeschnitten worden war. In dieser schwierigen Lage musste das Schwert die Entscheidung bringen. Daher beriet sich der König mit den Seinigen über die bevorstehende Schlacht.
Bereits war die Nacht hereingebrochen, wirrer Lärm herrschte in beiden Lagern, als die Schwyzer als wohlgeübte Bergsteiger den Abhang herabstiegen, das Lager des im Heere der Burgunder stehenden Grafen Theobald von Pfirt überfielen und eine Anzahl seiner Leute nidermachten. Sie gewannen beträchtiche Beute und richteten grosse Verwirrung an, so dass im Tal alles in laute Bewegung geriet. Bei Tagesanbruch schickten die Welschen eine Gesandtschaft zum König und baten um Frieden.
Diesen Erfolg verdankte der König der Waffentat der Schwyzer, der ältesten, die wir in Einzelheiten in der Schweizergeschichte kennen. Wie die einheimische Ueberlieferung nachher berichtete, fügte der König den Schwyzern zum Lohn dafür das nachmalige Ehrenzeichen in ihre rotes Banner, das weisse Kreuzeszeichen im Eckquartier.“

leuenberger: modernes gottesurteil soll entscheiden

dank seinen guten beziehungen ins eda hat der stadtwanderer erfahren, dass heinz fischer am bundespräsidententreffen mit dem bisher unbekannten dokument punkten wollte. er habe nicht nur die informelle integration der schweiz in die europäische union mit einem österreichisch besetzes eu-büro in bern formalisieren bestätigt, sondern darüber hinaus auch eine erweiterung des bundesbriefarchivs in schwyz verlangt. so könne man die urkunde von rudolf für die solddienste der schwyzer direkt neben dem bundesbrief in einer permanenten sonderausstellung bekannt machen, war seine rede.

doch das führte zum eclat! moritz leuenberger habe ungemacht in svp-nahen kreisen gewittert. proteste von den versammelten schwyzer parlamentarierInnen habe er kommen sehen, die sich in den bundesrat fortpflanzen würden und von dort aus in ungeahntem masse die politik beeinflussen könnte. seine wiederwahl als bundesrat 2007 sah er dadruch gefährdet, weshalb er den genossen fischer ins väterliche gebet genommen und das gottesurteil à la jandl verlangt habe.

staatspolitik auf höchster ebene wurde also hinter den mauern des bundeshauses betrieben. die flüsterer vom dienst sind auf jeden fall bestrebt, den neugierigen stadtwanderer zu beschwichtigen: tschutten werde man so oder so gemeinsam, und das buch über rudolf von habsburg werde auf jeden fall erscheinen, allenfalls leicht gekürzt … hätten die beiden präsidenten beim staatsbesuch schon mal beschlossen!

unglaublich, die was die geschichte alles noch bringen wird …

der staunende stadtwanderer


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