6. dezember 1992

tag der ewr-entscheidung. knapp „nein“ beim volksmehr; eindeutig „nein“ beim ständemehr. tiefer röschti-graben. grosse niederlage des bundesrates. kometenhafter aufstieg der nationalkonservativen rechten; svp referendumsfähig – auns aussenpolitisches mass aller dinge.

erste hochrechnung für die srg medien. nein, die verantwortung übernehme er nicht, das sei aufgabe des bundesrates. das bleibt mir von christoph blocher, als ich im tv studio neben im stehe. sehe staatssekretär blankart, mit stoischer miene, und den desorientierten bundesrat am bildschirm.

schlafe am abend ein wenig. ein journalist aus der romandie ruft an und beschimpft mich: „du bist auch so ein toto, ihr seid alle verrückt!“ das trifft den romand in mir hart. schlafe nur noch wenig in dieser nacht; bin stark aufgewühlt.

verarbeite das abstimmungsergebnis. konzentration auf innenpolitik, weg von der geplanten europapolitik. beruflich ist mein autonomer nachvollzug ein erfolg.

auch die svp hat erfolg, wachstumsraten wie niemand sonst; europapolitisch sieht sie aber zwischenzeitlich nur die rote karte.


heute sitzungszimmer im volkswirtschaftsdepartement, früher headquarter der staatssekretär mit europa-mission

6. dezember 2006

niemand erinnert sich an die damalige ewr-entscheidung; verschüttet, vergessen, verdrängt.

selber bin ich zu einer besprechung im bundeshaus ost. die neue volkswirtschaftsministerin doris leuthard ruft. werde vom weibel ins sitzungszimmer begleitet, – ins umgebautes büro der frühreren staatssekretäre. hier also sass franz blankhart, als er es vor 14 jahren erfuhr.

erinnerungen werden wach. was ist aus der schweiz geworden? was aus dir?

glaube nicht mehr an den eigenständigen eu-beitritt der schweiz; und katastrophenszenarien als hebel hierzu sind nicht mein ding. war anfänglich gegen die bilaterale. autonomer nachvollzug erschien mir unwürdig. habe das heute für die schweiz akzeptiert, – und komme mir heute manchmal wie der letzte befürworter vor.

weihnachtsgrüsse und büchergutschein, man wisse es, ich lese gerne!

ja, und ich erwandere ich seit drei jahren die stadt. seit christoph blocher bundesrat ist und die verantwortung doch mitträgt.

habe in dieser zeit viele tolle, neue bekanntschaften gemacht, mit aus- und inländischen freunden, interessierten und professionellen. führe sie gerne durch bern und die romandie, die seit jeher europäischer sind oder sich geöffnet haben.

halte selbst als stadtwanderer stets positive vorträge zur direkten demokratie. und blogge gerne dazu: meist treffe man die richtigen entscheidungen. viele meinungen zu einer frage können sich nicht irren, schrieb ich jüngst.

auch der stadtwanderer hat den autonomen nachvollzug nachvollzogen. „du bist gerade dadurch unpolitischer geworden“, sagt mein umfeld.

„ich weiss“, antworte ich, denn mit meinen gefühlen zum 6. dezember 1992 bin ich immer noch nicht im reinen! soweit ist der

stadtwanderer


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