wer in vinelz oder in dessen umgebung am bielersee aufgewachsen ist, weiss höchstwahrscheinlich um die hasenburg. von einem keltischen fürstensitz zwischen dem heutigen vinelz und ins ist dann die rede. dieser, heute verlassene burghügel im wald erlebte im hochmittelalter einen zweiten höhepunkt. fenis hiess der ort damals, und er war das zentrum eines rasch aufstrebenden lokalen adelsgeschlechts, dass es bis an die seite des kaisers brachte und im 12. jahrhundert die eigentlichen gegenspieler der zähringer herzöge waren.


fenis – der verlassene burgsitz – findet sich nicht einmal mehr auf den karte von vinelz (quelle: wikipedia, anclickbar)

zerfall der königsmacht, aufstieg des kaisertums im seeland

im 9. jahrhundert zerfiel die fränkische kaiserherrschaft über westeuropa schritt für schritt. neue familien breiteten sich überall aus, um sich auf die machtübernahme im untergehenden karolingerreich vorzubereiten.

zu diesem hochmittelalterlichen adel zählen die welfen, die ursprünglich im heutigen bayern begütert waren. eine seitenlinie der welfen wurde damals herzog in auxerre, einem burgundischen zentrum, dessen herrschaftliche ausläufer bis ins ebenfalls burgundische seeland reichten. vier burgundische könige entstammten dieser nebenlinie (rudolf I., II., conrad und rudolf III.), die zwischen 888 und 1032 das alte burgunderreich aus den völkerwanderungszeiten auferstehen liessen, bis es als unselbständiges königreich definitiv im kaiserreich aufging. das allerdings verlief nicht reibungslos, und so entstand ein lokaler adel der entweder auf die burgundische oder auf die schwäbische seite hielt.

der krieg um das königreich burgund, der nach dem tod des letzten burgundischen königs rudolf III. ausbrach, dauerte offiziell nur kurz; er begann 1032 und endete nach einem strengen winter 1033 mit der machtübernahme durch kaiser conrad II., der sich in payerne die burgundische königskrone aufsetzen liess. gekämpft hatte der kaiser vor allem gegen oddo (eudes), graf von champagnien, der sich, mit dem letzten burgunder könig verwandt, als legitimer erbe des burgundischen königreiches sah. der kaiser wiederum berief sich auf einen erbschaftsvertrag seines vorgängers, der diesen als nachfolger von rudolf III. bestimmt hatte.


dynastie der salischen (fränkischen) kaiser (conrad II, heinrich III, IV resp. V) die im 11. und frühen 12. jahrhunder das römische reich vor allem nördlich der alpen beherrschten

faktisch setzte sich kaiser conrad II. durch, indem er die burgundischen grafen nach konstanz zitierte, und sich dort huldigen liess. oddo akzeptierte nun die vorherrschaft des saliers, liess sich aber als statthalter über die von ihm zerstörten gebiete im seeland einsetzen; dort organisierte er die unter den kriegsfolgen leidende, vor allem hungernde bevölkerung und wagte 1037 nochmals einen aufstand gegen den kaiser. dieser ende für den statthalten indessen auf der verfolgungsjagd in lothringen tödlich.

kaiser conrad II. versammelte 1038 die burgundischen grafen in solothurn, um die herrschaftsrechte neu zu ordnen. an diesem hoftag liess er seinen sohn, den designierten deutschen könig, den herzog von bayern und schwaben, heinrich III., zum neuen burgundischen könig krönen. doch heinrich wurde nur ein jahr später regierender deutscher könig und setzte den bischof von besançon als kanzler über burgund ein.

bereits 1056 verstarb der zwischenzeitlich zum kaiser aufgestiegene, aber noch heinrich III, und es sollten unsichere zeiten ausbrechen; sein ältester sohn, heinrich, war noch ein kind, für das die mutter, agnèse de poitous, die regentschaft übernahm. die kanzlei über burgund, das sie nicht selber verwalten wollte, vermachte sie dem grafen rudolf von rheinfelden.


situation im königreich (hoch)burgund und herzogtum schwaben während des nachfolgekrieges 1032-1038, um die erbschaft der ausgestorbenen burgundischen könige (quelle: wikipedia)

die grafen von fenis als spätburgundisches adelsgeschlecht


lokal waren die seignieurs oder freiherren in der grenzlage zwischen schwaben und burgund von bedeutung. diese waren nicht mehr, wie in zeiten des burgundischen königreiches in bargen (siehe karte oben mit dem bargengau als grenzland) zu hause, dafür aber im benachbarten oltigen oder eben in fenis. auf diese geschlechter stützten sich die könige und ihre kanzler mir vorliebe, sodass sie zu ansehnlichen grafen mit eigenem grundbesitz und herrschaftsrechten avancierten.

spätestens im 11. jahrhundert wurde die hasenburg, der alte keltische fürstensitz, vom grafen ulrich von fenis wieder eingenommen und als herrschaftszentrum ausgebaut, von dem aus man praktisch über die strasse entlang des juras bewachen konnten.

der berühmteste vertreter aus dem feniser grafengeschlecht war burkard, sohn des ulrichs, um 1040 geboren und 1107 verstorben. er durchlief eine vorzügliche karriere in der römisch-katholischen kirche, wurde in eichstätt ausgebildet, war zunächst kämmerer am erzbischöflichen sitz in mainz, und wurde schliesslich 1072 bischof von basel. er war ganz in die reichskirche eingebettet, welche die herrschaft des kaisers vor die des papstes setzte.

fenis und der investiturstreit

1076 nahm der basler bischof burkard von fenis an der synode von worms teil, wo der streit zwischen dem jungen deutschen könig heinrich IV. und papst gregor VII. ausbrach. gestritten wurde darüber, wer die bischöfe einsetzen dürfe. burkard stand ganz auf der seite des königs und votierte für die weltlich oberherrschaft über die bistümer. das papstamt von gregor lehnte er wie der könig wegen eines formfehler bei wahl für ungültig ab.

darob entstand der in den geschichtsbüchern (unter auslassung der bedeutung von fenis!)gut bekannte investiturstreit, indem der papst die suprematie über alle geistlichen würdenträger für sich reklamierte, und sich gar über das vakante kaisertum stellte. wer in worms gegen ihn gestimmt hatte, wurde kurzerhand mit dem bann belegt, was nun auch burkhard von fenis, den basler bischof betraf.


könig heinrich IV. und sein gefolge – unter anderem basler bischof burkhard von fenis – bitte in canossa den papst um lösung vom kirchenbann

könig heinrich konnte sich aus der misslichen lage nur befreien, indem er sich beim papst selber vorsprach, und um vergebung bat. dieser war bereits auf dem weg nach norden, denn die herzöge von schwaben, bayern und kärtnen waren von ihrem könig abgefallen und hatten sich papst gregors herrschaft angeschlossen. die alpen als herrschaftsgrenze wankten!

doch machte der papst des kalten winters wegens in der toscana zwischenhalt. in canossa suchte ihn der gebannte könig heinrich mit bischof burkhard im gefolge auf, um noch rechtzeitig vom bann befreit zu werden.

die kampf zwischen rheinfelden und basel

rudolf von rheinfelden, abtrünniger herzog von schwaben, wurde dennoch und mit duldung des papstes nördlich der alpen zum deutschen gegenkönig gekrönt und führte zwischen 1077 und 1080 krieg gegen den rechtmässigen könig heinrich IV. in diesem krieg eroberte er die herrschaftsrechte rechts der aare und integrierte diese gebiete – seit den zeiten von könig rudolf II. burgundisch – ins schwäbische herzogtum.


rudolf von rheinfelden, deutscher gegenkönig 1077-1080 nahm die burgundischen gebiete rechts der aare in seinen besitz; nach seinem tod wurde er von den zähringern beerbt

das rief zu gegenmassnahmen. um eine ausdehnung des rheinfelder gegenkönigs nach basel zu verhindern, liess burkhard die stadt erstmals mit einer stadtmauer befestigen. könig heinrich förderte seinen getreuen bischof nach mass: er bedankte sich bei burkhard von fenis, bischof von basel, und vermachte nach dem schlachten tod von rudolf von rheinfelden dem basler bischof 1080 die grafschaft härkingen; so versuchte er, die ausdehnung der rheinfelder und ihrer erben über den jura in den alten aargau zu stoppen.

1084 ging es mit dem basler bischof noch steiler nach oben. nachdem burkard heinrich nach rom begleitet hatte, nachdem er dem könig beim sturz des verhassten papst gregor vii behilflich gewesen war, und nachdem heinrich durch einen ihm güpnstig gesinnten gegenpapst zum neuen kaiser gekrönt worden war, erhielt der basler bischof weitere herrschaftssitze im elsass und ländereien in schwaben.

nun bedankte sich burkhard für seine unterstützung und gründete in basel das kloster st. alban, das er den mönchen von cluny übergab, die bei der restituierung der königlich-kaiserlichen machte nach dem streit mit dem papst die fäden gezogen hatten.

erlach als neuer stammsitz

noch vor seinem tod liess bischof burkard den stammsitz seines geschlechts in fenis erneuern. sein herrschaftliches schloss sollte jedoch nicht mehr dort stehen, wo einst der keltischen fürstensitz war und wo sein vater ulrich von fenis noch gewohnt hatte. vielmehr entstand jetzt auf dem ausläufer des jolimont die burg erlach, der vorläuferbau des schlosses. beide burgen, jene von vinelz und jene von erlach, wurden 1117 in einem erdbeben in mitleidenschaft gezogen; danach führten die herren von fenis nur noch ihren sitz in erlach weiter, nicht mehr aber in vinelz. und seither ist der burghügel unbewohnt, und wald, gebüsch und gras wächst über ihn.


schloss erlach heute, von burkhard von fenis und seinem bruder, cuno von fenis, bischof in lausanne, begründet, in seinem heutigen zustand am gleichen ort, hoch über dem bielersee

übrigens: erlach hiess damals noch gar nicht so, sondern cerlier. das war der burgundische name, genauso wie auch fenis burgundischen ursprungs ist, oder was davon im 11. jahrhundert als frankoprovenzialische sprache noch übrig geblieben war.

was fenis genau heisst, weiss man nicht. man bringt es aber immer wieder mit stroh in verbindung. wenn man heute auf dem verlassenen schlusshubel steht, sieht man im wiederum solch getrocknetes gras.

ps:
papst und kaiser einigten sich 1122 in worms mit einem kompromiss in der investiturfrage. das deutsche königreich verselbständigte sich dabei innerhalb des kaiserreichs zusehends, doch der könig behielt die oberherrschaft über die reichskirche. sie sollte von den staufer-kaisern wieder beansprucht werden, während im ehemaligen burgundischen königreich wieder der papst die führung über die kirche übernahm.

die grafen von fenis konnten in der folge weder in basel noch in lausanne das bischofsamt erringen, stiegen aber zwischen neuenburg und nidau, aarberg und valangin zum führenden weltlichen herrschergeschlecht auf.

das rheinfelder erbe wiederum ging nach dem kinderlosen tod von gegenkönig rudolf an die verwandten zähringer, die wegen ihrer papsttreuen haltung von den staufern als herzöge in schwaben verdrängt worden waren. sie dehnten ihren herrschaftsbereich durch kloster- und stadtgründungen sukkzessive von herzogenbuchsee über burgdorf, bern bis murten und freiburg aus und wurden so im 12. jahrhundert zu den mächtigen gegenspielern der grafen von fenis.

stadtwanderer


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