er ruht in bern. während seinem leben war er alles anderes als ruhig. er war ein philosoph, ein sozialrevolutionär, politisch ein anarchist. deswegen wurde er zu tod verurteilt, war in ganz europa steckbrieflich gesucht, und lebte am ende seines lebens resigniert in unserer stadt. aus anlass der revolutionären woche habe ich ihn an seinem grab besucht.


berner bremgartenfriedhof, an dem ich jeden tag zur arbeit fahre, wo unter anderem michail bakunin seit 1876 begraben liegt

der russe michail bakunin

michail alexandrowitsch bakunin (russisch Михаил Александрович Бакунин) wurde am 30. mai 1814 im russischen prjamuchino geboren. am 1. juli 1876 verstarb er 62jährig in bern.

der anfang seiner karriere war klassisch für seine herkunft. seine familie gehörte zu, einfachen landadel, und er wurde nach st. petersburg geschickt, um offizier der russischen armee zu werden. doch dann verzichtete er auf eine militärische karriere, um zuerst in moskau, später in berlin philosophie zu studieren. in der preussischen hauptstadt schloss er sich den jungehegelianern an, wurde materialist und entwickelte zahlreich ideen für die revolutionierung der gesellschaft.

der revolutionär

besonders das 1815 auf dem wiener kongress zwischen russland, österreich und preussen aufgeteilte polen zog bakunins frühes interesse an. zu diesem zweck traf er sich 1847 in paris mit karl marx. 1848 beteiligte er sich an der februar-revolution in paris, und von da an wirkte er als berufsrevolutionär in halb europa

1849 veröffentlichte bakunin zum aufstand in böhmen gegen österreich seinen „appell an die slawen“, mit dem er ausdrücklich auf die verbindung der nationalen mit der sozialen frage verwies. danach ging er direkt nach dresden, um an der revolutionären durchsetzung einer sächsischen republik gegen preussen mitzuwirken. doch in chemnitz wurde er verhaftet, zum tode verurteilt, aber nach österreich abgeschoben. da wurde seine verurteilung zunächst bestätigt, dann in eine lebenslange kerkerhaft umgewandelt. bakunin wurde nach nach russland abgeschoben.

in der sibirischen deportation lernte bakinin 1857 sein spätere frau antonia kennen. vier jahre danach schrieb er an seinen freunde sybillinisch: „L’Amour m’a sauvé!“. Das konnte man auf zwei arten übersetzen: dass ihn die liebe zu seiner frau gerettet habe; gerade wegen dem grosse „A“ aber auch: dass er über den fluss „amur“ fliehen konnte und so der gefangenschaft entrinnen konnte.

der anarchist

in europa schloss sich bakunin wiederum revolutionären kräften an. in italien gründete er 1864 die „fraternité internationale“ und verfasst in neapel den „revolutionären katechismus“ mit dem er seinen sozialrevolutionären ideen eines kollektivistischen anarchismus‘ eine feste form gab. 1867 ging der steckbrieflich gesuchte in die schweiz nach genf, um weitere revolutionäre zirkel zu inspirieren und seiner bewegung neue strukturen zu verleihen.

mit seinen getreuen schloss sich bakunin 1868 der internationalen arbeiterassoziation, besser als „erste internationale“ bekannt, an. nur zwei jahre später überwarf er sich aber mit karl marx. anders als dieser wollte bakunin den staat und die gesellschaftlichen strukturen nicht übernehmen, um sie zu ändern. vielmehr vertrat er die auffassung, diese würden einen nur korrumpiere und zu neuer sklaverei führen. nachdem in marx in london, wo er nicht hinreisen durfte, versetzt hatte, verliess er 1872 dessen internationale richtung jura, um die anti-autoritäre internationale, die gegen den marxistischen kommunismus gerichtete war, zu gründen.

der lebensabend in bern

die aussichten, die von bakunin erhoffte revolution zu entfachen, schwanden jedoch nach dem deutschen sieg über frankreich. der revolutionär zog deshalb zuerst ins sonnige tessin, dann ins sandsteinerne bern, wo er nach und nach resignierte. auf seinem grab im berner bremgartenfriedhof kann man jedoch immer noch lesen: „rappelez-vous de celui qui sacrifia tout pour la liberté de son pays.“

die schlüsselfigur des europäischen anarchismus‘ im 19. jahrhundert, die für die abschaffung der ehe, des erbens und des privateigentums immer weiter kämpfte, fand nach seinen schweren krankheiten am lebensende hier seine ruhe. der atheist liegt noch immer im christlichen teil des berner bremgartenfriedhofs begraben.

stadtwanderer


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