kaum fertig erobert, machte sich kaiser karl I. gedanken, wie er sein reich unter seinen söhnen aufteilen sollte. er folgte dabei unverändert dem fränkischen erbrecht, das die beteiligung aller legitimer männlicher nachfahren vorsah.

806 legte karl sein erstes testament für das reich fest: sohn ludwig sollte den nördlichen teil erhalten; sohn pippin sollte italien erhalten, wo er im namen karls schon regierte, und sohn karl sollte im widerspenstigen acquitanien und septimanien regieren. doch der teilungsplan ging nicht auf. zwei seiner söhne starben noch vor karl. nur ludwig überlebte den vater, 811 musste man das testament neu machen: es erbte sohn ludwig sein ganzes reich. der vater selber erhob den sohn noch zulebzeiten zum mitkaiser.

ludwig I. regierte nach dem tode karls als fränkischer kaiser vorerst ohne die päpstliche salbung. diese erhielt er erst später. seine herrschaft blieb jedoch schwach, mehr als für die politik interessierte er sich für die religion, was ihm den beinamen „der fromme“ eintrug. bereits drei jahre nach dem tod karls musste er seinerseits sein politische testament machen. wiederum folgte man der lex salica:

sohn lothar sollte das eigentliche erbe antreten und neuer kaiser werden, während nach des kaisers wunsch sohn ludwig unterkönig in bayern und sohn pippin gleiches in acquitanien werden würde.

indess, auch dieser plan wurde nicht realisiert, denn des kaisers frau starb frühzeitig, und ludwig heiratete erneut. die auserwählte judith, aus dem aufstrebenden hause der welfen, schenkte dem kaiser einen weiteren sohn, karl geheissen, was den kaiser von unlösbare problemestellte: sollte der vierte sohn vom vater übergangen, oder sollte das testament neu geschrieben werden? – ludwig entschied sich für letzteres, kreiierte auf anraten seiner frau aus alemannien, dem elsass und churrätien ein neues herzogtum, das er, an die germanischen sueben erinnernd, schwaben nannte und das an den kleinen karl gehen sollte.

doch auch das erfüllte sich nicht, denn sohn pippin starb vorzeitig, und sohn karl wurde jetzt als erbe in acquitanien eingesetzt. karl und ludwig hatten mit der erschaffung von schwaben jedoch gemerkt, dass noch mehr im spiel sein könnte: sie verbündeten sich untereinander, um ihre abfindungen an den reichsrändern zu erweitern. dafür setzten sie schon mal den kaiser, ihren eigenen vater, in einem staatsstreich ab! und sie setzten ihn nur wieder ein, weil sie sich über die alternative reichsteilung nicht einigen konnten.

beim tod des vaters setzten die selbstbewussten ludwig und karl den (halb)bruder lothar unter druck. 841 erzwangen sie mit der fürchterlichen adelsschlacht von fontenoy bei auxerre ein gottesurteil, das schliesslich zu ihren gunsten ausging.

lothar wurde zwar, wie von seinem vater bestimmt, neuer kaiser und behielt auch das reich. doch war dieses auf die täler der mosel, der rhone und des pos geschrumpft. erstarkt waren dafür die reiche der beiden (halb)brüder: ludwig der germane, regierte das frankenreich rechts des rheins und der aare, während karl, später der kahle genannt, die westfränkischen gebiete im tal der seine, der loire und der garonne beherrschte.

nutzniesser dieser reichsteilung war im übrigen auch der kirchenstaat des papstes, der die theokratisch umklammerung, die karl gefördert hatte, auflösen und innerhalb des kaiserreiches wieder selbsständig wurde resp. die umliegenden gebiete in sein herrschaftssystem einzubeziehen begann.

doch es geschah, was man kaum glauben kann: die reichsteilungen unter den nachfahren karls des grossen waren damit nicht zu ende; das ganze reich wurde vom aufstrebenden adel weiter aufgeteilt.

als kaiser lothar I. 855 starb, zerfiel das mittelreich in drei weitere königreiche: italien, lothringen und burgund entstanden. die kaiserkrone ging nach italien. das frankreich war kein besonderes mehr, denn seit der trennung von verdun war man je eigene wege gegangen.

das burgundische königreich entstand nie richtig, denn der designierte könig, karl, sohn von lothar I. war minderjährig und litt, wie soviele karolinger an erbkrankheiten. er verstarb schon 863. 870 verstarb auch der könig von lothringen, und sein reich wurde weiter geteilt. die mhereren teile gingen an ludwig den germanen, die minderen an karl den kahlen. eroberungsversuche von karl dem kahlen gegen seinen früheren verbündeten scheiterten: 880 kam lothringen per vertrag ganz zum ostfränkischen reich.

das rumpf-kaiserreich in italien zerfiel genauso, setzten sich doch überall kleine königreiche oder herzogtümer durch mit lokalgrössen durch: es entstanden die lombardei, ventien, die toskana und spoleto rund um den kirchenstaat.

im unteren rhonetal interessierte das aber nicht; da erinnerte man sich der provenzialischen vergangenheit. 879 erhob sich boso, graf von vienne, zum könig der provenc. sein bruder, richard, machte sich in autun zum herzog von burgund und reihte sich als vasall hinter den westfränkischen königs ein.

nun blieb nur noch das hinterland burgunds, im oberen rhonetal: hier erhob sich 864 der welfe rudolf gegen den laienabt im kloster st. maurice d’agaume; er übernahm seinen posten und kontrollierte so den weg über den grossen st. bernhard nach italien. im jahre 888 machte er sich auf dieser basis zum neuen hochburgundischen könig.

letzter legitimer nachfahre von karl dem grossen war zu dieser zeit karl III., sohn von ludwig dem germanen gewesen. er war zuerst könig von alemannien; am liebsten lebte er in den fränkischen klöstern in zürich und st. gallen. doch dann wurde er per erbgang könig von italien und stieg gar zum kaiser auf. eher per zufall starben all seine verwandeten in ost und west vor ihm. für kurze zeit herrschte er formell als letzter über das frankenreich, wie es seit karls zeiten bestanden hatte.

doch karl III. hatte keine machtmittel mehr. unfähig, auf die normanneneinfälle von norden her zu regieren, fiel der ostfränkische adel 887 vom kaiser ab; kurz darauf verstarb er. zum neuen machthaber machte sich arnuld von kärnten, ein unehelicher nachfahre karls des grossen, aber ein kämpfer gegen die normannen.

das fränkische reich, bis zuletzt die nachfolge des weströmischen reichs der antike, hatte 888 mit arnulfs kampfansage aufgehört zu existieren. überall regierten nur noch illegitime nachfahren karls, oder adelige, ursurpatoren, die sich gegen die karolinger erhoben hatten.

stadtwanderer


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