die these

burgundische königreiche, so lehrt die geschichte, entstehen auf den trümmern von kaiserreichen. und sie verschwinden wieder, wenn imperien entstehen.

burgundia

gundobad begründete nach dem untergang des weströmischen kaiserreich am ende des 5. jahrhunderts das erste burgundische königreich, burgundia genannt. man war nachbarn der franken. mit der ersten fränkischen expansion wurde das erste burgundische königreich im 6. jahrhundert aufgelöst.

untergehen sollte die burgundia indessen nicht. sie blieb das neue vaterland der burgunder, die gewandert waren und sich niedergelassen hatten. herrschaftlich war die burgundia zwar aufgeteilt in verschiedene diözesen mit katholischen bischöfen, resp. in zahlreiche gaue mit merowingischen resp. karolingischen beamten. 855 tauchte die burgundia indessen fast unverändert wieder auf, als das fränkische reich fast ganz zerfallen war. die neugründung gelang nur deshalb nicht, weil der vorgehene könig krank war und schon als jünglich vestarb.

bourgogne

wenn damit die kaiserliche gewalt in der zweiten hälfte des 9. jahrhunderts versiegte, heisst das nicht, dass die burgundergründe auch verschwanden!

den letzten fränkischen teilungsvertag, jenen von 880, unterlaufend, begründete der ins rhonetal eingewanderte adelsgeschlecht der bosoniden das burgunderreich von neuem. boso selber machte sich zum neuen könig der provence, und sein bruder wurde herzog in der bourgogne, das zum westfränkischen reich hielt. das (untere) rhone- und saonetal waren damit herrschaftlich neu besetzt. doch im oberen rhonetal fehlte ein ebenbürtiger herrscher noch. dieser kam aus dem geschlecht der welfen, mit den karolingern verwandt, von der katholischen kirche unterstützt und vom ostfränkischen machthaber vorerst akzeptiert: rudolf I., eigentlich laienabt von st. maurice, wurde von den bischöfen von genf,lausanne und sion, zum begründer des hochburgundischen königreichs von 888 erhoben.

nun hatte man zwar keine burgundia wie um 500 mehr, aber eine region, aufgeteilt in drei adelsherrschaften:

. das niederburgundisch königreich der provenzialen von arles mit klar kaiserlicher ausrichtung,
. das hochburgundische königreich der äbte von st. maurice mit lokaler ausrichtung, aber die st. bernhardlinie kontrollierend, und
. das herzögliche burgund rund um autun, das zum westfrankenreich hielt.

alle drei beriefen sich ausdrücklich auf ihre burgundischen wuzreln.

burgunds burgund und mein burgund

bis heute hat sich der name „burgund“ resp. „bourgogne“ im herzöglichen teil erhalten, während man sich im nieder- und hochburgundischen teil kaum mehr der burgundia erinnert. ausser mir, und den virutellen burgundern. das war ja mit dieser serie anhand der fanken zu beweisen.

stadtwanderer

doch halt:
auch karl der kühne, der in realität einen ebenso tollen versuch unternahm, die burgundische krone wieder aufleben zu lassen, wie ich heute, kann das zusammenspiel zwischen burgundergrund und kaiserreich. als das habsburgerreich im 15. hundert in der krise war, griff er selber nach der kaiserkrone, und scheiterte. frankreich und das reich entstanden danach als flächenstaaten, und verdrängten burgund zunehmend von der landkarte.

mehr dazu an einem anderen verregneten sonntag!


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