ich bin selten um ein wort verlegen, ich weiss. und wenn, dann helf ich mir! – ein crashkurs in linguistik für stadtwanderer, 1. teil.

ohne worte

jüngst hatte ich nach dem wandern ein blackout. ich suchte ein wort, und es kam mir einfach nicht in den sinn.

ich wollte … äähmm, äächhh das dingsbum, eeeh, ja, das …, mmmh, eben beschreiben wollte ich es. es ist am boden, ja, man geht so achtlos beim wandern in der stadt darüber hinweg. ihr wisst ja, die – ääch – ???!!!??? – die deckel, die die kanalisation davor schützen, dass man wortlos in sie hinein fällt.

das war es, was ich suchte. aber das mit dem namen, das wollte einfach nicht klappen! da ich unbedingt auf flickr eine group eröffnen wollte, die bilder von diesen dingern zeigen sollte, musste ich ihn aber finden. sonst würde es keine debatte geben! wie nur, sollten andere etwas besprechen und bebildern, wenn sie nicht einmal wissen, worum es gehen soll?

es war hart —

auf ein wort

ich fasste mir ein herz, und ich erfand, was ich nicht finden konnte:


aus der flickr group „dollendeckel überall (fotos von stadtwanderer, litscher und apropos, anclikcbar)

„dolledeckel“, hochdeutsch „dollendeckel“, wagte ich schon mal.

ich wusste sofort, dass das wort nicht stimmte, – jedenfall gehobenen ansprüchen nicht reichte. aber ich konnte einfach nicht besser! und als ich die group mit meiner unmöglichen wortgeburt getauft hatte, fiel es mir schlagartig ein: „schachtdeckel“!

genau, das war es, was ich gesucht hatte!

auf google wurde es rasch getestet, und die anfrage ergab umgehend, dass gewünschtes bild mit gesuchten begriff übereinstimmten. bingo!

nun konnte ich jedoch den namen der group nicht mehr ändern. festgesetzt hatte er sich zwischenzeitlich: ein kopfgeburt, die sich in die virtuelle ewigkeit verabschiedet hatte.

also war ein wort geworden.

wörter werden

nach einigen tagen entdeckte ich, das meine wortfindung auf flickr zu lustigen wortspielen anlass gegeben hatte. ausgangspunkt war ein bild von
– schok –, das ich mit dem kommentar versah:

„toll, dieser doll…!“

es war eine schüchterne anspielung auf mein jüngstes wortversagen. und es hatte folgen.

den – schok – antwortete melodisch:

„die tollen, die ollen dollen“

und das habakuk doppelte gleich mit einem gedicht nach:

<>

da wollte sich litscher nicht lumpen lassen:

„Schönes Bärenexemplar“,

formulierte er ziemlich unpassend dazwischen, sodass – schok – den faden wieder aufnehmen musste:

„die ollen dollen sollen rollen + tollen in den vollen stollen!“

_bubu_ – für seine eigene sprache bekannt – konterte, wenig erhellend: „vonRoll ….so quasi :-)“

nee, gab da das habakuk zurück:

„vollDoll :::-)“

„toll, die doll …“ sag ich da!

wörter lehre

ferdinand de saussure, der genfer philosoph, und seine nachfolgerInnen unter den liguistInnen lehrten, das zeichen stellvertreter für dinge und ideen sind, die man als das erkennen kann.


zeichen (unten rechts) bezeichnen (oben) bezeichnetes (unten links). hat man kein konzept, sind zeichen uneindeutig. hat man für ein konzept kein zeichen, bleibt ein handelnder (mitte) ohne worte …

mit zeichen bezeichnet man bezeichnetes, ohne das das bezeichnende das bezeichnete selber ist. das wort „hund“ ist selber kein hund. es lässt uns aber über hunde sprechen, und zwar so, dass wir wissen, wovon wir sprechen. und das alles, ohne auf den hund zu kommen.

ich finde, dollendeckel ist gar kein schlechter versuch. es hat zum wortspielen angeregt. wohl weil es nicht perfekt ist. doch gerade durch das spiel, ist es klarer geworden, was ich meinte.

dollendeckel ist also eine bezeichnung, die bezeichnetes bezeichnend bezeichnet, – hinreichend. damit ist ein wort geworden. ich sagte ja, ich bin selten um ein wort verlegen.

wandstadterer

wörter wandern (teil 2 der serie „linguistik für stadtwanderer“)


Comments

9 Comments so far

  1. litscher on April 17, 2007 13:19

    Haha. Danke für die Aufklärung. In meinem persönlichen flickr Set für \"Deckel für Mannlöcher\" hat es noch mehr Bezeichnungen.

  2. Litscher on April 17, 2007 13:24

    Apropos: (ich meine jetzt damit nicht unbedingt dich, apropos, sondern das Synonym für \"übrigens\") Auch Google ist sich nicht ganz klar, ob es dollendeckel oder dolendeckel heisst.

  3. stadtwanderer on April 17, 2007 17:14

    merci, litscher, da bin ich offenbar auf eine weiches wortfeld gestossen.
    dollen, dolen, dôle, dole, das alles ist ganz bedeutungsreich. ich werden also weiter hirnen, an meiner semiotikserie: dôledeckel wär ganz was schönes!

  4. apropos on April 18, 2007 10:15

    Total spannender Beitrag!
    Apropos: ich empfand „Dolendeckel“ immer als den absolut richtig ausgedrückten Begriff – hhhmmm dieser Deckel bedeckt einen Schacht/Abzugsgraben/Erdröhre (Dole) und nicht eine Ruderhalterung (Dolle)

  5. stadtwanderer on April 18, 2007 10:19

    das wird ja immer bunter. dolle kannte ich nun gar nicht! nur Dollé Dave, ein ehemaliger schweizer leichtathlet …

  6. Rinaa on April 18, 2007 16:59

    🙂 ja gell, so farbig durchmischt darf es doch sein?

  7. stadtwanderer on April 18, 2007 21:51

    klaro, ich habe freude, wie aus meinem fehlgriff eine ganz nette geschichte mit unerwarteten wendungen wird!!!+

  8. berna on April 20, 2007 07:29

    \"sänklochdechu\" (senklochdekcel) wäre im berndeutschen jedenfalls treffender!

  9. habakuk on November 21, 2007 11:10

    heheheeee – ich kann mich ganz doll erinnern!

    e gruess vom haba

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