der dijoner

April 27, 2007 | Leave a Comment

waren sie schon mal in dijon? – sind sie zu fuss dorthin gegangen? – nicht?!

dann sollten sie das mal tun, um zu verstehen, was fast 7000 berner im sommer 1513 in die zentrale burgunds trieb!

ein report über den dijoner, wie man den eidgenössischen feldzug dorthin nannte!


europa um 1500: burgund war von der landkarte verschwunden, frankreich drängte nach westen und süden und lang mit dem heiligen römischen reich in einem 65 jahre dauernd krieg, der die eidgenossenschaft zum autonomen und expandierenden gebiete des reiches werden liess.

die junge, autonome eidgenossenschaft

1499 erkämpfte sich die eidgenossenschaft im schwabenkrieg einen autonomen status im heiligen römischen reich. man gehörte zwar immer noch dazu, musste aber die reformen, die maximilian I. vor hatten, nicht mitmachen. was hatte auswirkungen auf die repräsentation, die steuern und die justiz.

doch man war schlecht gerüstet, sich selber regieren zu können. alte seilschaften zwischen orten in ost und west wirkten nach. gegensätze zwischen stadt und land öffneten sich. und auch zwischen berg- und flachgebieten stimmte die chemie nicht.

wenn es darum ging, im mitteland zwischen jura und alpen, genfer und bodensee die vorherrschaft inne zu haben oder zu erlangen, war man sich noch einig. doch schon bei den ennetbirgischen eroberungen, wie man das engagement der eidg. söldner in der lombardei nannte, gingen die intessen auseinander. es zogen die urnen, und ihrem elan machte vor allen die innerschweiz mit. bern interessiert sich aber wenig hierfür. sein ziel war die erweiterung im westen. über den jura hinweg, rein in die freigrafschaft, vorwärts ins burgundische war die devise seit den burgunderkriegen.

krasser hätte man die gegensätze nicht haben können. am tag, als die schlacht von novara mit eidgenössischer beteiligung abhob, beantragt die berner vertreter der tagsatzung, mag möge einen feldzug gen westen eröffnen. selbst einen gefährlichen zweifrontenkrieg nahm man in kauf, wenn es darum ging, die wachsenden, aber divergenten expansionsgelüste vorzutragen.


dijon im 16. jahrhundert mit schloss und festungen

der feldzug nach dijon

die heftigen reaktionen nach dem sieg in novara, die vor allem bern wegen der franzosenfreundlichen minderheit um wilhelm von diesbach traf, schwächten den plan der bern vorerst. im juli 1513 bereinigte man die situation mit den aufständischen untertanen, sodass man am 1. august der tagsatzung erneut den kriegsplan vorlegte.

16’000 man bot die eidgenossenschaft auf, um burgund zu erobern. der kaiser, maximilian I.. versprach militärische und finanzielle unterstützung, wenn er den franzosen treffen konnte. nochmals so viele söldner wie die eidgenössischen truppen würde er stellen.

bern stellte das grösste kontingent. 2’700 soldaten, präzise 16 prozent, des hauptharst hob man aus. die nachfrage in der landbevölkerung war indessen viel grösser. weitere 4000 schlossen sich dem freiharst an, obwohl er von der tagsatzung verboten worden war. fast 7’000 jung berner standen jetzt unter den waffen, und sie besammelten sich am 27. august in besançon.

man fackelte nicht lang, denn frankreich war bedroht wie selten zuvor: die habsburgischen spanier überschritten die pyrenäen, die engländer durchsegelten den ärmelkanal, und general la trémoille, der in novara verloren hatten, konnte maxiamal auf 5 bis 6000 soldaten aus frankreich zählen, die er in dijon versammelte.

genau dieses dijon wurde in den ersten septembertagen des jahres 1513 durch eidgenössische und kaiserliche truppen belagert. la trémoille, seit 1483 im geschäft, bis 1509 der ansprechpartner der eidgenossen, setzte auf zeit. er begann zu verhandeln. er nutzte alte kontakte, und er wusste um die schwäche der eidgenössischen truppen.

warten war nicht ihre stärke. schon gar nicht die der soldaten aus den östlichen orten, die nicht recht wussten, was sie in dijon verloren hatten. und der wein war ihre schwäche. der burgunder floss, und die eidgenössischen truppen drohten zu zerfallen. zuchtlose scharen nannten selber die eigenen offiziere ihre scharen.

da schlug la trémoille am 13. september 1513 einen vergleich vor. könig ludwig XII. sollte definitiv auf mailand verzichten, und die kosten für den dijoner in der höhe von 400’000 kronen übernehmen. vornehme geiseln der franzosen sicherten den vertrag.

die eidgenossen willigten ein; am 20. september waren die berner schon wieder daheim, ohne dass ihre waffen wirklich gesprochen hatten.


ludwig XII., französischer könig, zuerst verbündeter, dann widersacher der eidgenossen

ludwig XII. und der friedensvertrag von dijon

doch ludwig XII, der französische könig, liess sich nicht in die pflicht nehmen. er bezweifelte, dass sein general bevollmächtigt war, einen solchen friedensvertrag abzuschliessen; für ihn würde er jedenfalls nicht bindend werden.

das kannte man in bern. 1498, als ludwig XII. könig wurde, buhlte er, wie es seit den burgunderkriegen üblich geworden war, um die zusammenarbeit mit den von bern angeführten eidgenossen. 1498 schloss man ein solches bündnis auch für 10 jahre ab. 1509 erneuerte man es indessen nicht mehr, weil die schlechte zahlungsmoral des franzosen bekannt geworden war. vor allem deshalb schloss sich das offizielle bern mit den eidgenossen der heiligen liga des papstes an, während eine minderheit allem verdruss zum trotz frankreichtreu geblieben war.

1514 machte ludwig XII. der tagsatzung ein neues angebot. er wolle die 400’000 kronen des dijoner friedens bezahlen. und er wolle inskünftig ohne die tagsatzung keinen kriege mehr um mailand führen, selbst den papst nicht mehr bedrohen, und auch den kaiser nicht mehr angreifen. auf mailand ganz verzichten wollte er indessen nicht.

da schwankte bern erneut. doch fragte man, wie im sommer 1513 nach dem könizer aufstand versprochen, die eigenen ämter um rat. frutigen trat sofort entschieden dagegen auf. nichts mehr zu tun haben wollte man mit dem franzosen, schrieb man nach bern. dieser taktiere nur, kein wort solle man ihm abnehmen!

bern gab nach und schloss sich dem ablehnenden bescheid der tagsatzung an. könig ludwig XII. hatten seinen kampf mit und gegen die eidgenossen verloren; 1514 sollte sein einfluss schwinden, und bis ende des jahres sollte er auch tod sein.

als wortbrüchiger gedenkt man seiner, der sein versprochenes geld zurückbehalten, dafür aber mailand für frankreich verspielt habe.

fast, wird man beifügen, wenn man die fortsetzung kennt.


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