den einen kennt man in bern gut, den anderen nicht. beide haben die botanik massgeblich vorangetrieben und den gedanken ausgeheckt, dass die entwicklung der pflanzenwelt selber eine geschichte ist.

carl von linné

carl von linné wurde heute vor 300 jahren geboren; bei albrecht von haller wird man nächstes jahr gleiches feiern. ich verweise schon mal auf den bahnbrechenden breifwechsel zwischen beiden protagnisten der naturwissenschaften, kollegen und konkurrenten in der frühgeschichte der botanik.


carl von linné (1707-1778), schwedens berühmtester naturforscher, der heute 300jährig geworden wäre

carl nilsson linaeus, wie carl von linné mit bürgerlichem namen hiess, wurde am 23. mai 1707 in rashult im südschwedischen smaland geboren. sein vater war theologe, und er ermöglichte dem sohn ein studium der medizin, das er in uppsala abschloss. um zu doktorieren ging carl nach holland, wo er sich für das austrebende fach der botanik interessierte und in den königlichen gärten arbeitete.

1735 legt der ers 28jährige forscher sein „systema naturae“, zu deutsch das natürliche system, vor, die schule machen sollte. 549 pflanzen hatte er hierfür minutiös erfasst. auf 10 seiten hatte er sie kurz und knapp beschrieben, und er hatte das ganze in eine systematik gebracht. es sollte der erste botanische ordnungsversuch sein, der in der version von 1758 als binominales system mit art und gattung von dauer bleiben würde! bis 1766 datierte carl, zwischenzeitlich als carl von linné nobilisiert, sein werk mehrfach auf. die letzte ausgabe umfasste bereits 7000 verschiedene pflanzen, und das werk war auf 2300 seiten angewachsen.

anfänglich ordnete carl die pflanzen, die erkannte, wie die stände, die es damals gab. die moose entsprachen den armen; die grässer waren wie die bauersleute; die kräuter verglich er mit dem adel und die bäume waren die fürsten. alles hatte seinen platz, der seinen ursprung im paradies hatte. dieses stellte sich carl ein gebirgige insel vor, auf der es alle klimata gab, die zur vielfalt der pflanzenarten führten. ab inition, von anbeginn an, gab es also die gesamte pflanzenwelt.

der entscheidende brief an albrecht von haller

sechs jahre später schrieb carl, zwischenzeitlich arzt in stockholm, seinem kollegen albrecht von haller nach bern. für einmal hatte er nicht neue pflanzen entdeckt, die sich in die bisherige systematik einreihen liessen. nein, diesmal gab es eine wirkliche sensation: carl hatte eine abart des leinkrautes gefunden, dessen blütenkrone ganz unüblich fünf sporne trug und ebenso ungewöhnlich radiäre blüten trug.

nach der aufgeregt verhandelten entdeckung wechselte carl von linné seine wortwahl. im paradies, schrieb er 1751, seien die damaligen pflanzen wohl nur in principo, ganz allgemein gesprochen, schon vorgekommen. das aber war ein bruch mit der denktradition: sollten pflanzen nicht mehr etwas gottgegebens sein, sondern kinder einer zeit? 1766, in der letzten ausgabe seines systema naturae, ging von linné noch weiter: seine vermutung 15 jahre zuvor bezeichnete er nun als tatsache: die pflanzenwelt verändere sich, wenn auch meist nur unmerklich; sie hat als ganzes eine geschichte!


albrecht von haller (1708-1777), berner universalgelehrter während seiner zeit als professor in göttingen, den von linné zum obersten der botanik erhob

die begründung der systematischen botanik

von linnés bleibende leistung als wissenschafter ist, naturphänomene wie die pfanzen geordnet zu haben. er gab ihnen einen eigenen namen, und machte sie dadurch unterscheidbar. das wiederum unterscheidet ihn nicht von anderen botanikern seiner zeit. er war es aber, der alles miteinander in verbindung brachte und dadurch das system der pflanzen, das im wesentlichen bis heute noch gilt, etablieren konnte.

diese systematik erlaubte es carl von linné auch, als ersten den wandel zu sehen der pflanzen zu sehen und den gedanken der entwicklung der natur zu formulieren. der brief an von haller von 1741 markiert die wende hierzu. – sicher die evolutionslehre des 19. jahrhunderts entstand dadurch noch nicht; doch der weg wurde auf bezogen auf pflanzen geebnet.

revolutionäre der gesellschaft waren weder von linné noch von haller. revolutionäre der naturwissenschaft indessen waren sie schon. wie klar sie noch zwischen menschen und pflanzen unterschieden sieht man von linnés ordnung der botaniker: streng militärisch ordnete er die meriten der kollegen nach seiner manier. seine kritiker brachten es maximal zum feldweibel. von haller wurde immerhin zum obersten der botanikerarmee befördert.

sich selber sah von linné, der ewige gegenspiel von hallers, selbstredend als general.

stadtwanderer


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