„ums himmels willen! wenn nicht die lauben, was macht dann die zähringerstädte aus?“ diese frage habe ich die letzten tage ein paar mal direkt gestellt bekommen. auslöser war mein beitrag über die berner lauben, die nicht zähringischen ursprungs seien, sondern an die savoyer in bern erinnern würde, deren herrschaft über stadt und (nahes) land zwischen überwunden wurde.


stadtplan des berner stadtzentrums: die zähringerstadt ist in der rechten flussschlaufe und reichte nach westen bishin zum heutigen theaterplatz resp. kornhausplatz

die prinzipen der zähringer stadtgründungen

françoise divorne, professorin an der école d’architecture in versaille, eine kennerin der zähringer städte, die mehrere bücher hierzu publiziert hat, nennt ganze eigenschaften. zähringisch ist nach ihr auffassung:

. die burg des stadtherrn liegt nicht in, sondern ausserhalb der stadt.
. die marktstrasse bildet die hauptachse.
. der stadtgrundriss entsteht aus einem rasterplan.
. die parzellierung der steht ist zweistufig: hofstätten und hausplätze sind die einheiten.
. es gibt keinen zentralen platz.
. die wasserversorgung der stadt erfolgt über einen stadtbach mitten in der marktgasse.
. es fehlt eine stadtmauer.

mehr oder minder findet sich das in den zähringischen stadtgründungen von 1120 in freiburg im beisgau bis 1191 in bern.$

die anwendung auf die zähringerstadt in bern

die burg der zähringer ist in bern nicht mehr sichtbar. sie stand einst dort, wo heute die nydeggkirche steht. das denkmal mit berchtold V. steht, nach einer odyssee durch die stadt heute auf dem platz. der brunnen in seiner nähe ist das letzte gut sichtbare relikt aus der zeit der stadtgründung. für eine stadt mit römischen wurzeln wäre diese eigenschaft der zähringerstädte unvorstellbar, niemals hätte ein römischer stadtherr nicht an zentraler lager residiert. bern, burgdorf, thun und murten – die letzten drei zährignerstädte haben alle ihre burg noch – belegen aber diese eigenheit der zähringer deutlich. in bern kommt hinzu, dass die stadt, burgum genannt, sogar über der burg lag. sie war aber durch einen graben getrennt, der erst später zwischen dem platz der nyeggkirche und dem stadteingang bei der marktgasse aufgeschüttet worden ist.

die zähringerstadt reichte bis zum heutigen zytgloggenturm, der wiederum an einem graben lag, der heute aufgeschüttet ist. die verbindung zwischen ein- und ausgang des burgums wurde soweit möglich gerade angelegt. links und rechts wurden hofstätten mit dem berner fuss (nur 29,3 cm und damit kürzer als viele andere füsse) abgesteckt. 60 fuss mass die breite, 100 fuss die tiefe. das galt in der ganzen statt. die einzige, heute noch ungeteilt hofstatt ist die, auf der der erlacherhof heute steht, ursprünglich dem locator, der stadtbauer cuno von bubenberg gehörte. alle anderen hofstätte sind heute unterteilt in hausparzellen.

die starre parzellierung des stadtboden führte zum rasterplan. zähringerstädte sind, wo es die topografie erlaubt, rechtwinklig. im rechtecke werden sie durch die längs- und querstrasse in form eines kreuzes strukturiert. rund herum werden weitere strassen gezogen, die das rechteck bilden, um die herum es nochmals eine reihe von parzellen gibt. dieses prinzip ist in bern fast lückenlos durchgezogen worden. nur die brunngasse bildet hier eine gut sichtbare ausnahme, was immer wieder zu spekulationen führt, sie sei älter als die stadt selber.

die breite marktgasse ersetzte in den zähringerstädten den sonst typischen zentralen platz in städten. den gab es in bern nie. die richtstätte des stadtherrn, sei es der könig gewesen oder sein stellvertreter, der schultheiss, auf der über leben und tod entschieden wurde, war mitte auf der marktgasse, und zwar leicht östlich von der stelle, wo die kreuzgasse die marktgasse quert. einen festen richtstuhl gab es in bern nie; er wurde immer nur bei bedarf auf-, dann wieder abgebaut.

der markt selber, mit dem butter-, fisch- und fleischmarkt, verteilte sich über die ganze marktgasse. er bestand aus speziellen ständen, die über dem stadtbach angelegt wurde. dieser wurde nach den erfahrungen, die insbesondere in den zisterzienserklöstern, wie jenem auf dem frienisberg gesammelt wurden, speziell angelegt. zu- und abflüsse waren künstlich, durch die ableitung des sulgenbachs von köniz nach bern. ursprünglich verlief die zentrale wasserversorgung in holzkanälen, später in steinbauten. der stadtbach selber ist in bern seit jüngster zeit wieder zu sehen.

die zähringer bauten ihre städte am liebsten an natürlich geschützten stellen. die flussschleifen in fribourg, aber auch in bern sind ausdruck davon. sie umgeben die stadt, und machen sie damit auch ohne stadtmauern sicher. bern hatte zunächst keine stadtmauern, und genau das war für eine zähringerstadt typisch. dort, wo später die savoyer die zähringerstädte übernahmen, wurden die offenen städte durch mauern umgeben. das war in bern ab den 1250er jahren der fall. die grössten stadtmauern wurden erst im 17. jahrhundert, während des 30jährigen europäischen krieges angelegt, und sie wurde zu beginn des 19. jahrhundert abgetragen, um die stadterweiterungen zuzulassen.

unesco-welterbe bern: die vollendste zährignerstadtgründung

keines dieser merkmale ist exklusiv für zähringerstädte. ihre kombination aber schon. sie findet sich eigentlich überall dort, wo die topografie die neugründung einer stadt nach klaren prinzipien zuliess. bern gilt dabei als die vollendeste der zähringischen stadtgründungen, und die meisten der genannten merkmale sind bis heute sichtbar. das hat der stadt denn auch die aufnahme in unesco-welterbe gebracht.

stadtwanderer


Comments

Name (required)

Email (required)

Website

Speak your mind