ich gebe es gerne zu: ich werde an der euro08 kein fussballspiel in bern besuchen. dennoch hätte ich, würde ich in bern stimmen können, am wochenende „ja“ zum kredit für die fussball-europameisterschaft gesagt. gerne begründe ich warum!


zuerst regen, dann aufhellung: berner politprominenz bei der countdown-enthüllung zur euro08 (fotos: stadtwanderer, anclickbar)

die offizielle vorankündigung der euro08 vor dem zytgloggenturm

der bahnhofplatz wäre für die heutige enthüllung sicher ideal gewesen. doch da geht wegen dem umbau vor der euro08 momentan gar nichts mehr. nicht einmal eine kleine zeremonie zur die euro08. deshalb wählte man den standort vor dem zytgloggenturm, um den countdown der spiele zu enthüllen: 352 tage und ein paar stunden bis geht es noch bis zum anpfiff der fussball-europameisterschaften.

die szene war fast symbolisch: alex tschäppät, der stadtpräsident, und andreas rickenbacher, der kantonale volkswirtschaftsdirektor, standen nach der enthüllung der grossen uhr nicht nur den lokalen medien red und antwort. sie standen auch etwas im regen! nur dank den schirmen ihrer medienbeauftragten und der intervienden kamera- und reporterteams wurden sie nicht nass!

gar wie ein begossener pudel hätte bern ausgesehen, hätten die stimmenden am abstimmungswochenende den 5 mio kredit verworfen. als einzige stadt hätte man in bern über das eurogeld abgestimmt, – und als einzige statt hätte man deshalb beinahe keine spiele ausrichten können.

doch es kam nicht so weit: 52 prozent ja sind ein ja. hätte ich stimmen können, hätte ich ebenfalls zugestimmt! obwohl ich mir sicher keines der fussballspiele direkt ansehen werde!


mal mehr, mal weniger im (gegen)wind: vorboten der heutigen zeremonie, die man seit dem abstimmungswochenende in bern zur euro08 sehen kann (fotos: stadtwanderer, anclickbar)

für und wider den fussball

1994, bei der fussballweltmeisterschaft, war ich noch begeisterter zuschauer im aarbergerhof. ich habe gesehen, wie alain sutter kämpfte, ich habe beoachtet, wie die menschen mit dem ball mitgegangen sind, und ich habe gespürt, wie toll die stimmung war. die besten momente waren, wenn jeweils brasilien spielte. die männer und frauen aus der ehemaligen skalvenkolonie, die meist unscheinbar in bern leben, zauberten im nu eine samba-stimmung ins restaurant, in die aarbergergasse, ja in die ganze innenstadt, dass man nur mitfiebern konnte.

und heute: mich stören die massenaufläufe bei sportveranstaltungen zusehends; mich stören vor allem sauforgien mit bier und wein; und mich stören die lauten männerbünde! fussball ist zum unschönen volksfest verkommen. fussball ist der hort des maskulinen nationalismus geworden. und fussball ist virtuell und medial zu allgegenwärtig.

meine bilanz zur euro08 lautet deshalb 1:1 unentschieden.


noch keine europhorie: der countdown zur euro08 ein jahr davor (fotos: stadtwanderer, anclickbar)

warum ich dennoch für den kredit gestimmt hätte

ich verstehe alle ein wenig, denen das zu viel ist! ich verstehe auch alle ein bisschen, die angesichts der finanzkrise der stadt die summe, die man ausgibt, kritisieren. und ich verstehe schliesslich auch jene im ansatz, die durch den momentanen grossumbau der stadt gestresst sind.

doch halte ich die spontane reaktion, auf dem stimmzettel nein zu sagen für kurzsichtig: mit der euro08 bietet sich bern eine ausgezeichnete chance, sich einen grossen publikum bekannt zu machen, sich in erinnerung zu rufen. bern kann sich so zu profilieren, und die stadt und der kanton können neue leute anzuziehen. ausserquartiere der stadt sind für bewohnerInnen und geschäfte am entstehen, sie sollen nicht nur baulärm erzeugen. sie sollen auch neues leben in die region, in die stadt bringen. bern ist darauf angewiesen!

denn bern ist in der defensive. zürich, basel und genf ziehen die öffentliche aufmerksamkeit effektvoller auf sich. schlimmer noch: nicht nur die metropolitanregionen rund herum focussieren das interesse, auch andere städte werden zur konkurrenz. luzern gemeindet schon mal littau ein und will nun das gleich mit allen anderen vororten machen; die viertgrösste stadt der schweiz soll so entstehen, hinter zürich, genf und basel, – aber vor bern!

das ist für mich die einzig legitime motivation, öffentliches geld für die fussballeuropameisterschaften auszugeben: sie gehören zu den meist beachteten sportereignisse überhaupt. sie müssen als plattform der kommunikation genutzt nutzen. stade de suisse, klee-museum und einstein-jahr waren nur elemente dieser kette. weitere glieder müssen folgen. auchmit der euro08 ist das ende noch gekommen!

wäre ich nicht nur im vorbeigehen an der heutigen enthüllungszeremonie vorbeigelaufen, hätte ich meinen schirm auch hingehalten, um die kleine voreröffnungsfeier zu schützen. so bleibt mir nur der wortreiche support des

stadtwanderers

und was die berner zeitung aus meinen gestrigen spaziergang gemacht hat:
der nieselregen war symbolisch


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