„pecunia non olt!“, sagte kaiser vespasian seinem sohn titus, als sich dieser über die neuen steuern mokierte. er hielt ihm die erste münze, die er aus der latrinensteuer eingenommen hatte, als beweis unter die nase. „atquin e lotio est…!“ zu deutsch: und dennoch stammt es aus urin, schob der triumphierende vater nach.


öffentliche toilette in murten (bild stadtwanderer, anclickbar)

vespasians jugendjahre in aventicum

vespasianus kam im vierkaiserjahr an die macht. die erste dynastie der julier und der claudier war mit dem selbstmord neros anfang 69 zu ende gegangen. drei machthaber machten danach geltend, der neue kaiser zu sein. sie bekämpften sich sich gegenseitig, und vespasian war der lachende vierte. er kontrollierte von alexandria aus die getreidezufuhr nach rom, und seinen sohn titus sandte er nach jerusalem, das jüdische königreich zu erobern. so hatte man geld und korn, und das waren schon gute argumente, um als kaiser anerkannt zu werden. in der tat begrüdete vespasianus die zweite, die flavische dynastie, die am ende des 1. jahrhunderts nach christus das römische reich unter ihm und seinen söhnen titus und domitianus regierte.

vaspasian selber wurde in italien, in der nähe von rieti geboren. sein vater war steuereintreiber, und er wurde in den norden gesandt. in aventicum, dem neue rom, auf der anderen seite der alpen, sollte er als römischer geldverleiher wirken. vespasian lebte deshalb in seinen jungen jahren in heutigen avenches.

die stadt war damals im aufbau begriffen. aus dem keltischen zentrum entstand die römersiedlung. einen kanal baute man sogar bis an den murtensee. so war aventicum, die südlichste stadt, die direkt auf dem wasser mit der nordsee verbunden war.


öffentliche toiletten in murten, 2. teil (fotos: stadtwanderer, anclickbar)

öffentliche latrinen, haushaltssanierungen und kleinstädte der romandie

wo und wann die bankiers, ihre söhne und enkel auf die idee gekommen sind, für urin geld zu nehmen, weiss ich nicht. bekannt ist aber der hintergrund. in rom hatten nur die privatvillen einen eigenen wasseranschluss. die mietshäuser indessen kannten dieses privileg nicht. in diesen inuslae war es denn auch üblich, dass man im treppenhaus bottiche aufstellte, die für das „kleine geschäft“ dienten. gestellt wurden die behälter normalerweise von gerbern, die den gesammelten urin für ihr handwerk verwendeten.

nun besteuerte man genau diese dienstleistung der walker und gerber. wer den urin anderer nahm, zahlte dafür dem kaiser sein geld!

in aventicum dürften die pissoirs mit dem bau der römischen steinstadt einzug gehalten haben. das war, in der zeit, als der junge vespasian in unseren breitengrad lebte. mag sein, dass der sohn des geldhändlers damals auf die idee gekommen war, dass es falsch sei, einen geschäftsvorteil entstehen zu lassen, ohne dass der staat davon etwas hat.

sicher, heute nimmt der staat kein geld mehr, wenn man pinkeln geht. das machen allenfalls noch private, welche die öffentlichen toilleten sauber halten. bis heute erhalten haben sich aber zwei sachen aus vespasians zeiten: immer wieder fällt mir auf, wie viele freistehende öffentliche pissoirs es gerade in kleinstädten der romandie hat. in avenches, in payerne und in murten findet man sie nicht selten gehäuft. und es hat sich im sprachschaz der italiener und der franzosen die vespasiano oder vespasienne erhalten. das elegante wort für das austreten aus der gesellschaft, um das kleine oder grosse geschäft zu erledigen.


öffentliche toiletten in murten (fotos: stadtwanderer, anclickbar)

der reiche kaiser als wirtschaftsförderer

als vespasian kaiser wurde, übernahm er vor allem einen desolaten staatshaushalt, der ihm kaiser nero überlassen hatte. der sohn des steuereintreibers und geldverleihers sanierte diesen, und er kannte dabei keine lücken, wo es sich keine neuen steuern eintreiben liessen. der römische historiker sueton widmet dieser fantasie des kaisers ein ganzes kapitel in seiner römischen geschichte.

immerhin, vespasian nahm nicht nur geld, er gabe es auch aus. er war auch eine mächtiger wirtschaftsförderer: das niedergebrannte rom aus neros zeiten wurde in seiner zeit wieder aufgebaut. das koloseum entstand an zentraler lage im reich. doch auch ausserhalb roms förderte der kaiser die bautätigkeit. selbst das amphitheater von aventicum, das heute noch in avenche benutzt wird, geht auf vespasian zurück.

tragischer tod auf der toilette

hätte vespansian noch eine woche länger gelebt, wäre er genau 10 jahre kaiser gewesen. anders als seine vorgänger beging er weder selbstmord, noch wurde er umgebracht.

dennoch erlebte er einen tragischen tod: er verstarb am heutigen 23. juni, aber vor 1928 jahren ausgerechnet an hefitgem durchfall …

wer weiss, was ihn das an seinem lebensende noch gekostet hat!

stadtwanderer


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